Solothurn
In der Unterwelt der Rätsel – ein Selbstversuch in den «Adventure-Rooms»

In den «Adventure-Rooms» im Keller des «Volkshauses» wird geknobelt – und ausgebrochen. Ein Selbstversuch.

Andreas Kaufmann
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Eröffnung des Adventure-Rooms Solothurn
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Das Thema des ersten Rätsels: Mafia.
Das Kernteam mit dem Gründer (v.l.): Michel "Frizz" von Burg, Pippo Palermo, Gabriel Palacios (Erfinder Adventure-Rooms), Umberto "Jumbo" Monopoli, Jonas Oesch, Matthias Roth
Umberto «Jumbo» Monopoli und Jonas Oesch bei der Eröffnung
Gabriel Palacios erläutert, wie die Idee des Adventure-Rooms entstanden ist. Mittlerweile gibt es rund 40 solcher Rätselräume auf der ganzen Welt.

Eröffnung des Adventure-Rooms Solothurn

Andreas Kaufmann

«Erkunden, nachdenken, ausbrechen!» Dieser Leitspruch ist das Einzige, was aus den umgebauten Kellergewölben des Volkshauses an die Oberfläche dringt. Hier, hinter einer Milchglastüre mit der Aufschrift «Adventure-Rooms», befindet sich ein Geheimnis – eines, das in zahlreichen, einzigartigen Variationen und Abwandlungen an rund 40 anderen Orten rund um den Globus gelüftet werden will. Und seit Anfang Dezember nun eben auch in der Solothurner Vorstadt.

Was aber hinter diesen Mauern geschieht, was hinter verschlossenen Schränken, Truhen und Türen abgeht, lassen all jene Abenteurer unausgesprochen, die sich bereits auf diesen Abstecher in die Unterwelt der Rätsel gewagt haben und die – mehr oder weniger erfolgreich – wieder an die Oberfläche gelangt sind.

Zum Spielprinzip sei so viel verraten: Es könnte einem Hollywood-Actionstreifen entstammen – und so wähnt man sich schnell einmal in der Rolle eines Indiana Jones oder MacGyvers. Ziel ist, sich möglichst schnell zu befreien und dabei ganz auf die Sinne, auf den Grips, die Kreativität, die Kombinationsgabe und aufs Teamwork zu setzen.

In der Gruppe sucht man sich den Weg hinaus, während auf einem Monitor die Sekunden unerbittlich dahinticken. Im Einzelmodus dauert dieses Ausbruchsabenteuer 60 Minuten, im Duellmodus treten zwei Gruppen gegeneinander an, wobei die eine Gruppe die andere einholen muss. Nach 30 Minuten erfolgt der «Seitenwechsel».

Erfolgsrate: 30 Prozent

Der Selbstversuch zeigt: Die Adventure-Rooms machen Spass und regen die grauen Zellen an. Ebenso beflügeln sie den Ehrgeiz, im Kampf gegen die Zeit (und das andere Team) zu siegen. Die Erfolgsrate ist dabei nicht höher als 30 Prozent. Doch in einer genügend grossen Gruppe kommen idealerweise alle Fertigkeiten zusammen, die nötig sind, um die Rätsel zunächst zu erkennen und dann auch zu lösen. Durch die Vielfalt der Aufgaben bringt jeder Teilnehmer seine Stärken ein.

«Erkenne dich selbst» wird somit in den Kellerräumen der kurzweiligen Abenteuerreise zur persönlichen Devise. Im Duellmodus wurde zumindest der zweite Teil der Aufgabe durch die Zeitungs-Probanden erfolgreich abgeschlossen. Allerdings konnten dafür noch bestehende Schwächen des Systems ausgenützt werden, um den Lösungsweg abzukürzen. Dafür trug das Ambiente entscheidend zum Spielspass bei und wurde beim aktuellen Thema «Mafia» bis zum Feinschliff perfektioniert.

Der Vater hinter der Idee

Die Idee der «Adventure-Rooms», die unter die Kategorie der so genannten Live Escape Games fällt, wurde vom Physiklehrer Gabriel Palacios erdacht. Dieser hatte das Konzept ursprünglich für den Schulunterricht vorgesehen und 2013 in der Berner Länggasse zu diesem Zweck eine Räumlichkeit umgestaltet, wurde dann bald vom breiten öffentlichen Interesse überrannt. «Zusammen mit meinem Bruder zog ich eine Homepage auf und gründete die Firma ‹Adventure-Rooms›», erklärt der Vater der Idee anlässlich der Eröffnung des Solothurner Ablegers. Seitdem vergibt Palacios Franchisen der «Adventure-Rooms» an rund 40 Veranstalter – gar bis nach Neuseeland.

In Solothurn betreiben Michel «Frizz» von Burg, Pippo Palermo, Umberto «Jumbo» Monopoli, Jonas Oesch, und Matthias Roth ein fünfköpfiges Kernteam die «Adventure-Rooms», ebenfalls als Franchise von Palacios Idee. In weniger als drei Monaten wurde das Spiel im Volkshaus-Keller realisiert. Und die Macher sind unermüdlich: Im Januar solls hier bereits ein zweites Spiel geben.

Mitwirkung: Lea Durrer