Im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision wurde auch das kommunale Bauinventar der besonders wertvollen Bauten und baulichen Ensembles von 1995 vollständig überarbeitet und zeitlich bis in die frühen 1980er Jahre ergänzt. Dieses umfasst neu 126 als schützenswert und 155 als erhaltenswert eingestufte Bauten, welche gemäss Kulturdenkmäler-Verordnung des Kantons Solothurn als «Historische Kulturdenkmäler» gelten. Bestimmend für die Aufnahme war der Zeugniswert für eine bestimmte Bauepoche, die kunst- und architekturgeschichtliche Bedeutung sowie die Bedeutung für das Orts- und Landschaftsbild.

An einer Informationsveranstaltung im Museum Blumenstein hatten Grundeigentümer, die von dieser Änderung betroffen sind, Gelegenheit, mehr über die Bedeutung des Bauinventars für die Stadt Solothurn zu erfahren. Im Wesentlichen ging es aber darum, zu erfahren, was diese Einstufung für die einzelnen Grundbesitzer bedeutet und weshalb und nach welchen Kriterien sie erfolgte. «Jede Zeitepoche hat Spuren hinterlassen», gab Gabriela Barman, Chefin Stadtplanung, gleich zu Beginn zu bedenken. «Wichtig ist, wie man mit den Objekten aus dieser Zeit umgeht.»

Auf die Spurensuche nach schützens- oder erhaltenswerten Objekten und Ortsbildern, die für eine Zeitepoche typisch und das Ortsbild bedeutend sind sowie der Wertschätzung einer bestimmten Zeit und ihren stilistischen Merkmalen besonders nahe kommen, begab sich eine Arbeitsgruppe, der auch Stefan Blank von der Kantonalen Denkmalpflege angehörte. «Nebst der Bauepoche haben diese Zeitzeugen einen hohen Erinnerungswert», ergänzte er und gab der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Eigentümer von kulturhistorischen Kulturdenkmälern derer Bedeutung bewusst und auch stolz darauf sind.»

Veränderungen sind möglich

Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, erörterte, dass es bei der Neuregelung vor allem darum ging, herauszufinden, wie man mit den historischen Kulturdenkmälern in den Quartieren ausserhalb der Altstadt umgehe. Entgegen den Befürchtungen einiger direkt betroffener Grundstückbesitzer seien Veränderungen nach wie vor möglich, stellte sie klar. Wichtig sei jedoch, dass bei einer An- und Umbausituation mit den kommunalen Behörden frühzeitig Kontakt aufgenommen werde. «Es braucht Gespräche und Abwägungen.»

Selbst ein Abbruch eines schützenswerten oder erhaltenswerten Kulturdenkmals sei möglich, wenn die Erhaltung unverhältnismässig und ein Neubau städtebaulich ebenbürtig sei und keine Unterschutzstellung erfolge. Grundsätzlich gehe es aber darum, charakterliche Elemente nach Möglichkeit zu erhalten, was auch für den Innenausbau gelte. Selbst eine Änderung der Umgebungsgestaltung sei möglich, wenn der Qualität des Objekts genügend Beachtung geschenkt werde.

Hoher Erklärungsbedarf

Wie zu erfahren war, gelten explizit als schützenswerte historische Kulturdenkmäler Objekte, die eine bedeutende architektonische und städtebauhistorische Qualität, einen hohen typologischen Stellenwert und/oder eine hohe kulturhistorische Relevanz aufweisen und deshalb möglichst ungeschmälert bewahrt werden sollen.

Im Gegensatz dazu gelten historische Kulturdenkmäler als erhaltenswert, wenn sie eine nennenswerte architektonische und/oder städtebauliche Qualität sowie eine kulturhistorische Relevanz aufweisen und/oder für die Umgebung, das heisst für das Ortsbild, bedeutend sind.

Bei der Fragerunde zeigte sich rasch, dass bei den überaus zahlreich erschienen Betroffenen ein hoher Erklärungsbedarf vorhanden ist und trotz ausführlichen Informationen noch viele Fragen offen blieben. Viele Unklarheiten und kritischen Bemerkungen konnten nicht nur wegen der hitzegeschwängerten Luft im Salon Rouge, sondern auch aus Zeitgründen nur rudimentär beantwortet werden.