Fussball-WM

In Sachen Kreativität und Fankultur müssen die Solothurner noch zulegen

An der Fasnacht verkleiden sich die Solothurner wie die Weltmeister. Doch während der Fussball-WM zeigen sie - verglichen mit den Fusballfans anderer Länder - wenig Kreativität. Bleibt die Hoffnung, dass mehr Siege der Nati die Kreativität beflügeln.

Das Beste am Ecuador-Match war: Wir können immer noch Weltmeister werden. Zumindest auf dem Platz. Daneben aber siehts «schitter bis bewölkt» aus. In einer Sparte sind wir weit davon entfernt, unter den Top Ten wie im Fifa-Ranking der aktuellen Spielstärke zu sein.

Nein, in dieser Sparte steht der Weltmeister längst fest. Und auch mit grössten Anstrengungen werden wir sie da genauso wenig schlagen können wie auf dem Spielfeld: die Holländer, gemeinhin auch Oranjes genannt. Wir reden vom zweitwichtigsten an einem WM-Turnier neben Penaltys, Goals, Corner, Schwalben und Ballbesitz. Wir reden von den Fans und ihrem Dresscode.

Solothurn, 15. Juni, kurz vor dem Ecuador-Match. Rot-Weiss dominiert tatsächlich. Obwohl etliche Herren mittleren Alters in der Rythalle auf karierte oder gar schwarze Hemden setzen. Erwarten sie ein Trauerspiel? Zwar müht sich neben dem Eingang eine nette Dame mit der Airbrush-Pistole ab, um auf Kinderbäckchen oder Armen ein weisses Chrüzli auf rotem Grund und damit etwas Swissness zu versprühen.

Den Herren in Schwarz ist aber sogar dieses Minimalprogramm zu viel. Dagegen wirkt Ständerat Pirmin Bischof mit seinem schlichten roten Shirt und grossem weissem Kreuz auf der Brust schon fast wie eine Lichtgestalt aus dem Hinterhalt am Morgarten (übrigens, mein WM-Shirt von der WM 2006 ist leider derart in der Wäsche eingegangen, dass es einfach nicht mehr tragbar ist).

Item, fast alle Fans begnügen sich bei uns mit dem roten WM-Leibchen. Schon original wie Shaqiri und Kollegen damit tschutten – aber kaum originell. Immerhin, wir sind rot. Orange aber ist viel origineller: Indianer-Häuptlinge, Flugzeugpiloten, Stewardessen oder Meisjes mit Spitzenhäubchen fanen für Robben und Co.

Oder müssen wir zuerst noch die Franzosen schlagen, damit wir so richtig aus uns herauskommen? Und ein halbes Jahr nach der Fasnacht uns energisch auf unsere Qualitäten besinnen, um den Karneval von Rio auch auf unsere Strassen zu tragen?

Natürlich: Samba ist unser Ding nicht. Wir sehen auch nicht danach aus. Aber ein bisschen kreativer dürften wir noch werden: Vielleicht dauert die Sommerfasnacht ja noch lange drei Wochen ...

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