Cantars Solothurn 2015
In drei Kirchen gabs himmlische Sound-Kaskaden

Während zwölf Stunden erklang am Samstag in Solothurn Musik aller Sparten. Ein Rekordaufmarsch an Besuchern machte das ökumenische Kirchenklangfest Cantars zum Kirchenmusik-Event der Superlative.

Silvia Rietz
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Jodlerchörli Zuchwil in der St. Ursenkathedrale
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Jodlerchörli Zuchwil in der St. Ursenkathedrale
Brass Ensemble der Heilsarmee Solothurn in der reformierten Stadtkirche
Brass Ensemble der Heilsarmee Solothurn in der reformierten Stadtkirche
Brass Ensemble der Heilsarmee Solothurn in der reformierten Stadtkirche
Matthias Steiner (Violine) und Stefan Feingold (Gitarre) in der Franziskanerkirche
Matthias Steiner
Gemischter Chor in der Franziskanerkirche
Gemischter Chor Biberist
Gemischter Chor Biberist
Auftritt des gemischten Chors Biberist in der Franziskanerkirche
Blockflötengruppe der EMK Solothurn in der reformierten Stadtkirche
Blockflötengruppe der EMK Solothurn in der reformierten Stadtkirche
Der Katholische Kirchenchor Zuchwil singt für einmal in der reformierten Stadtkirche
Reformierter Kirchenchor Zuchwil in der reformierten Stadtkirche
Reformierter Kirchenchor Zuchwil in der reformierten Stadtkirche
Das Blasorchester Melchnau vor der Franziskanerkirche
Das Blasorchester Melchnau vor der Franziskanerkirche
Solothurner Mädchenchor in der Franziskanerkirche
Standing Ovations für den Mädchenchor
Kantorei Stadtkirche in der Stadtkirche
Kantorei Stadtkirche in der Stadtkirche
Kantorei Stadtkirche in der Stadtkirche
Domchor St. Urs auf der Empore in der St. Ursenkathedrale
Domchor St. Urs auf der Empore in der St. Ursenkathedrale
Ökumenisches Kirchenklangfest Cantars 2015
Katholischer Kirchenchor Langendorf, Les Marmottes und die Brassband Lommiswil in der Franziskanerkirche
Katholischer Kirchenchor Aeschi
Katholischer Kirchenchor Aeschi
Katholischer Kirchenchor Aeschi
Katholischer Kirchenchor Aeschi
Katholischer Kirchenchor Aeschi
OK-Präsident Urs Bucher
Singknaben
Singknaben
Publikum steht neben der St. Ursenkathedrale und lauscht. Auf dem Turm bläst Eric Nünlist und die Glocken tönen
Publikum steht neben der St. Ursenkathedrale und lauscht. Auf dem Turm bläst Eric Nünlist und die Glocken tönen

Jodlerchörli Zuchwil in der St. Ursenkathedrale

Hansjörg Sahli

«Uns erwarten himmlische Klänge, die Freude, Hoffnung, Angst und Zuversicht ausdrücken – all das, was zum Menschen und zum Leben gehört», eröffnete Regierungsrat Remo Ankli das ökumenische Kirchenklangfest. Dessen Auftakt war den Singknaben vorbehalten, die Novizen gleich mit einem gregorianischen Gesang in die Kathedrale einzogen, um später mit einem choreografierten Showblock zu begeistern.

Kaum war der letzte Ton verklungen, hiess es, sich beeilen, um zur vollen Stunde in der Stadtkirche einen Platz zu ergattern, wo der katholische Kirchenchor Aeschi bereits Stellung bezog. Mit den Damen in den feschen Trachten, dem aus Hackbrett, Klarinetten, Kontrabass und Orgel besetzten Begleitensemble begeisterte die Formation ungemein.

Improvisation und Barockjubel

Als Urs Aeberhard an der Orgel improvisierte und buchstäblich alle Register zog, schlichen einige Zuhörer bei Pianostellen auf Fussspitzen hinaus um in der Franziskanerkirche in den vorderen Reihen zu sitzen. Dort trat der katholische Kirchenchor Langendorf gemeinsam mit Les Marmottes und der Brass Band Lommiswil auf. Geschickt verwob Chorleiter Stefan Schmid die rassige «Missa Brevis» des zeitgenössischen Komponisten Jacob de Haan mit geistlichen A-cappella-Liedern.

Rekordaufmarsch

Ulrich Bucher, Präsident Organisationskomitees, ist zufrieden: «Zwölf Konzerte in zwölf Stunden – cantars Solothurn fächerte den Kirchenklang in seiner ganzen Fülle auf. Das Publikum hat das Angebot begeistert angenommen.» Dies sei beste Werbung für die Musik in der Kirche. «Jedes der 12 Konzerte verzeichnete mindestens 300 Besucher, gesamthaft haben 600 Personen gesungen und musiziert. Der Grossaufmarsch von über 4000 Besucher und Musikern haben in Solothurn ein Kirchenmusik-Event der Superlative ermöglicht.» Er danke den Beteiligten für das hohe Niveau und den drei Kirchgemeinden für die Gastfreundschaft. (srb)

Die nächste Station punktete mit einer Messe, die 300 Jahre früher geschrieben wurde und dem Domchor einen gefeierten Heimauftritt sicherte. Mit Anne-Florence Marbot sang ein Opernstar die Soli, der selbst dann Nervenstärke und Klangschönheit demonstrierte, als ein Handy ins «Benedictus» surrte. Nach dem Barockjubel lud die kammermusikalisch besetzte, gut disponierte Kantorei der Stadtkirche Solothurn zu einer meditativen Klangreise rund um das «Chanson de la Rose» von Lauridsen ein. Begleitet von filigranem Klavier- und Orgelspiel von Evelyne Grandy und Urs Aeberhard.

Was aus Kids geworden ist

Als Hannah Willimann und Lea Scherer vor fünf Jahren erstmals mit dem Solothurner Mädchen am damaligen Cantars in Olten sangen, waren Kids und Teens auf dem Podium. Nun präsentierten Mädchen und junge Frauen dermassen mitreissenden Chorgesang, dass sie mit einer Standing Ovation gefeiert wurden. Doychin Raychev, Organist der Marienkirche, bewies mit «Carillon de Westminster» von Vierne, dass er auch die Orgel der Franziskanerkirche meisterhaft beherrscht. Abgelöst vom katholische Kirchenchor Zuchwil und Solistin Pamela Höchtel, die in der Stadtkirche mit Zebes «Kyrie – A Gospel Mass» Gospelfeeling servierten.

Den wohl gigantischsten Klangrausch bescherten die mit einer mehr als Zweihundertschaft aufgetretenen vereinigten Kirchenchöre aus Neuendorf, Herbetswil, Mümliswil und Ramiswil, brachten die Zuhörer zum Schaukeln, Wippen und Jubeln. Begleitet vom Sound des erweiterten Blasorchesters Melchnau und angefeuert vom koordinierenden Chorleiter Wolfgang Nussbaumer.

Nach erneutem Kirchenwechsel liess die Blockflötengruppe der EMK Solothurn alles vergessen, was an den «Speuzknebel» in der Schule erinnert. «Wahre Himmelsfreuden» mit dem Gemischten Chor Biberist und Schuberts «Messe in C-Dur» wartete zu Franziskaner. Plus eine Schweizer Erstaufführung: Matthias Steiner spielte die «Taifun-Fantasy», ein mit virtuosen Herausforderungen gespicktes Violinstück von Stefan Feingold (*1962), mit dem er vor einigen Jahren den Opfern der Naturkatastrophe gedachte. Bitten, loben und preisen war mit der Brass Band der Heilsarmee Solothurn angesagt, welche die Stadtkirche mit Pauken und Posaunen erfüllte. Nadia Bacchetta und Franziska Baschung boten mit Orgel und Klarinette ein Kaleidoskop an Klangfarben, Ausdruck und purer Schönheit.

Glockengruss zum Abschluss

Wer bis dahin mitgehalten hatte, pilgerte zum Abschluss in die Kathedrale zum urchigen Schlussbouquet mit dem Jodlerchörli Zuchwil, wurde von vollbesetzten Kirchenbänken überrascht. Nach den Standing Ovations für die Jodlermesse wartete im Freien das einzigartige Finale: Die von Eric Nünlist und Sylvia Stampfli präparierten St.-Ursen-Glocken läuteten nicht nur, sondern spielten populäre Lieder: Die Glocken «sangen» mit «Frère Jacques» im Kanon, intonierten das Solothurner Lied, bis sich nach 23 Uhr die Glocken der umliegenden Kirchen zum gigantischen Glockengruss vereinten.