Musik
In dieser Nische glänzen grosse Acts

Mit Tuesday Jazz hat sich in Solothurn eine Veranstaltungsreihe abseits des Mainstreams etabliert.

Christof Ramser
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Das Yves Theiler Trio bot ein intensives Konzerterlebnis.

Das Yves Theiler Trio bot ein intensives Konzerterlebnis.

Hanspeter Bärtschi

Eigentlich ist es merkwürdig. Da werden in einer Kleinstadt regelmässig zeitgenössische Jazzkonzerte dargeboten und finden dennoch ein Stammpublikum. Mit Tuesday Jazz hat sich in Solothurn seit dem Herbst 2015 eine Veranstaltungsreihe abseits des Mainstreams etabliert. Mit dem Yves Theiler Trio spielte diese Woche eine junge, aber in der Szene bereits hochgelobte und konzerterfahrene Formation im Gewölbekeller des Alten Spitals. Ihre Musik sei nicht mehr wegzudenken aus dem Schweizer Jazz-Kosmos, stellte die Betriebsleiterin des Alten Spitals, Eva Gauch, in ihrer Begrüssung fest.

Danach bekam das Publikum einen breiten Ausschnitt jenes musikalischen Formen- und Farbenspektrums zu hören, das dieses Piano-Trio in den vergangenen Jahren auf zahlreiche europäische Bühnen beförderte. Mal trieb Luca Sisera die Stücke mit seinem Kontrabass zu rhythmischen Grooves. Dann dominierten Yves Theilers Piano-Versatzstücke, ohne dass er seinen Mitmusikern die Show stahl.

Dazu strich, fegte und wischte Lukas Mantel über sein Schlagzeug und hielt die komplexen Kompositionen und Improvisationen überhaupt zusammen. Alle drei agierten mit sicht- und hörbarer Leidenschaft; etwa wenn Sisera mit seinem Instrument zu tanzen schien und Theiler von seinem Piano zurückschnellte – um im nächsten Moment darin verschwinden zu wollen.

«Sensationell, was geboten wird»

Niemand erwartet, dass zeitgenössischer Jazz ein Massenpublikum erreicht. «Es braucht einen langen Atem, bis sich so ein Format durchsetzt», sagt Eva Gauch. Trotzdem würden an den Konzerten gerne mal bis zu 60 Gäste gezählt. Regelmässig dabei ist Daniel Rüegg aus Solothurn. «Es ist sensationell, was da geboten wird. Alles, was Rang und Namen hat, ist in den letzten anderthalb Jahren hier aufgetreten.» Tuesday Jazz biete eine einmalige Möglichkeit, bekannte Gruppen in intimem Rahmen zu erleben.

Fasziniert von den Klangexperimenten im Gewölbekeller ist auch Fred Kammer aus Etziken. Er wurde aufgrund eines Artikels in dieser Zeitung auf die Jazz-Reihe aufmerksam und ist seit der zweiten Ausgabe dabei. «Weil die Musik intellektueller Art ist und man sich hineinleben muss, wird sie stets eher am Rand stattfinden.» Man könne Bier schliesslich auch nicht mit Wein vergleichen. Dennoch ist er überzeugt, dass Tuesday Jazz durch die Vielfalt der präsentierten Gruppen eine Lücke füllt.

Man könnte auch behaupten, dass das Format dem breiten Selbst- und Fremdverständnis der Stadt Solothurn als Ort der blühenden Kultur genau entspricht. Fast alle musikalischen Nischen können hier mit Inhalten gefüllt werden und finden ein Publikum.

Für das hochstehende Angebot im Alten Spital sorgen fünf Liebhaber aus Solothurn und Umgebung. Sie sitzen an der Kasse, stehen an der Bar und begrüssen die Gäste persönlich. «Es ist wie in einer grossen Familie», so Marco Corti. Das nächste Mal zu erleben ist dies am 28. März mit der Formation um den Schlagzeuger Dominic Egli und den südafrikanischen Trompeter Feya Faku. Im April folgt das Fischermanns Orchestra, und im Mai konzertiert mit Nik Bärtsch ein Star von internationalem Format.

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