Solothurn
«Inmitten der Eurokrise bleibt die Schweiz ein Leuchtturm»

Im Museum Blumenstein referierte der frühere Chefökonom des Bundes, Amyo Brunetti, am Mittwochabend über die Hintergründe und die Entwicklung der Eurokrise.

Andreas Kaufmann
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Andreas Kaufmann

Selbst wenn sich die Schweiz gegenüber der Eurozone im Moment wie die unversehrte Insel gegenüber der rauen See ausnimmt - die Währungskrise ist ein Thema, das ebenso die hiesigen Banken beschäftigt. So dürften die rund 40 Vertreter der Vereinigung Solothurner Banken mit besonderem Interesse dem Vortrag zum Thema gelauscht haben, der am Mittwochabend im Museum Blumenstein über die Bühne ging.

«Die Eurokrise hat eigene Ursachen»

Amyo Brunetti, Professor für Wirtschaftspolitik und Regionalökonomie an der Uni Bern, war von der Vereinigung zur thematischen Abrundung der Jahresend-Versammlung eingeladen worden. Dies, um über die Hintergründe, die Entwicklung sowie mögliche Zukunftsszenarien im Zusammenhang mit der Eurokrise zu referieren. Dabei hielt er gleich zu Beginn fest: «Die Eurokrise geht nicht auf die allgemeine Wirtschaftskrise zurück, sondern wurde von ihr lediglich beschleunigt.» So schälte er analytisch die Kausalketten heraus, die zum aktuellen Zustand geführt haben.

«Ein künstlicher Boom»

Am Ausgangspunkt der Krise sei die Einführung des Euro in den so genannten GIPS-Staaten gewesen, namentlich Griechenland, Irland, Portugal und Spanien. Kurz nach der neuen Währung in diesen Ländern sei ein Wirtschaftsboom losgetreten worden, verbunden mit hohen Wachstumsraten und stimuliertem Konsum. «Doch der Boom war ein künstlicher - was den Ländern nur schwer beizubringen war.»

Die Inflation stieg an, was mit einem Verlust der Wettbewerbsfähigkeit einherging. Auf der staatlichen Seite bescherte dieser künstliche Boom reichliche Steuereinnahmen, die aber nicht für den Schuldenabbau, sondern den Staatsausbau verwendet wurden. Dies habe zu den grossen Budgetdefiziten geführt.

Durchwursteln, «GRexit» oder «Vereinigte Staaten von Europa»

Weiter reflektierte Brunetti die Rolle der Europäischen Zentralbank, die sich bei den staatlichen Finanzierungsproblemen wider besseres Wissen zur Intervention genötigt sah, sobald eine Eskalation drohte. Interventionen, die bisher eine zumindest kurzfristige Entspannung der Eurokrise zur Folge hatten. Brunettis Blick in die Zauberkugel, sprich in die Zukunft, hinterliess keinen rosigen Eindruck. So skizzierte er drei mögliche Szenarien: Als «Übungsabbruch» benannte er den Weg, zu den alten Währungen zurückzukehren.

«Griechenland hat eigentlich nie etwas in der Eurozone verloren gehabt», verdeutlichte Brunetti klar. Doch das Rad zurückzudrehen sei unmöglich, man würde damit einen «depressionsartigen Einbruch» in Griechenland verursachen. «Durchwursteln wie bisher», nannte er als zweite, wenngleich fragliche Option. Seine bevorzugte Lösung seien die «Vereinigten Staaten von Europa». Die gemeinsame Währung sollte damit zu einer gemeinsamen Fiskal- und letztlich auch gemeinsamen Sozialpolitik vertieft werden.

Stablilität als Schweizer Pluspunkt

Brunetti rundete seinen Vortrag mit der Frage ab, ob die Eurokrise bald abgehakt werden könne: «Nein, leider noch lange nicht», lautet seine Antwort darauf. Die aktuelle Krise werde nur noch durch die «Great Depression» von 1929 übertroffen. Als Lichtblick - insbesondere auch für die anwesenden Zuhörer aus dem Bankenbereich - hob er die besondere Lage der Schweiz hervor. Als grosses Plus nannte er die Stabilität: «Hinsichtlich der politischen Strukturen und auch makroökonomisch betrachtet ist die Schweiz ein Leuchtturm.»