Stadt Solothurn
In diesem Quartier kennt man seit 1975 Rezept für gelungene Nachbarschaft

Ein Fest an der Alte Berntorstrasse schafft Zaunfrieden unter den Nachbarn. Dieses Quartierfest, das den ganzen Strassenzug freundschaftlich zusammenschweisst, feierte am Wochenende sein Vierzigstes.

Andreas Kaufmann
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Pioniere des Quartierfests: Evi Bamert, Mitwirkende der ersten Stunde,und Frank Schneider, aktueller «Tätschmeischter».

Pioniere des Quartierfests: Evi Bamert, Mitwirkende der ersten Stunde,und Frank Schneider, aktueller «Tätschmeischter».

Andreas Kaufmann

Nachbarschaftlichkeit ist ein zerbrechliches Gut. Reicht doch nur ein Ast, der aufs fremde Grundstück ragt, ein «unbefristet» ausgeliehener Laubbläser, oder ein ungünstig parkiertes Auto – und um den Frieden der kleinen Welt des Quartiers ist es geschehen. Hat man Pech, schwelen die Schlachten am Gartenzaun über Jahre weiter. Ein Rezept für gelungene Nachbarschaft hat man seit 40 Jahren im oberen Teil der Alte Bernstrasse parat.

Wie jedes Jahr fand dort am Wochenende das «Quafabeo» statt – das «Quartierfest Alte Bernstrasse, obere». Zum diesjährigen Vierzigsten entschied man sich für ein ausgedehnteres Programm über mehrere Tage: Feierliche grüne Banner säumten die obere Hälfte auf der Alten Bernstrasse, die sich über die Länge des parallelen Keltenwegs erstreckt.

Vom Probelauf zur Institution

Man kennt und grüsst einander in der Alten Berntorstrasse: Über die Hecke lässt Frank Schneider der Nachbarin einen Gruss zukommen – ausser Sichtweite. Seit einigen Jahren leitet er nun schon hauptamtlich die Geschicke des «Quafabeo».

Seinen Anfang nahm das Strassenfest der oberen Alten Bernstrasse 1975. Evi Bamert erinnert sich als Anwohnerin der ersten Stunde: «Da wir ein wenig abseits der Strasse wohnen, kannten wir fast niemanden im Quartier.» Ein Komitee bestehend aus 16 Ehepaaren lancierte den Probelauf einer nachbarschaftlichen Begegnung, der von Garten zu Garten führte und von Apéro, über Gesellschaftsspiel bis hin zur Grillade und zum Schlummertrunk, erinnert sie sich. Und ihr Gatte Klaus Bamert wurde bald darauf zum ersten «Tätschmeister» des Quartieranlasses.

Über die Jahre wuchs das Fest an, die breite Kieszufahrt vor Frank Schneiders Haus wurde zum Dreh- und Angelpunkt der Begegnung. 30 Kinder und 80 Erwachsene lockte das Quartierereignis jeweils im Durchschnitt an. Die grossen Gewächstunnel, die als Wetterschutz dienten, wurden bald durch vier Festzelte abgelöst, die man sich fürs Strassenfest beschafft hatte. Aus der individuellen Bestuhlung, die jeder Einzelne mitbrachte, wurden bald Festbänke. Während des Fests nutzt man die Gelegenheit, auch mal einen Blick in die Wohnungen seiner Nachbarn zu werfen: «Bei einzelnen solcher Besichtigungen gelangt man schon mal bis ins Schlafzimmer», erzählt Schneider augenzwinkernd.

Bald wurde auch ein Gottesdienst mit Brunch zur Tradition des Fests. Der christkatholische Pfarrer Peter Hagmann, der an der Alten Bernstrasse zuhause war, hatte sich anerboten, in der Kapelle der «Wisse Luus» eine Sonntagszusammenkunft durchzuführen. Ein Postenlauf mit sportlichen, kniffligen und kreativen Stationen für Jung und Alt lockert jährlich den Müssiggang mit Action auf. Schneider präsentiert stolz den neu zum Vierzigsten eingesetzten «Wanderpokal» – eine alte Kaffeekanne.

Streiche der Anfangsjahre

Dass es aber sogar beim Vorzeigefall Alte Bernstrasse Schabernack geben kann, beweist eine Anekdote aus den Anfangsjahren des Fests: Laut Aufzeichnungen der Festpioniere hatte doch der «böseste Nachbar» eine Tannenhecke, die weit aufs Trottoir hinausragte. Insgeheim wurde dieser von den Festgängern abgeschnitten und das Schnittgut auf dem Trottoir und auf den vor der Liegenschaft parkierten Autos zerstreut.

Als die Polizei die Urheberschaft ermitteln wollte, stiess sie aber auf Granit: Die verschworene Nachbarschaft hielt dicht, während dem «bösen Nachbarn» nichts anderes übrig blieb, als das Grünzeugs selbst wegzuschaffen. Heute dürfte im Gutelaune-Quartier wohl aber niemand was zu befürchten haben – dank «Quafabeo» sucht man hier den «bösen Nachbarn» nämlich vergeblich.

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