Solothurn
In Hingabe an den Augenblick: Solothurnerin lädt zu einem Tanzprojekt inmitten der Natur ein

Das Tanzprojekt der Solothurnerin Anja Gysin soll die Seelen wärmen inmitten der jetzt so belastenden Zeiten.

Gundi Klemm
Merken
Drucken
Teilen
Tanzprojekt Anja Gysin Solothurn
3 Bilder
Anja Gysin in ihrem Element
Anja Gysin in ihrem Element

Tanzprojekt Anja Gysin Solothurn

zvg/Sabine Burger

Wir werden erwartet. Treffpunkt ist die Brücke über den Dürrbach hinter den Gebäuden der Psychiatrie. Der Weg aufwärts zwischen dem rauschenden Bach und der Viehweide ist stimmungsvoll von unzähligen Kerzen gesäumt. Beim Blick zurück schimmern Lichter und Gebäude in Solothurn reizvoll durch den abendlichen Dunst herauf.

Am oberen Waldrand markieren zahllose weitere Laternen eine Naturbühne, die sich zwischen hochragende Baumstämme einfügt. Ihr jetzt laubloses Geäst zeichnet sich scherenschnittartig vor dem Himmel ab. Wir sitzen, schauen und hören, denn sanfte Klangschalentöne nehmen uns gefangen. Sie setzen Impulse für eine wie meditativ wirkende Bewegungssprache, mit der die weiss gekleidete Anja Gysin uns eine Winterfee vor Augen zaubert.

Das Loslassen von Sorgen und Gedanken fällt leicht

Der zeitgenössische Ausdruckstanz von Anja Gysin lässt uns eine Verbindung zwischen Wachsen und Gedeihen, zwischen Werden und Vergehen empfinden. Ihre sanfte, in Klang eingebettete, wortlose Erzählung an diesem mystischen Ort erzeugt in den Betrachtenden Ruhe und Hingabe an den Augenblick mit Aufmerksamkeit nach aussen aber auch ins eigene Innere. Die Zeit steht still, indem inmitten der Natur und im Erlebnis von Spannung und Entspannung der Bewegungsfolgen das Loslassen von Sorgen und Gedanken leicht fällt.

Anja Gysin hat gemeinsam mit Musikerin Bianca Naef (Klangschalenmusik) dieses Projekt entwickelt, das die Seelen wärmen soll inmitten der jetzt so belastenden Zeiten. Schon in früheren Jahren schuf die Künstlerin eindrückliche Aufführungen, die Natur und Kultur verschmelzen liessen. Wer aus ihrem Publikum denkt nicht noch gerne an die Faszination von «Einsicht» am Schloss Waldegg oder «Die blaue Stunde» an der Aare zurück, die als Veranstaltungen beide auf die aktive, «mitgehende» Teilnahme aller Beteiligten setzten. Neben Dramaturgin Marion Rothhaar stimmt die Tänzerin Kristina Wirth als Brückenwächterin und Begleiterin auf die Darbietung ein.