Masterplan Energie
In Solothurn ist Halbzeit für die Energiespar-Mission

Die Stadt Solothurn hat klare Ziele, was die Energiezukunft betrifft. Eine Zwischenbilanz zeigt: Die Energieziele bis 2020 könnten in Solothurn teilweise erfüllt werden.

Andreas Kaufmann
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In der Stadt Solothurn ist man erpicht, auch optische energiepolitische Zeichen zu setzen: wie hier bei der Photovoltaik-Anlage auf dem Regio-Energie-Firmensitz.

In der Stadt Solothurn ist man erpicht, auch optische energiepolitische Zeichen zu setzen: wie hier bei der Photovoltaik-Anlage auf dem Regio-Energie-Firmensitz.

Andreas Kaufmann

Von den einen wird die Mission als stattlich verordnete Zwängerei abgetan, für die anderen ist sie eine umweltpolitische Vision. Kalt lässt der kommunale Masterplan Energie 2009 aber keinen, der sich in der Stadt Solothurn über die Energiezukunft Gedanken macht. Vor fünfeinhalb Jahren nämlich verabschiedete der hiesige Gemeinderat ehrgeizige energiepolitische Zielsetzungen für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Diese stützen sich auf die Energiepolitik des Bundes und auf die Grundsätze der 2000-Watt-Gesellschaft. Die beiden zentralen Zielsetzungen aus dem Masterplan: Gegenüber dem Jahr 2000 soll bis 2020 der Energieverbrauch für Heizung und Warmwasser um 20 Prozent reduziert werden und zu einem Anteil von mindestens 40 Prozent aus Abwärme oder erneuerbare Energie gedeckt werden. Für öffentliche Bauten soll der Verbrauch um gar einen Viertel gesenkt werden und der Deckungsgrad bei 50 Prozent liegen.

Durchzogene Zwischenbilanz

Zur Halbzeit auf dem Weg zur ersten Energieetappe bis 2020 wünschte sich die SP-Fraktion des Gemeinderats im vergangenen Dezember in einer Interpellation vom Stadtpräsidium eine Zwischenbilanz, wie es um die Erreichung der Ziele steht. Als Basis dazu wurde nach der Einführung des Masterplans ein Controllinginstrument sowie ein Energiemonitoring eingesetzt. Im Messzeitraum zwischen 2007 bis 2013 hat der Energieverbrauch beim Endabnehmer (Endenergie) um 10,4 Prozent abgenommen. Die Produktion an Treibhausgasen indes ist im selben Zeitraum um 16,4 Prozent zurückgegangen. Der Deckungsgrad durch Abwärme und erneuerbare Energien ist zwischen 2007 und 2013 von 3,9 auf 12,1 Prozent gestiegen.

Im Fall der öffentlichen Bauten ging der Verbrauch der Endenergie seit 2009 um 9,6 Prozent und die CO2-Erzeugung um 17,6 Prozent zurück. Der Anteil erneuerbarer Energie im Bereich Wärme ist von 1,7 auf 10,6 Prozent, der erneuerbare Anteil des elektrischen Stroms von 37,6 auf 73,9 Prozent gestiegen. Währenddem sich die Antwort auf die SP-Interpellation zuversichtlich äussert, was die Reduktion des Energieverbrauchs im Bereich Heizung und Warmwasser angeht, sei die Erhöhung des erneuerbaren Anteils sowohl im Allgemeinen als auch bei den öffentlichen Bauten wohl zu ehrgeizig. Ebenso sank der Verbrauch der gesamten Endenergie in der Stadt Solothurn seit 2007 nur schwach.

Fernwärme als Zugpferd

Was zum bilanzierten Teilerfolg geführt haben mag, ist laut Stadtpräsidium unter anderem der laufende Ausbau des Regio-Energie-Fernwärmenetzes. Allerdings wird hier die Frage des Anschlusszwangs für Bauherrn kontrovers diskutiert: Zurzeit hängig ist eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Stadt – eben wegen jener durch den Masterplan vorgegebenen Anschlusspflicht (siehe Kasten). Ebenfalls hat die Stadt eigene Liegenschaften ans Fernwärmenetz angeschlossen: den Konzertsaal, das Schulhaus Fegetz, die Musikschule, das Kunstmuseum sowie mehrere Adressen an der Kreuzackergasse. Weitere energietechnische Verbesserungen im Stadttheater, im Naturmuseum, im Kollegium-Schulhaus, im Blumenstein-Wohnhaus und im Alten Spital trugen laut Interpellationsantwort zur Entwicklung bei. Überdies bezieht die Stadt für ihre öffentlichen Bauten einen 100 Prozent erneuerbaren Strommix. Im Bereich der Photovoltaik wurden am Regio-Energie-Firmensitz und im Brühl-Stadion entsprechende Anlagen realisiert.

Keine Sanktionen

Interpellant Philippe Jean Richard zeigte sich für die SP sehr zufrieden mit der umfassenden und vor allem raschen Beantwortung seines Vorstosses. Er machte im Gemeinderat auf das noch erhebliche Potenzial beim Ausbau der Fernwärme aufmerksam.

Jean Richard zeigte aber auch eine gewisse Besorgnis angesichts der Aussagen, dass die Ziele des Masterplans bis 2020 nicht oder nur teilweise erreicht werden könnten. «Was passiert dann?» Darauf Stadtpräsident Kurt Fluri: «Nichts. Die Ziele sind behörden-, nicht eigentümerverbindlich. Es sind deshalb keine Sanktionen möglich, ausser man könnte uns Schlamperei nachweisen.» (ww)

Die Antwort des Stadtpräsidiums zeigt auf: Damit sind die Massnahmen nicht ausgeschöpft, um die Ziele bis 2020 zumindest teilweise zu erreichen. So wird der Netzausbau der Fernwärme vorangetrieben, vor allem im Areal der Stadtteilentwicklung «Weitblick» in der Weststadt. Ferner sollen in nächster Zeit das Schulhaus Hermesbühl und das «Kaiserhaus» (Patriotenweg) ans Netz gehen, geplant ist auch ein Anschluss des Stadtpräsidiums, des Hoch- und Tiefbauamts sowie des Gebäudes der Stadtpolizei. Langfristig werden die Schulanlagen Fegetz und Vorstadt energetisch verbessert, Sanierungen beim «Schützenmatt» und beim Feuerwehrmagazin stehen gar unmittelbar an.

Grosses Ausbaupotenzial wird bei der Solarenergie geortet: Solarrichtlinien und ein digitaler Solarkataster sollen zur Förderung dieser Energieform beitragen. Hoffnungen setzt man auch aufs Biogas: Das Hybridwerk Aarmatt soll es dereinst ermöglichen, synthetisches Erdgas – damit gewissermassen erneuerbar – zu produzieren.