Die hübsch aufgereihten Stühle blieben leer. Weniger als 20 Einwohnerinnen und Einwohner kamen am Mittwochabend ins Landhaus, um an der öffentlichen Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision teilzunehmen. Interessiert die übrigen 17'000 Solothurner die Zukunft ihrer Stadt nicht? Immerhin geht es um heisse Themen zur Weiterentwicklung der Stadt. Etwa: Braucht es eine Ausgehzone oder ist dies nur Ballermann, der die Einwohner vom Schlaf abhält?

Könnte auf der Dornacherstrasse dereinst das Tempo gesenkt werden, damit die Strassenquerung für Velos endlich attraktiver wird? Wo wird es Parkplätze geben und welche Gärten und Grünflächen sollen unbedingt erhalten bleiben? Werden einstöckige Häuser zwecks Verdichtung langfristig aus dem Stadtbild verschwinden? Sollen in den Klostergärten unter Umständen doch Wohnbauten erlaubt werden? Oder wird Hausbesitzern entlang der Bielstrasse wirklich vorgeschrieben, dass im Erdgeschoss keine reine Wohnnutzung sein darf?

Nachtleben und Mobilität

Anhand grosser Karten, die derzeit in der Säulenhalle hängen, gaben sich Bauamtsleiterin Andrea Lenggenhager und das ganze Planungsteam grosse Mühe, ihre Planungsabsichten zu erklären, Fragen der Besucher zu beantworten, Kritik aufzunehmen und Anregungen zu diskutieren. Immer wieder genanntes Thema unter den Besuchern am Mittwochabend: das Nachtleben.

Gerade die geplante Gastrozone am Aaremürli gab zu Diskussionen Anlass. Sie wurde von einem Teil der Besucher, darunter einer direkten Anwohnerin, die die IG L(i)ebenswertes Solothurn gegründet hatte, weniger als Möglichkeit verstanden, Nachtschwärmern und den bestehenden Betrieben mehr Freiräume zu geben. Die Befürchtung geht in Richtung einer Ballermannzone, die Sauforgien von überall her anzieht. Ein grosser Teil der bisherigen Fragen sei zum Nachtleben gewesen, sagte Lenggenhager auf Anfrage. Die Mobilität nennt sie als weiteren.

Wer die Informationsveranstaltung verpasst hat, kann dies morgen Samstag nachholen. Alle Unterlagen finden sich auch unter www.ortsplanung-solothurn.ch. Dort kann auch jeder Bürger noch bis zum 31. Oktober seine Anmerkungen und Vorschläge zur künftigen Stadtentwicklung einbringen, ebenso per Brief ans Stadtbauamt. Die Eingaben werden dann gesichtet und führen allenfalls zu Anpassungen.

War das Interesse am Mittwochabend zaghaft? Etwas mehr Personen hätte sich Andrea Lenggenhager gewünscht. Allerdings hatte sie in Sachen Mitwirkung auch eine positive Nachricht: Alle die 281 Hausbesitzer, deren Gebäude als erhaltens- und schützenswert gelten, wurden für eine Informationsveranstaltung angeschrieben. 160 haben sich bereits angemeldet. Wo die persönliche Betroffenheit am grössten ist, dürfte auch das Interesse an der Mitwirkung am grössten sein.

Weitere Anlässe: Am Freitagabend ab 19 Uhr Podium zum Thema Mobilität in der Säulenhalle. Am Samstag um 11 Uhr nochmals Info-Veranstaltung zu den Zonenplänen, Zonenreglement und Erschliessungsplan in der Säulenhalle

Online mitwirken: https://solothurn.e-vernehmlassung.ch/auth