Solothurn
Ins Wasser gefallen: Premiere musste in zwei Teilen aufgeführt werden

Die Premiere des Freilichttheaters «Don Camillo und Peppone» des Theater Orchester Biel Solothurn begeisterte, obschon sie wetterbedingt auf zwei Abende verteilt werden musste.

Nadine Schmid
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Wolfgang Lesky überzeugte als Don Camillo.
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Theater Orchester Biel Solothurn führt «Don Camillo und Peppone» auf
Wolfgang Lesky als Don Camillo und Günter Baumann als Peppone, Bürgermeister und Sektionssekretär der KP
Natalina Muggli als Gina und Matthias Schoch als Mariolino

Wolfgang Lesky überzeugte als Don Camillo.

Ilja Mess/TOBS

Das Theater Orchester Biel Solothurn (Tobs) hat sich für den Saisonauftakt mit «Don Camillo und Peppone» an einen Klassiker herangewagt und es geschafft, etwas Besonderes auf die Bühne zu bringen. Lediglich das Wetter wollte am Premierensonntag nicht mitspielen: Zwei Stunden früher als von der Wetterprognose angekündigt, kam es zu heftigen Regengüssen, weshalb das Tobs zum ersten Mal eine Freilicht-Premiere mittendrin abbrechen musste.

Nachgespielt wurde der zweite Teil am Montagabend und begeisterte genauso wie der erste am Vortag. Alle Schauspieler überzeugten mit exzellenter Leistung von Anfang bis Schluss und führten die Zuschauer in eine Zeit Italiens, in welcher sich die zwei führenden Parteien – die Christdemokraten und die Kommunisten – feindselig gegenüberstanden und bekämpften.

Die überzeichneten Charaktere und Situationen hatten die Lacher auf ihrer Seite. Dabei stolperten diese schrulligen Menschen, allen voran der kommunistische Bürgermeister Peppone und der konservative Dorfpfarrer Don Camillo immer wieder über ihr eigenes Herz: Die beiden Protagonisten besannen sich trotz Feindschaft und verblendeten Ansichten auf die Freundschaft und Nächstenliebe, auch wenn ab und an nicht aus eigenem Antrieb.

Liebe fürs Detail

Mit Liebe fürs Detail, Licht- und weiteren künstlerischen Effekten gelang es mitzureissen. Zeitgenössische Musik aus Italien, Gesang und Tanz sorgten für das richtige Ambiente, genauso die Kostümierung und die Bühnenbilder (von Vazul Matusz): Der erste Teil des Stücks findet jeweils in der Kirche des Kapuzinerklosters statt. Ein passendes Setting, da das Stück selbst zunächst in der Kirche des norditalienischen Dorfes, in der die Figuren leben, spielt. Die daraus entstehenden Möglichkeiten werden spielerisch genutzt: Im Beichtstuhl werden Sünden gestanden, hinter dem Altar stehend hält Don Camillo eine Predigt und am Kreuz festgenagelt, ermahnt Jesus mit ironischen und spitzfindigen Kommentaren den Pfarrer und gibt ihm Ratschläge.

Im zweiten und längeren Teil des Freilichttheaters geht es hinaus die aufgestellte Tribüne im Klosterhof, wo man unter anderem Teil eines Fussballspiels wird und das Büro von Bürgermeister Peppone zu Gesicht bekommt. Dabei setzt das Freilichttheater auch darauf, verschiedene Sinne anzuregen: Beispielsweise als Peppone und Don Camillo im Beichtstuhl sitzen, sieht man die Schauspieler nicht und muss sich somit ganz aufs Gehör verlassen.

Nicht mit Film zu vergleichen

Die Komödie von Gerold Theobalt, auf der das Stück des Tobs basiert, entstand nach dem berühmten Roman «Mondo Piccolo Don Camillo» von Giovannino Guareschi (1908–1968). Der Film von 1952 mit Fernandel und Gino Cervi in den Hauptrollen, der Guareschis Geschichte noch bekannter werden liess, lässt sich nicht mit dem Stück vergleichen.

Dies betont auch Barbara Grimm, die das Stück inszenierte. Sie würden keine Nachahmung wollen und ihre Hauptrollen hätten sehr wenig mit Fernandel und Cervi gemein. Doch eine Ähnlichkeit ist auch gar nicht notwendig: Don Camillo (Wolfgang Lesky) und Peppone (Günter Baumann) wachsen bereits nach den ersten Spielminuten ans Herz. Genauso gewinnt man die anderen Figuren lieb. Für die Statistenrollen wurde mit dem jungen Theater Solothurn zusammengearbeitet. Für die Choreografie war Gisela Weismann zuständig, für die Dramaturgie Adrian Flückiger. Die Inszenierung ist ein Schmaus für Theaterliebhaber.

«Don Camillo und Peppone» bis Ende August auf dem Gelände des Kapuzinerklosters in Solothurn. Die nächsten Aufführungen sind täglich vom 13. bis 16. 8.

Preis pro Ticket: 53 Franken. Ab 16 Uhr wird unter der Nummer 032 328 89 78 informiert, ob die Vorstellung stattfindet.