Tag der Arbeit
In Solothurn gab es zum Tag der Arbeit eine Feier - und wenig Grund zu feiern

Auch in Solothurn gingen am 1.Mai Hunderte auf die Strassen. Düstere Themen beherrschten die dennoch farbenfrohe 1.-Mai-Veranstaltung.

Andreas Kaufmann
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 Zum politischen Grundton kam kulturelle Buntheit hinzu.
16 Bilder
 Ayhan Karakas vom kurdischen Kulturverein Solothurn
 Kindertanz des kurdischen Kulturvereins auf dem Kreuzackerplatz
Kundgebung in Solothurn zum Tag der Arbeit
 Rund 350 nahmen am Solidaritätsumzug durch Vor- und Altstadt teil.
 Begleitet wurden sie dabei durch kurdische Folkloremusik.
 Kindertanz des kurdischen Kulturvereins Solothurn
 Rolf Hasler, Koordinator des 1.-Mai-Komitees
 Ivica Petrusic, Vizepräsident Secondos Plus Schweiz
 Rund 350 nahmen am Solidaritätsumzug durch Vor- und Altstadt teil.
 Ein Soldaritätsfest an der Fischergasse rundete den Marsch ab.
 Rund 350 nahmen am Solidaritätsumzug durch Vor- und Altstadt teil.
 Ein Soldaritätsfest an der Fischergasse rundete den Marsch ab.
 Markus Baumann, Präsident des kantonalen Gewerkschaftsbundes
 Kindertanz des kurdischen Kulturvereins Solothurn
 Ein Meer an Flaggen – Symbol für die Vielfalt an Anliegen, für die die Genossen auch gestern einstanden.

Zum politischen Grundton kam kulturelle Buntheit hinzu.

Andreas Kaufmann

Es ist in den letzten Jahren fast ein wenig Tradition geworden: Nicht die «Internationale», sondern kurdische Folkloreklänge geben jeweils anlässlich des 1.-Mai-Umzugs in Solothurn den Ton an. Und unter das Rotweiss der Unia-Banner mischten sich auf dem gestrigen Marsch durch die Vor- und Altstadt auch die Flaggen der kurdischen Gemeinschaft und die Couleurs anderer Bekundungen. Kinder des kurdischen Kulturvereins Solothurn brachten mit Volkstänzen zusätzliche Bewegung in eine bewegte Menge von 350 Menschen. Kurz: Man könnte das Happening durchaus als Volksfest bezeichnen – wenn denn die Beweggründe dahinter Grund zum Feiern gäben.

Feier als beschönigender Ausdruck

Tun sie bekanntlich aber nicht, weshalb sich Markus Baumann, Präsident des kantonalen Gewerkschaftsbundes, in seiner Ansprache in der Fischergasse veranlasst sah, die 1.-Mai-Veranstaltung nicht als «Feier» zu deklarieren, sondern als «Kundgebung»: Auch nach europäischen Rettungsprogrammen gegen den wirtschaftlichen Totalcrash gehe «die schamlose Abzockerei ungebremst weiter, während Arbeitnehmende dafür bluten.» Dann schwenkte er vom kontinentalen auf den kantonalen Fokus ein und richtete in Erinnerung an den «Papieri»-Niedergang den Appell an die Regierung: Diese solle «nicht nur die Arbeitslosen verwalten und flüchtigen Konzernen Industriebrachen abkaufen, sondern auch eine nachhaltige Industrie- und Wirtschaftspolitik betreiben.»

Mit Problemen wie dem Lohndumping und der «schändlichen Umverteilung von unten nach oben» legte Baumann den Finger auf weitere Wunden, die den Genossinnen und Genossen heute wie damals unter den Nägeln brennen. Heute wie damals? Teilnehmer und Unia-«Fossil» Zoran Jovanovic ergänzt: «Die Probleme sind zwar heute noch die gleichen. Aber früher hatten wir Sozialpartner, mit denen wir immer einen Modus Vivendi gefunden haben», erinnert er sich. «In der heutigen Zeit, in der die Arbeitnehmerverbände Verträge kündigen, hat sich die Situation der Arbeitstätigen verschlechtert.»

Integration als «Ablenkungsthema»

Kritische Gedanken äusserte auch Ivica Petrusic, Vizepräsident Secondos Plus Schweiz: «Mit dem ursprünglichen Integrationsgedanken hat der heutige nichts mehr zu tun», betonte er dezidiert. Integration sei heute vielmehr ein «Ablenkungsmanöver der Reichen». Stattdessen sei die Schere zwischen Reich und Arm das Thema, das es anzupacken gilt. Auch kritisierte Petrusic den Gegenentwurf zur Ausschaffungsinitiative, der von einem Teil der Sozialdemokraten gebilligt worden war: «Tatsächlich sind die Ausländer an allem ‹schuld›, was die Schweiz hervorgebracht hat, an den Strassen, an Pflegeleistungen in den Spitälern und sogar an unserer Schoggi.» Weiter plädierte er – in Erinnerung an die liberale Praxis in der Zeit der Helvetik – an das Wahlrecht für alle, unabhängig vom kulturellen Hintergrund.

Weitere Reden des kurdischen Kulturvereins, des alevitischen Kulturzentrums, der Juso und des Kultur- und Solidaritätsvereins sowie ein Bouquet an geselligen und musikalischen Programmpunkten rundeten den 1.-Mai-Anlass an. Rolf Hasler, Koordinator des 1.-Mai-Komitees, zeigte sich zufrieden: «Wir sind auch stolz darauf, dass das Fest ohne Auseinandersetzungen und Zwischenfälle vonstattenging» – was im übrigen (bis zu Redaktionsschluss) auch die Stadtpolizei bestätigen konnte.

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