Filmtage
In Solothurn ist nach dem Film wie im Film

Am Samstagabend wurde das Happy End in die Bars verlegt.

Fabiana Seitz
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Solothurner Filmtage 2017 am Abend. Blick ins «Kreuz»
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Sehen und gesehen werden ist seit je her das Motto der Gäste am Samstagabend im Kreuzsaal.
Solothurner Filmtage Abend
Es stellt nicht nur die Frage: Wo essen?
Im Solheure wird über die Qualität der Filme diskutiert – oder auch über die Qualität des Biers.
Einen oder zwei Ansinths in der «Grünen Fee»
Oder darf es ein «Abspann» sein?

Solothurner Filmtage 2017 am Abend. Blick ins «Kreuz»

Es ist dunkel und kalt. Gelbes Licht wirft lange Schatten auf die Strassen. Nebel steigt aus der Aare, findet langsam seinen Weg durch die Gassen und windet sich um die Beine der herumstehenden Gestalten. Vergangene Samstagnacht mag Solothurn wie eine Szene aus einem Film Noir angemutet haben. Doch wer jetzt Betrügereien, Eifersucht und Femmes Fatales erwartet, irrt. Auch wenn Solothurn diese Tage ganz im Zeichen des Films steht, zeigte sich die Nacht glücklicherweise weniger verschwörerisch und lasterhaft, obwohl so einiges los war.

Am Aaremürli trotzten nur wenige Hartgesottene der Kälte. Die meisten Nachtschwärmer rückten in den verschiedenen Bars näher zusammen. Denn in der Wärme lässt es sich doch am besten über den gesehenen Film debattieren. Im Kreuz war jeder Tisch bis auf den letzten Platz besetzt. Und das über zwei Stockwerke. Sogar im Stehen wurde die verdiente Mahlzeit verschlungen, in der einen Hand den Teller, in der anderen die Winterjacke. Lautstark wurde diskutiert, gelacht, getrunken. Das Servicepersonal bahnte sich geschickt seinen Weg durch die Menschenmenge. Siebzig Leute seien an diesem Abend im Kreuz und im Landhaus im Einsatz, erklärte Michael «Willi» Wilhelm von der Genossenschaft Kreuz. Und was wird vor allem getrunken? «Wein. Ein Glas Rotwein passt doch wunderbar, um über Filme zu diskutieren», so Willi.

Die Stimmung sei ausgelassen, so wie es sich an den Filmtagen gehöre. Gemäss den Mitarbeitenden seien es vorwiegend Filmliebhaber und Cinéasten, die ihren Weg ins Kreuz fanden. Und wurden schon irgendwelche Promis gesichtet? «Na ja, es gibt immer wieder bekannte Gesichter aus Film und TV. Aber Bruno Ganz bekam ich dieses Jahr leider noch nicht zu Gesicht», erklärte Willi schmunzelnd.

Absinth Nummer sechs

Vor der «Grünen Fee» traf man auf die Filmcrew des Dokumentarfilms «Europe, She Loves». Viele von ihnen seien nicht das erste Mal in Solothurn. «Es ist eine tolle Stadt und die Stimmung an den Filmtagen ist immer gut. Klar geht’s da nach dem Screening noch weiter.» Auch wenn sie an diesem Abend wieder in alle Richtungen abreisen, reiche es doch noch für den einen oder anderen Absinth. Zum Zeitpunkt der Aussage war jedenfalls bereits Absinth Nummer sechs an der Reihe.

Auch das Solheure gehört zu den Filmtagen wie die Kamera zum Kameramann. «Die Party im Uferbau steht genauso auf unserem Filmtage-Programm wie die zuvor gesehenen Filme», erklärten Jeanine und Jana, die extra aus Bern angereist und den ganzen Tag am Filmfestival unterwegs waren. Geschäftsführerin Sabrina Knittel zeigte sich sehr zufrieden über die heitere Stimmung an diesem Abend: «Schon den ganzen Tag war viel los, doch jetzt geht die Post ab.» Besonders freue sie sich auch auf die Nacht der Nominationen am kommenden Mittwoch, die dieses Jahr wieder im Solheure stattfinden wird.

Ein gelungener Abspann

Bevor die Upcoming Award Party Night an diesem Abend aber so richtig in die Gänge kam, wurde vor allem über das Gesehene philosophiert. So auch Filmtage-Mitarbeiterin Noemi
Parisi aus Wiedlisbach, die bereits in Genuss von sieben Filmen gekommen war und darüber diskutierte, ob ein Film eine Botschaft brauche oder nicht. Der typische Filmtagebesucher existiere nicht, erklärte Parisi, die bereits das zweite Mal an den Filmtagen als Volunteer dabei ist. Es gebe die jedes Jahr wiederkehrenden Stammgäste, die Filmleute, aber auch die jungen Interessierten – und natürlich die Solothurnerinnen und Solothurner.

Das sagt auch Lia Kiener aus Oberdorf: «Die Filmtage beschreiben einfach Solothurn. Und jeder Solothurner verbindet irgendein Erlebnis mit den Filmtagen.» Und diese Erlebnisse müssen gefeiert werden, ob Solothurner oder nicht. Getrunken wurde da ein Glas Wein, dort ein Moscow Mule und immer wieder das berühmte Filmtagebier Abspann. «C’est délicieux», so ein Filmschaffender, der gleich zwei davon in den Händen hielt. Am Samstagabend also gab’s für alle einen gelungenen Abspann. Ob mit oder ohne Femme Fatale.