Studentenverein-Fest
In Solothurn wird es nur so von «Studis» wimmeln

Ab Freitag findet wie alle 20 Jahre das grosse Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins in Solothurn statt. Tausende ehemalige und aktive Studenten werden erwartet. Am Sonntag gibt es einen Cortège.

Wolfgang Wagmann
Drucken
Teilen
Zehn Jahre nach dem 50-Jahr-Jubiläum der Palatia Solodorensis, dem Gastgeber des jetzigen Zentralfests, führt Walter Straumann das OK an.

Zehn Jahre nach dem 50-Jahr-Jubiläum der Palatia Solodorensis, dem Gastgeber des jetzigen Zentralfests, führt Walter Straumann das OK an.

Manuela Jaeggi-Wyss

Am kommenden Wochenende gehört die Solothurner Altstadt Tausenden von ehemaligen und aktiven Studenten. «Wir erwarten 3500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, am Cortège vom Sonntag dürften es durch den zusätzlichen Besuch von Familienangehörigen noch weit mehr sein», ist Emmanuel Weibel, Medienverantwortlicher am Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins, überzeugt. «Das Zentralfest steigt jedes Jahr in einer der katholischen Städte der Schweiz. Alle 20 Jahre trifft man sich in Solothurn.»

Der Schweizerische Studentenverein wurde am 31. August 1841 gegründet, und er zählt heute rund 7600 Mitglieder, wovon 1000 Frauen und 1400 noch Studierende sind. Insgesamt sind die Vereinsmitglieder in 70 Verbindungen organisiert, wobei der einzigen im Kanton Solothurn, der Palatia Solodorensis, die eigentliche Gastgeberrolle zukommt.

Kampf um Anerkennung

1841 wurde der Schweizerische Studentenverein gegründet, fünf Jahre später die erste neunköpfige Sektion in Solothurn, die aber bald sistiert und erst 1867 wiederbelebt wurde. 1874 hob die Solothurner Regierung alle Verbindungen auf – nur die Altherren blieben aktiv. Erst 1955, nachdem drei Jahre zuvor die freisinnige Mehrheit bei den Regierungsratswahlen gebrochen worden war, konnte die Palatia Solodorensis gegründet werden – allerdings unter der strengen Auflage, keine Beziehungen zum «schwarzen» Studentenverein zu unterhalten. «Erst 1985 konnte unser damaliger Präsident Ruedi Monatanari mit einem Zweizeiler an den Regierungsrat das ‹Stv.-Verbot› aufheben», so Emmanuel Weibel. Man habe erkannt, dass das Verbot gegen das Vereinsrecht verstosse, und so erfolgte 1987 der Beitritt der Palatia zum Dachverband, dem Schweizerischen Studentenverein.

Übrigens: Bereits 1969, zwei Jahre vor der Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz, stand Frauen die Mitgliedschaft in Verbindungen des Studentenvereins offen. Auch der enge Bezug zur heutigen CVP lockerte sich zusehends. «Heute haben wir uns geöffnet und sind überparteilich», betont denn auch Emmanuel Weibel.

Fackelmarsch und Cortège

«Alle Hotels zwischen Grenchen und Oensingen sind ausgebucht», verweist Weibel auch auf die logistische Herausforderung des Zentralfests, dessen OK von alt Regierungsrat Walter Straumann anführt. Lanciert wird das Fest am Freitagabend nach der Delegiertenversammlung um 18.30 Uhr mit dem öffentlichen «wissenschaftlichen allgemeinen Convent», an dem CVP-Ständerat Pirmin Bischof und SVP-Nationalrat Maximilian Reimann im Gemeinderatssal zum Thema «Schweizerische Aussen- und Europapolitik: quo vadis?» reden werden. Danach ist Festbetrieb auf dem Friedhofplatz und an den Stämmen der 70 Verbindungen angesagt – die meisten Altstadtrestaurants sind am Wochenende mit solchen belegt. Übrigens: 25 Lokale haben Freinacht eingegeben.

Spektakulär dürfte am Samstagabend nach diversen Tagesveranstaltungen ab 21 Uhr auch der Fackelumzug vom Ritterquai hinauf zum Alten Zeughaus werden. Dort hält wiederum Pirmin Bischof die so- genannte Brandrede, umrahmt von der Kandidatenaufnahme. Um 23 Uhr spielen zum Abschluss auf dem Märetplatz die «Ambassador Pipes and Drums» auf.

Lang und prominent ist die Liste der Ehrengäste, die vor allem am Sonntag Solothurn beehren werden. Die ebenfalls aufgeführte Bundesrätin Doris Leuthard dürfte zwar fehlen, doch mit Ruth Metzler-Arnold, Alphons Egli und Flavio Cotti sind drei ehemalige Bundesrats.Mitglieder ebenso dabei wie Landammann Roland Heim, Kardinal Kurt Koch oder Armeechef André Blattmann. Bischof Felix Gmür eröffnet das Sonntagsprogramm um 9.30 Uhr nach dem Einmarsch der Fahnendelegationen mit dem Festgottesdienst zu St. Ursen.

Um 11 Uhr wird bei schönen Wetter auf Terrasse, sonst im HESO-Zelt, ein sogenannter «Volks-Apéro» serviert. Der farbenprächtige Cortége mit Kutschen startet um 14.30 Uhr zum Umzug erst durch die Vorstadt und dann die Altstadt, ehe ab 15.45 Uhr auf der St. Ursentreppe das Zentralfest mit der Festrede von Professor Urs Altermatt beschlossen wird.