«Gluschtiwasser» heisst der Drink, den sich JJ Flück hinter der Bühne im Solheure genehmigt. Das Getränk hat eine frappante Ähnlichkeit mit einem Caipirinha, schmeckt auch verblüffend ähnlich, aber davon wollen Flück und der Solheure-Chef Alan Voser nichts hören. Immerhin stecken da schon noch einige Geheimzutaten drin, wie Voser erklärt. Und immerhin haben die Jungs von «JJ’s Hausband» den Drink einst selbst erfunden. Mittlerweile können ihn auch Gäste an der Bar bestellen.

Die Stimmung backstage ist gelassen. Eigentlich sollte JJ Flück sein Schlagzeug abräumen. Als Drummer hat er beim Auf- und Abbau immer am meisten zu tun, beklagt er sich mit einem Augenzwinkern. «Ich habe den schlechtesten Stundenlohn der Band.» Aber das ist ihm jetzt gerade egal. Das Konzert ist vorbei, der letzte Summerjam der Saison gespielt. Und die Saison war eine besondere: Zum zehnten Mal hat sich heuer die Geburtsstunde von «JJ’s Hausband» und jene der «Summerjams» gejährt.

Behandelt wie die Könige

92 Mal sind Sam Siegenthaler, Pascal Käser und JJ Flück für diese Jams gemeinsam aufgetreten; mit über 100 Gastkünstlern haben sie dabei auf der Bühne gestanden. Wie das Ganze überhaupt angefangen hat? «Wir waren einfach hungrig zu spielen», sagt Flück, dem man diesen Hunger noch immer anmerkt. «Und wir hatten die Eier, was aufzuziehen.» Die «Summerjams» haben sich schnell etabliert – vom Solheure, in welches «JJ’s Hausband» nach der Startphase in der alten Kulturfabrik Kofmehl «umzog», sind die Jams nicht mehr wegzudenken.

«Der Anlass passt voll hierher», findet Alan Voser. Das Spontane der «Summerjams» entspreche ganz dem Spirit des Solheure, und: «Die Konzerte gehören einfach zu den Sommerferien.» Reklamationen von Anwohnern gebe es viel seltener als früher. Auch, weil die Konzerte donnerstags und nicht mehr mittwochs durchgeführt werden und meist um etwa Viertel nach zehn fertig seien. «Wir sind sehr anständig», kommentiert JJ Flück, der ebenfalls glücklich mit der Location ist. «Wir werden hier behandelt wie Könige», sagt er und lacht. Und er sei stolz, fügt er an, dass man die Konzerte seit zehn Jahren mit gemeinsamer Energie immer wieder auf die Beine stelle. Gratis für die Zuschauer, wohlgemerkt.

Geprobt wird nur noch selten

«Die Jungs altern gut», hat Rapper Greis beim Konzert gesagt. Er ist mit ihnen gealtert, hat schon vor zehn Jahren mit «JJ’s Hausband» gespielt.

Obwohl Flück und seine Mitmusiker immer wieder neue Künstler zu sich auf die Bühne holen – und auch Musiker zusammenbringen, die man sonst nie gemeinsam auftreten sieht – stellt sich natürlich eine gewisse Routine ein.

Man kennt sich in der Musikszene. Die Band hat ein riesiges Repertoire und spielt die verschiedensten Stile. Geprobt wird vor den Auftritten nur noch selten. «Das macht es spannend», sagt Flück. «Es passiert unglaublich viel Cooles auf der Bühne, oft geschehen ganz wilde Sachen.» Und die wirklichen «Summerjam-Momente» seien natürlich die, wenn man im Publikum unerwartet einen Musiker entdeckt und ihn auf die Bühne bittet.

«Highlights?», fragt JJ Flück. «Wenn man mich das nach drei Jahren ‹Summerjam› gefragt hätte, hätte ich sicher was gewusst. Aber inzwischen gab es so viele Höhepunkte, dass die Highlights verwischen.» Wobei es bei genauerer Überlegung dann schon einiges gibt, das getrost herausgegriffen werden kann: dass die Leute nach zehn Jahren immer noch an die Konzerte kommen. Und, wie Bassist Pascal Käser bemerkt, natürlich das «Gluschtiwasser» nach dem Auftritt.