«Porta Secunda»
In der Unterkunft lebt die klösterliche Spiritualität weiter

Der neue Gästetrakt im Kloster Namen Jesu öffnete seine Türen. Viele nutzten die Gelegenheit, um sich die «Porta Secunda» anzuschauen.

Silvia Rietz
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Hotel Porta Secunda: Ein Augenschein vor Ort
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Der Blick aus dem Fenster

Hotel Porta Secunda: Ein Augenschein vor Ort

Michel Lüthi

Der Andrang zum Gästetrakt des Frauenklosters Namen Jesu war enorm. «Wunderschön ist der Blick aus den mit viel Holz ausgestatteten Zimmern in den verschneiten Klostergarten. Original belassene Einbaukasten, Schieber, Kreuze und Weihwassergefässe zeugen von der Vergangenheit», waren sich Lucia und Kurt Bargetzi vom gleichnamigen Solothurner Treuhandbüro einig. Ein Augenschein bestätigt: Die hellen, geräumigen Zimmer sind sanft saniert und der ursprüngliche Charakter ist erhalten geblieben. Ein Juwel unter den regionalen Übernachtungsmöglichkeiten, welches mit Holzböden und antiken Möbeln punktet, einschliesslich Fenstern mit Butzenscheiben und Beschlägen aus der Barockzeit.

Beatrice Lanz und Michèle Wyss führen die Unterkunft mit vier Einzelzimmern, zwei Doppelzimmern und zwei bereits früher genutzten Seminarräumen. Michèle Wyss dankte beim Willkommensapéro den Schwestern für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit, allen voran Frau Mutter Sr. Priska und der vormaligen Oberin Sr. Luzia, wie auch Kloster-Allrounder Andreas Röder und Architekt Reto Stuber. «Wir freuen uns, dass wir in diesen historischen Räumen eine Tradition weiterführen dürfen. Damit entlasten und unterstützen wir die älter und kleiner gewordene Schwesterngemeinschaft», erklärte sie.

Schon länger offen für Gäste

Seit 1973 sind die Klostermauern als Folge der Synode 72 durchlässiger geworden. Auch im Frauenkloster Namen Jesu. Unter anderem öffneten die in Klausur lebenden Kapuzinerinnen die Klosterpforte für Gäste und die heutige Frau Mutter Sr. Priska organisierte ab 1973 gut besuchte Meditationskurse und Meditations-Wochenenden. 2005 initiierten die Schwestern im 1618 erbauten Kloster die «Porta Secunda» – die sogenannte «Zweite Pforte». Weder das damit verbundene Beherbergen von Einzelgästen noch das Bildungsangebot waren eine Novität. Neu hingegen war, dass erstmals ein externes Team ein Klosterprojekt leitete. Die «Porta Secunda» diente auch für Chorwochenenden (Chorus Porta Secunda), Konzerte und Vorträge. Regelmässig wurden und werden im Kloster Namen Jesu «Tage der Stille» angeboten. Durch die «Porta Secunda» gelangt man ergo nicht nur zum Gästetrakt, sondern nach wie vor auch zu den Meditationsräumen.

«In den Räumlichkeiten des des Gästehauses lebt die klösterliche Spiritualität weiter. Die Herzlichkeit und Wärme der Kapuzinerinnen begleiten die Besucher während ihres Aufenthaltes», stellte auch Kurt Bargetzi fest. Ähnlich empfindet es auch Bruno Durrer, Geschichtenerzähler, Lehrer und Heilpädagoge aus Solothurn. Er kennt den Gästetrakt vom Meditieren her. «Da kommen Erinnerungen hoch», schmunzelte er beim Treppensteigen. Auch er zeigte sich von der sanften Renovation und dem Angebot der Betreiberinnen begeistert. Wie auch Raffael Ingold. Der Florist zog unlängst mit dem BlumenRaum von Solothurn nach Langendorf. Neben dem Blumenladen engagiert er sich nun auch in der Unterkunft, wo er die Gäste betreut und das Frühstück richtet. «So kombiniere ich wie früher Floristik und Betreuen», lächelt er.

Erinnerungen an vergangene Zeiten erwachten auch in Peter Grandy, der unweit des Kapuzinerinnenklosters aufgewachsen ist und dessen Schwester Helene die Primarklassen in der ehemaligen Klosterschule absolvierte. Seit damals ist Peter Grandy den Ordensfrauen verbunden geblieben und wirkt heute in der Lektoren-Gruppe mit. «Die Sanierung ist wunderbar gelungen, die Zimmer sind einladend eingerichtet und mit moderaten Preisen», meint er. Er freut sich, dass die Schwestern mit dem Vermieten des Gästetraktes und mit der Hostienbäckerei zwei für die Gemeinschaft zentrale Einnahmequellen erhalten können. «Ein gelungenes Projekt, besser hätte es nicht werden können.»

Mehr Informationen unter www.porta-secunda.ch.