«Es geht ihr gut», sagt Eugen Zbinden. Die Häutung stehe bei der unter Quarantäne gestellten Boa kurz bevor, deshalb sei ihre Farbe momentan «nicht besonders schön».

Zbinden, der seit 1980 im Zoohandel tätig ist und das Zoohaus Zbinden in Pieterlen seit 2007 führt, sei am Freitagmorgen von der Polizei mit ihrem Fund ganz schön «überrumpelt» worden. Ablehnen konnte er die Schlange, die am Vorabend in Solothurn unter einem Auto gefunden wurde, nicht. Man habe die Tiere halt gerne, erzählt er.

Als die Polizisten die Schlange vorbei brachten, stellte der Reptilien-Spezialist rasch fest: «Sie war nicht besonders gut genährt und hatte viel Feuchtigkeit verloren.» Die Schlange wird deshalb momentan mit besonders viel Feuchtigkeit versorgt. Die Luftfeuchtigkeit in ihrem Terrarium beträgt zwischen 70 und 80 Prozent - normal wären 50 bis 60 Prozent.

Eine Ratte zum Frühstück

Zu Fressen hat die Boa wegen der Häutung trotzdem noch nichts bekommen. «Das Futter kommt erst nächste Woche», sagt Zbinden. Zuerst müsse der Magen-Darm-Trakt aktiviert werden.

Gestartet wird mit einer toten Ratte. Ob die zirka 1,5 Meter lange Boa diese auch wirklich fressen wird, weiss Zbinden nicht. «Vielleicht ist sie nur Lebendfutter gewöhnt», sagt er und fügt gleich an, dass dieses in der Schweiz eigentlich verboten sei. Lebende Tiere dürften nur dann verfüttert werden, wenn die Schlange die toten nicht fressen will.

Mittlerweile hat er sich die Schlange genauer ansehen können. «Es ist ein Männchen, zirka vier bis fünf Jahre alt», weiss Zbinden.

Unkostenbeitrag erwartet

Ob er oft solche Findel-Reptilien aufnimmt? «Eigentlich nicht», sagt der ausgebildete Tierpfleger. Sein Zoohaus sei keine Auffangstation. Finanziell besteht für ihn kein Ansporn, denn er erhalte nichts für seine Arbeit. Zumindest vom Halter - sollte er denn noch auftauchen - erwartet Zbinden einen Unkostenbeitrag von 5 Franken pro Tag. «Für den Strom und die aufgewendete Zeit.»

Zbinden rechnet aber nicht damit, dass sich der Besitzer noch melden wird. Ebenso wenig Walter Lüdi, stellvertretender Chef der Stadtpolizei Solothurn: «Jetzt müssen wir weiter schauen», sagt er.

Bis auf weiteres ist die Boa im Zoohaus Zbinden untergebracht. Hat sie die Quarantäne überstanden, wird sie in ein grösseres Terrarium umgesiedelt. Dort wird sie dann die Gemeinschaft anderer Boas geniessen. Zbinden würde sie auch behalten. Denn: «Eingeschläfert wird sie sicher nicht!»