Fünf Jahre Westumfahrung

Ingenieur Dieter Fux: «Ich war auf dieser Baustelle sehr verwurzelt»

Ein Rück- und ein Ausblick: Vor mittlerweile fünf Jahren wurde das Bauprojekt trotz einiger Probleme pünktlich abgeschlossen. Künftig soll auf den beiden Strassenseiten ein neuer Stadtteil entstehen.

Die Vergangenheit

«Hammer!»: Wenn Dieter Fux in Erinnerungen schwelgt, entfährt ihm das Wort ab und zu. Der Ingenieur vom Amt für Verkehr und Tiefbau leitete 2005 bis 2008 den Bau der Westumfahrung, kannte alle Arbeiter und Probleme auf der Baustelle. «Ich war da sehr verwurzelt», sagt Fux.

Heute vor genau fünf Jahren, am 8.8.08, ist die Strasse dem Verkehr übergeben worden. Im ersten Jahr sei er noch mit Wehmut am Bauwerk vorbeigefahren, sagt Fux. Heute fährt er über die zwei Kilometer Strasse «wie über jede andere Strasse auch.»

Nur einmal stand das Eröffnungsdatum auf Messers Schneide. Die Fundationen für die Aarebrücke waren der kritische Punkt. «Da habe ich schon Bedenken gehabt», sagt Fux. Doch dann wurde der Bauplan geändert: Man begann mit dem Brückenbau – anders als geplant – auf beiden Aareseiten gleichzeitig.

Für Fux endete das Projekt trotz Problemen mit der Kanalisation und einem überfluteten Gibelintunnel pünktlich. Der juristische Streit kam aber eben erst zum Abschluss. Mit 80 Mio. Franken rechnete Baudirektor Walter Straumann bei der Volksabstimmung 2002, daraus wurden 95 zu Baubeginn. 103 Mio. bewilligte der Kantonsrat. Heute, am Ende seiner Amtszeit, rechnete der scheidende Baudirektor mit fünf weiteren Millionen.

Die Gegenwart

Zwei dicke Linien durchziehen die Stadtskizze vor Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt. Es sind die Achsen Bahnhof-Rötibrücke-Werkhofstrasse und die Westumfahrung. Über diese beiden Routen fährt ein Grossteil der Autos durch die Stadt. Fünf Jahre nach Fertigstellung haben sich die Verkehrsprognosen grösstenteils erfüllt.

«Tendenziell ist die Westumfahrung gut ausgelastet. Es könnten aber mehr Leute über die Rötibrücke fahren», sagt Lenggenhager. Rötibrücke und Luzernstrasse sind entlastet worden, dank der geschlossenen Wengibrücke ist der Verkehr aus dem inneren Stadtteil verschwunden.

Doch im Stadtbild gibt es seither auch Brachen: Nördlich und südlich der gesperrten Wengibrücke ist der Verkehr zwar verschwunden. In der Vorstadt und bei der Wengistrasse hat er allerdings eine wenig attraktive Asphaltwüste zurückgelassen. Das will die Stadt ändern, zumindest für die Vorstadt besteht ein Konzept. Weder Termin noch konkrete Vorstellungen gibt es für die Umgestaltung des Postplatzes. «Es ist nicht so einfach wie in der Vorstadt», erklärt die Leiterin des Stadtbauamtes.

Die Zukunft

An der Westumfahrung liegt Solothurns Zukunftshoffnung: Auf den freien Feldern links und rechts der Strasse soll ein neuer Stadtteil entstehen. Und die Stadtplaner haben eine unglaubliche Chance: Das Bauland gehört der Stadt. Damit können Politik und Behörden die Quartierentwicklung viel stärker steuern, als dies bei privaten Investoren möglich ist.

Doch wie plant man einen neuen Stadtteil? Klar ist: Die autogerechte Stadt ist Vergangenheit. Mehrverkehr steht heute nicht mehr für Fortschritt. «Das Auto ist zentral. Wir können es niemandem verbieten und auch als Planer kann man das nicht wegdenken», sagt Solothurns Stadtplaner Daniel Laubscher. «Aber man kann auf eine Verlagerung hinwirken.» Konkret heisst das: Wenn der Verkehr auf der Westumfahrung weiter zunimmt, sollen Stau und stockender Verkehr Druck auf die Autofahrer ausüben. Denn weitere Fahrspuren wird es nicht geben.

«Ohne Stau gibt es keinen Ausgleich zwischen den Verkehrsachsen und keine Umlagerung», erklärt Laubscher. Freie Fahrt für freie Bürger ist in der Planung 2.0 überholt. Ziel ist es, das Verkehrswachstum auf der Achse ab 2020 einzudeckeln. Mithelfen soll dabei das neue Quartier: «Matchentscheidend ist, was jetzt geplant wird», sagt Daniel Laubscher.

In den Augen der Stadtplaner soll das Quartier so angelegt werden, dass Bewohner kaum mehr ein Auto benötigen. Im Gegensatz zur Weststadt soll der Weitblick kein Wohnquartier werden. Die Bahnhaltestelle Solothurn Allmend und die Buslinie 8 werden das Quartier an den öffentlichen Verkehr anbinden. Wohnen und Arbeiten sollen am selben Ort möglich sein.

Das Kofmehl-Coop beim Allmendknoten, das derzeit durch Einsprachen blockiert ist, soll den Einwohnern alles bieten, was sie für den täglichen Bedarf benötigen. Doch vollständig kann die Stadt die Verkehrsmenge auf der Westumfahrung nicht steuern. Migros, Aldi und Coop heissen die grossen Unbekannten in der Verkehrsplanung. Denn Grossverteiler in der Agglomeration beeinflussen die Verkehrsmenge auf der Westumfahrung: Schon heute fahren Migros-Kunden aus Biberist zum Einkauf ins Ladedorf. Und Langendörfer Coop-Anhänger fahren dank der schnellen Westumfahrung ins Coop nach Biberist.

Weil jedes Einkaufscenter Verkehr anzieht, hat sich die Stadt auch gewehrt, als Aldi an der Bürenstrasse baute. Solchen Mehrverkehr will man im Weitblick verhindern. Dort will man trotz der freien Baulandfläche auf Fachmärkte verzichten. Der Stadt gehört das Land. Politik und Planer können in den nächsten Monaten entscheiden, wie sich das Gebiet um die Westumfahrung weiterentwickelt.

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