Solothurn
In dieser Klinik werden iPhone und Co. aufgepäppelt

«Kränkelnde» iPhones, iPads und andere Smartphones müssen nicht beerdigt werden. In der iPhone-Klinik der Solothurner sokutec GmbH werden sie wieder fit gemacht.

Lea Durrer
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Die iPhone-Klinik befindet sich im selben Gebäude wie der Nilpfi-Indoor-Spielplatz und das Computermuseum Enter
13 Bilder
Reto Bösch und Felix Kunz in den Räumlichkeiten der iPhone-Klinik.
Reto Bösch bei der Arbeit Ein kaputtes Display soll ersetzt werden.
Das Display ist mit dem Gehäuse zusammengeklebt und muss mithilfe eines Plastikstiftes gelöst werden.
Das kaputte Display ist abgelöst
20 bis 25 Schrauben kommen zusammen, wenn das iPhone auseinandergebaut wird
Ein Besuch in der iPhone-Klinik in Solothurn
Das iPhone ist fertig repariert
Felix Kunz schaut sich durch ein Mikroskop ein Teil eines Handys an Bis zu 400 Mal vergrössert das Mikroskop. «Aber im Normalfall braucht es so was nicht», sagt Kunz.
Dieses iPhone kam mit Salzwasser in Berührung. Im Innern rostet es bereits.
Alles Ersatz-Teile fürs iPhone
Auch farbige Hüllen können aufgesetzt werden
Im Lager befinden sich insgesamt etwa 2 Millionen Ersatzteile Denn neben iPhones können auch andere Smartphones, iPads, Radios und Computer in die Reparatur gegeben werden. Einmal im Monat kommt eine Lieferung aus China an.

Die iPhone-Klinik befindet sich im selben Gebäude wie der Nilpfi-Indoor-Spielplatz und das Computermuseum Enter

Lea Durrer

Kistchen um Kistchen mit Patienten warten am Morgen in der iPhone-Klinik auf einen Termin beim «Arzt». Ein iPhone kam mit Salzwasser in Berührung, bei anderen Smartphones wurde das Display in Mitleidenschaft gezogen. Risse überziehen die Vorderseite. Auch das iPhone, das ein junger Mann vorbeibringt, benötigt die Hilfe der Spezialisten.

«Kann ich es nach Feierabend abholen?», fragt er. «Kein Problem», tönt es vonseiten des Inhabers Felix Kunz. Er bittet den Kunden lediglich, doch einfach im Computer-Museum nebenan vorbeizukommen. Mitarbeiter Reto Bösch sucht sich für den neuen elektronischen Patienten ein Plastik-Kästchen aus. «Die gehen schon langsam aus», meint er und stellt es zu den anderen.

Viele speichern nicht die Daten

Die Arbeit geht in der iPhone-Klinik, die seit diesem Januar an der Zuchwilerstrasse nahe dem Hauptbahnhof stationiert ist, nie aus. Fünf bis zehn kaputte Handys werden hier täglich repariert, wobei der Kundenstamm von jung bis ins Pensionsalter reicht. Auch Nationalräte und Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden sind schon auf der Matte gestanden. «Es ist schon erstaunlich, wie gross heute die Bindung an das elektronische Kommunikationsmedium ist», sagt Kunz.

Warum wird denn heute nicht einfach ein neues Handy gekauft? Das Gerät reparieren zu lassen, sei keine rein wirtschaftliche Frage, erklärt Kunz. «Viele sichern ihre Daten nicht und haben Probleme, wenn diese verloren gehen würden.» Ausserdem sei es viel Arbeit, alles neu einzugeben.

Nicht alle geben ihr Handy aber so leicht aus der Hand. «Es gibt auch Kunden, die das Gerät aus Vertrauensgründen gar nicht aus den Augen lassen wollen und bei der Reparatur lieber daneben stehen», sagt Kunz.

Bei Salzwasser wird es schwierig

Rund 90 Prozent der Fälle sind Fälle von beschädigten Displays, schätzt Bösch. «Das ist immer selbst verschuldet und fällt nie unter die Garantie», ergänzt Kunz. Der Aufwand sei jeweils gross, weil das gesamte Smartphone aufgeschraubt werden müsse. Das iPhone an sich sei nicht gebaut, um repariert zu werden. «Es ist sehr kundenunfreundlich, denn die Batterie ist fest eingebaut. Wenn es nach Apple geht, müssten alle ein neues Gerät kaufen, wenn das alte nicht mehr funktioniert», so Kunz.

Auch Handys mit Wasserschäden werden abgegeben. Das sei jedoch schwieriger zum Reparieren, meint Kunz. «Bei Wasserschäden ist es eine Frage der Zeit.» Die Handys müssten so schnell als möglich trocknen. Fällt ein Gerät gar in Salzwasser oder Gülle wird es äusserst prekär. «Da können wir oft nichts mehr machen. Vieles ist schon verätzt, denn dreckiges Wasser leitet den Strom. Das gibt schnell Kurzschlüsse», erklärt Kunz.

Wie wird wohl neues iPhone?

Das Geschäft läuft so gut, dass neben Reto Bösch bald eine weitere Person angestellt werden soll. «Dann können wir auch länger offen haben», sagt Kunz.

Er wartet schon gespannt auf den Nachfolger des iPhone 4S, der im Herbst auf den Markt kommen soll. «Ob es wohl kundenfreundlich wird?», fragt er sich. «Die Frage ist wohl eher, ob das neue iPhone reparaturfreundlich ist», entgegnet Bösch schmunzelnd.

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