Jahresrückblick
In Solothurn taten sich viele Fronten um die Ortsplanungsrevison auf

Sie beherrschte nicht nur die politische Agenda von Solothurn: die Ortsplanungsrevision. Fertig ist sie noch lange nicht, aber 2018 taten sich viele Fronten auf.

Wolfgang Wagmann
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Nicht nur die Leiterin des Stadtbauamts, Andrea Lenggenhager, und Stadtplanerin Gabriela Barman beschäftigte die Zukunft von Solothurn, sondern auch breite Bevölkerungskreise.

Nicht nur die Leiterin des Stadtbauamts, Andrea Lenggenhager, und Stadtplanerin Gabriela Barman beschäftigte die Zukunft von Solothurn, sondern auch breite Bevölkerungskreise.

Hanspeter Bärtschi

Die Ortsplanungsrevision hatte den Gemeinderat schon im Vorjahr mehr als einmal beschäftigt, das Räumliche Leitbild war in der Folge durch einen Einsprecher juristisch bekämpft worden. Immerhin trat im Mai der Gemeinderat auf das Geschäft ein und gab am 5. Juni unter einigen Begleitgeräuschen das Planungswerk, ergänzt durch ein neues Parkierungsreglement und die ebenfalls neue Gastrozonenplanung, zur Mitwirkung frei.

Dies immer unter dem Damoklesschwert der hängigen Beschwerde, die zwar im Juli vom Regierungsrat abgewiesen worden war und irrtümlich in Lausanne gelandet war. Das Bundesgericht verwies sie dann ans Verwaltungsgericht.

Nachtruhe oder Ausgang?

Am 12. September begann die Mitwirkungsphase zur Ortsplanungsrevision, die bis Ende Oktober dauerte und gegen 450 Stellungnahmen generierte. An den Anlässen, die das Stadtbauamt zu einzelnen Themenkreisen organisiert hatte, ging es unterschiedlich hoch zu und her. Auf die grösste Resonanz stiessen die neuen Gastrozonen, denn zwei völlig unterschiedliche Bewegungen formierten sich im Spätsommer, um sich in der Mitwirkung einzubringen.

So einerseits die Anwohnerschaft in der Organisation «L(i)ebenswertes Solothurn», die auf ihr Recht der Nachtruhe pochte, andererseits die Bewegung «Auch eine Barockstadt will jung bleiben», die sich für die neuen Gastrozonen und damit längere Öffnungszeiten aussprach.

Ein Thema, das schon Ende Februar konkret bewegt hatte: Damals gab Markus Moerler seinen Ausstieg aus dem Club-Projekt in der Landi bekannt, da er wegen Opposition aus der Nachbarschaft keinen raschen Realisierungstermin mehr sah. Das Projekt wäre in der privilegierten Gastrozone A geplant gewesen.

Im Mittelteil der Landi sollte das Eventlokal der «Eleven»-Gründer auf einer Fläche von 330 Quadratmetern zustandekommen.

Im Mittelteil der Landi sollte das Eventlokal der «Eleven»-Gründer auf einer Fläche von 330 Quadratmetern zustandekommen.

Hanspeter Bärtschi

Und einige Nebengeräusche

Kritik erntete das rigidere Bauinventar auch durch Besitzer von Häusern, die neu unter Schutz gestellt werden sollten. Mitte Oktober kritisierte der Baujurist Theo Strausak öffentlich die neuen Qualitätssicherungs-Instrumente, die das Bauen seiner Ansicht nach künftig massiv erschweren würden.

Einige der Gebäude, die als schützenswert eingestuft wurden: Wohnhaus Untere Steingrubenstrasse 29
15 Bilder
Wohnhaus Römerstrasse 7
Wohnhaus Fegetzallee 7
Wohnhaus Lindenweg 4
Wohnhaus Mittlere Greibengasse 4
Wohnhaus Heidenhubelstrasse 1
Wartehaus Baselstrasse 95
Wohnhaus Alte Bernstrasse 52
Nebenbau Baselstrasse 15, 17
Siedlung Glacismatte
ehem. Pulverhaus, Obere Steingrubenstrasse 42
Siedlung Fischergarten
Industriegebäude Heidenhubelstrasse 10
Siedlung Dilitschstrasse
«Haus eines Musikers» Blumensteinweg 22

Einige der Gebäude, die als schützenswert eingestuft wurden: Wohnhaus Untere Steingrubenstrasse 29

zvg

Auch FDP-Gemeinderat Urs Unterlerchner hatte die Vergabe von Aufträgen zur Ortsplanungsrevision und die Stossrichtung bei der Mobilität in einer Interpellation hinterfragt und attackiert.

Was wann in Solothurn geschah

3. Januar Sturm Burglind richtet auch in Solothurn hohe Sachschäden an. Umgestürzte Bäume beschädigen ein Haus an der Bergstrasse schwer und begraben beim Konzertsaal ein parkiertes Auto.

17. Januar Der Gemeinderat beschliesst Tempo 30 im Loretoquartier trotz heftiger Opposition der FDP.

17. Februar Überraschend verstirbt mit 68 Jahren Investor Markus Graf, der hinter Projekten wie der Seminarmeile, Perron 1 und dem Umbau der «Couronne» stand.

22. Februar Das Bundesgericht entscheidet, dass das Verfahren um den Fernwärme-Anschlusszwang neu aufzugleisen ist.

1. März Der neue Leiter Rechts- und Personaldienst, Urs F. Meyer, tritt sein Amt an.

21. März Die Stadt schliesst einen Vergleich mit den Inhabern alter Wasserrechte. Sie verzichten auf diese gegen Entschädigung.

24. März Coop verzichtete nach einem jahrelangen Rechtsstreit auf die Realisierung eines Einkaufscenters auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal.

31. März Nach 25 Jahren als Direktor der Privatklinik Obach geht André Bourquin in Pension.

6. April Erneut weist die Stadt einen hohen Rechnungsüberschuss von fast 9 Mio. Franken aus.

13. April Der ehemalige Stadtpräsident Urs Scheidegger verstirbt 75-jährig nach langer Krankheit.

4./5. Mai Schwarze Bike Days: Am ersten Tag wird ein 16-jähriger Fahrer bei einer Kollision mit einem Zuschauer schwer verletzt, tags darauf stirbt ein 38-jähriger Biker nach einem Sturz.

26./27. Mai Statt der «Authentica» wird erstmals die zweitägige Ausstellung «Natürlich im Chloschter» im Kapuzinerkloster durchgeführt.

14. Juni Die Stadt weist eine Anzeige wegen kommerzieller Veranstaltungen im Kapuzinerkloster ab.

26. Juni Der Gemeinderat bejaht zehn Tage Vaterschaftsurlaub für Stadtangestellte.

15. Juli Mit dem Finale der Fussball-WM haben 40'000 Fans die Public Viewings in der Reithalle und am Dornacherplatz besucht und das Scheitern der Schweiz am 3. Juli gesehen.

1. August Wegen der Hitze und Trockenheit muss auch die Stadt auf ihr Feuerwerk verzichten.

23. August Der sanierte Schluchtweg durch die Einsiedelei wird eröffnet.

15. September Nach 20 Jahren hört Badi-Wirt Ernst Schär auf. Zur Nachfolgerin wird die Suteria erkoren.

23. Oktober Die Stadt verzichtet auf das Vorkaufsrecht für das CIS-Center, Es wird infolge Konkurses versteigert.

16. November Nachdem schwere Sicherheitsmängel festgestellt worden sind, schliesst die Stadt den Kinderspielplatz im Chantier.

20. November Der Gemeinderat genehmigt das Budget mit fast einer Million Ertragsüberschuss und streicht die Elternbeiträge für Schullager.

11. Dezember Das CIS-Center wird durch die Berner Ammann Globalbau AG ersteigert.

18. Dezember Die Gemeindeversammlung tritt mit 256 zu 247 Stimmen knapp auf die Einführung der ausserordentlichen Gemeindeorganisation ein und beschliesst, den Steuerfuss bei 110 Punkten zu belassen. Christian Baurs Motion zur Unterstützung von Flüchtlingen wird abgelehnt. (ww)