Filmtage
In drei Wochen 700 Filme angeschaut – und gewählt

Alle für die kommenden Solothurner Filmtage eingereichten Filme wurden in den vergangenen drei Wochen visioniert. Für die siebenköpfige Auswahlkommission bedeutet das: gegen 20000 Filmminuten anschauen und beurteilen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer sorgt für den nötigen Mix.

Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer sorgt für den nötigen Mix.

Hansjörg Sahli

Das Kino Uferbau in Solothurn war in den vergangenen drei Wochen praktisch hermetisch abgeschlossen. Es beherbergte nur gerade sieben Filmfans, die sich aber in einem Nonstop-Programm Filme anschauten. Doch hat das seinen besonderen Grund. Bei den «Filmfans» handelt es sich um die Auswahlkommission der kommenden, 50. Solothurner Filmtage: Seraina Rohrer, Jasmin Basic, Jenny Billeter, Frank Braun, Jérémie Dubois, Heinz Urben und Annina Wettstein. «Exakt 697 Filme wurden uns von den Filmschaffenden eingereicht; um die 20 000 Film-Minuten», sagt Filmtage-Direktorin Seraina Rohrer.

Aus diesem «Angebot» gilt es nun, das eigentliche Filmtage-Programm zusammenzustellen. «Es werden, wie in der Vergangenheit, rund 200 Filme sein, die dann in unser Programm aufgenommen werden.» Das bedeutet, pro Tag über 12 Stunden Filme anschauen und bewerten. Eine Knochenarbeit. Doch Rohrer ist erfreut, dass man im Zeitplan sei. «Unsere Kommissionsmitglieder sind alles erfahrene Filmfachleute und können diese Arbeit deshalb sehr speditiv und kompetent angehen.»

Wahl aus Filmklassikern

Noch bis Ende dieses Monats kann das Filmpublikum anlässlich des Jubiläums «50 Jahre Solothurner Filmtage» einen Teil des Filmprogrammes mitbestimmen. Aus 15 Filmklassikern der vergangenen 50 Jahre kann man per Publikumsvoting seinen Schweizer Lieblingsfilm anklicken. Zur Auswahl stehen bedeutende und lange nicht mehr gesehene Streifen – Dokumentar- oder Spielfilm. Ein Wettbewerb macht die Auswahl rund um das Publikumsvoting noch attraktiver. Mehr Infos gibt es unter www.solothurnerfilmtage.ch. (frb)

Auch wenn die kommenden 50. Solothurner Filmtage mit einem eigenständigen Jubiläumsprogramm mit den besten und bewegendsten Schweizer Filmen der letzten 50 Jahre aufwarten, würden so viele neue Filme wie gewohnt an den Filmtagen zu sehen sein. «Es ist unsere Aufgabe, das Schweizer Filmschaffen des vergangenen und aktuellen Jahres zu zeigen. Wir machen da im Jubiläumsjahr keine Ausnahme.»

Jedes Jahr bewegen bestimmte Themen die Filmemacher mehr als andere. Zum diesjährigen «Trend» sagt die Filmtage-Direktorin: «Ich stelle fest, dass diverse Arbeiten eine Vater-Sohn-Problematik zum Inhalt haben.» Die vaterlose Gesellschaft beschäftigt die Filmschaffenden also zusehends. Und: «Insbesondere Tessiner Filmer bringen das Thema Migration zur Sprache. Ich habe das Gefühl, das sind erste Reaktionen auf die Abstimmung des 9. Februar dieses Jahres. Mit den technischen Möglichkeiten heutzutage ist es eben möglich, sehr rasch auf gesellschaftlich relevante Themen zu reagieren.» Darüber hinaus stellt Rohrer fest, dass das Medium Film von einigen mit einem fast nostalgisch anmutenden Blick behandelt wird. Zudem hat sie beobachtet: «Viele Filme, auch im Low-Budget-Bereich von bisher unbekannten Realisatoren, sind bemerkenswert gut gelungen.»

Auch wenn dieser Visionierungs-Marathon den Kommissionsmitgliedern einiges an Stand- respektive Sehvermögen abverlangt, sei es doch eine wunderbare Sache, meint Rohrer abschliessend. «An keinem anderen Filmfestival wird das so gemacht.» Die drei Wochen im November müsse man sich eben komplett freihalten. «Wenn jeweils die Novemberstimmung übers Land zieht, spüre ich: Es ist Zeit, Filme zu visionieren.»

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