Gemüse und Früchte satt: Es ist Hochsommer, heisser Hochsommer, und die Felder und Bäume in der Schweiz bescheren uns so viel saisonales Gemüse und bunte Früchte wie zu kaum einer anderen Zeit im Jahr. Pünktlich zum Saisonstart Ende Juli sind jetzt auch die ersten Zwetschgen reif: Auf dem Solothurner Wochenmarkt am vergangenen Samstag konnte man die ersten Zwetschgen aus der Region kaufen. Zwar noch etwas sauer und stellenweise grün, aber saftig und schmackhaft sind sie.

Warum dieser ökologische Blödsinn?

Da staunte ich nicht schlecht, als ich in der Früchte-Abteilung des Coop Supermarktes Solothurn Westring Zwetschgen aus Übersee, genauer aus Uruguay, fand. 11‘108 Kilometer liegen Luftlinie zwischen Solothurn und Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay. 2,2 Tonnen CO2 stösst ein Flugzeug beladen mit Passagieren aus, das von Uruguay nach Zürich fliegt – beladen mit Zwetschgen sind es vielleicht etwas weniger. Tatsache ist, dass in Uruguay auch Zwetschgen wachsen: Im lateinamerikanischen Land herrscht unter anderem subtropisches Klima, etwa so wie in Italien oder Südspanien.

Wieso geht der Grossverteiler Coop das Risiko ein, in Zeiten von Flugscham und Klimajugend einen Shitstorm zu ernten, wenn er solch ökologischen Blödsinn betreibt?

Alles nur ein Versehen

Auf Nachfrage bei Coop heisst es: «In der genannten Verkaufsstelle war kurzzeitig eine falsche Deklaration sichtbar. Die Zwetschgen stammen aus Ungarn und nicht aus Uruguay. Um die Nachfrage unserer Kundinnen und Kunden zu decken, werden übergangsweise Zwetschgen aus Europa importiert.»

Aha, die Zwetschgen wuchsen also auf Bäumen, die etwas näher bei Solothurn stehen. Und so ein kleiner Fehler in der Beschriftung, das kann nun wirklich passieren. Dass der Korb mit den Zwetschgen noch ziemlich voll war, während es bereits keine Kirschen und Himbeeren mehr gab, lässt die Frage zu: Wäre mit Zwetschgen aus Uruguay überhaupt eine Kundennachfrage gedeckt?

Die «Ungarische Zwetschge» schmeckt!

Ab nächster Woche startet bei Coop der Schweizweite Verkauf von Schweizer Zwetschgen, heisst es in der Antwort von Coop weiter. Und es habe dieses Jahr erstmals auch Naturplan-Zwetschgen und -Reineclauden in Demeter-Qualität im Sortiment. Ich freue mich drauf!

Übrigens: Die «Ungarische Zwetschge» gilt als alte Sorte und sie sei besonders schmackhaft, liest man. Sie sei vor dem Aussterben bedroht und solle daher vermehrt angepflanzt werden. Ob es sich bei besagten Zwetschgen um «Ungarische Zwetschgen» handelte, konnte allerdings nicht herausgefunden werden.