Mauerwerk
In Solothurn rückt man «Dornröschen» mit verstärktem Einsatz zu Leibe

Der Werkhof will sich künftig intensiver mit unerwünschter Begrünung historischer Anlagen beschäftigen. So soll die Riedholzschanze künftig alle zwei Jahre einer Putzaktion unterzogen werden. Auch die Ufermauern müssen überprüft werden.

Andreas Kaufmann
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Weiss strahlen die Bastionsmauern und Ecktürmchen wie nach dem Bau Ende des 17. Jahrhunderts
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Auf den Schanzenmauern spriesst es üppig
Solothurner Schanzen
Auch er staunt über die weissen Schanzenmauern
Bemoost und bewachsen sind auch die Mauern am Kreuzackerquai
2012 wurden die Eckhäuschen an der Riedholzschanze restauriert
Die Riedholzschanze früher unter einem grünen Pelz
Auch beim Burristurm oder Kultturm bilden sich immer wieder grüne Bärte.
Der Winter macht mit der Schanze was er will
2007 präsentierte sich die Schanze als Dschungel
Die Schanze 2007 im grünen Kleid

Weiss strahlen die Bastionsmauern und Ecktürmchen wie nach dem Bau Ende des 17. Jahrhunderts

Andreas Kaufmann

Sie geben dem Stadtbild von Solothurn eine wildromantische Note, erinnern ans überwucherte Dornröschenschloss: die Schanzen, Türme und Uferbefestigungen, aus deren Mauerritzen es spriesst, vom Moos über Efeu bis hin zu Büschen und gar kleinen Bäumen.

Das grüne Kleid mag adrett aussehen, schadet aber der Bausubstanz: So tasten sich die Wurzeln in die Mauerzwischenräume vor, dehnen sie und machen die alten Strukturen brüchig. In der kalten Jahreszeit hilft dann gefrorenes Wasser mit, den Prozess sogenannter Abplatzungen voranzutreiben.

Zweijährliche «Putzete» bei Schanze

Aus diesem Grund war es auch im Sinne des Denkmalschutzes, dass man beim Solothurner Werkhof die Jäthacke zur Hand nahm, um das dortige Mauerwerk von seinem grünen Vorhang zu befreien. Ein weiterer abgehakter Punkt auf der Pendenzenliste, nachdem letztes Jahr bereits die Schanzentürmchen saniert worden waren.

«Der Unterhalt war an dieser Stelle während einer langen Zeit nicht mehr gemacht worden», weiss Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamts. In diesem Fall habe man sich wegen besagter Abplatzungen aktiv dem Problem gewidmet, stets in Absprache mit der kantonalen Denkmalpflege. «Denn auch dem Kanton lag das Thema am Herzen.»

In Zukunft ist eine zweijährliche «Putzete» der senkrechten Strukturen geplant, die lediglich mit einer zugemieteten (weil hinreichend hohen) Hebebühne gereinigt werden können. Kontrolliert werden soll die Mauer, wie auch andere Orte in der Stadt, allerdings jährlich.

Die Riedholzschanze ist nicht der einzige Solothurner Hotspot auf der Pendenzenliste des Werkhofs. Im vergangenen Jahr wurde beim Soldatendenkmal nebendran die Hacke angesetzt: Dort wurde die Umrandungsmauer «entgrünt». «Diese war ziemlich verwachsen», ruft Lenggenhager in Erinnerung. Die Vorstadtschanze nahm sich das Team von Werkhof-Chef Patrick Schärer dann im vergangenen Winter vor.

Auch wenn diese Mauern nicht so stark bewachsen seien, sollen sie fortan im alternierenden Turnus zur Riedholzschanze alle zwei Jahre gereinigt werden. Da das Mauerwerk dort weniger hoch sei, ist es für die werkhofeigene Hebebühne leichter zugänglich. Heuer wurde dann auch der untere Teil des Burristurms von unerwünschtem Grünzeug befreit. Für den oberen Teil ist, wie Lenggenhager mitteilt, möglicherweise die Mithilfe der Feuerwehr notwendig.

Abseilen beim Aareufer

Die Ufermauern - gerade im südlichen Bereich der Kreuzackerbrücke - gehört zu den weiteren Herausforderungen des Werkhofs. Neben regelmässigen Überprüfungen im Frühling werden Sondermassnahmen ergriffen, wenn Mauersteine abplatzen und in die Aare fallen. In einem solchen Fall seilen sich Werkhof-Mitarbeiter zum Mauerwerk ab, während unten sicherheitshalber Polizeiboote bereitstehen.

Das Manöver gehöre aber zu den ganz normalen Arbeiten, so Lenggenhager. Um hier wie an anderen Stellen dem Problem auch nachhaltig Herr zu werden, werden die Fugen, in denen sich die Wurzeln fest«krallen» könnten, geschlossen. Solche Arbeiten werden durch Steinmetze fachlich begleitet.

Auch wenn mit der regelmässigen Überprüfung der Standorte ein Mehr an Arbeit entsteht: Die neuen Aufgaben werden mit bestehenden Personalressourcen des Werkhofs bestritten. Die anfallenden Aufwendungen von schätzungsweise 20 000 Franken pro Jahr werden durch eine Kostenverschiebung innerhalb des Werkhof-Budgets bewältigt.