Solothurn
In der Reso Landi an der Aare ist das Mahlen des Müllers Lust

Mitten in der Stadt Solothurn, im markanten Landi-Gebäude an der Aare, betreibt die landwirtschaftliche Organisation eine Handelsmühle. Seit 1922 wird dort regionales Getreide zu Backmehlen verarbeitet.

Fränzi Rütti-Saner
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Mühle in Solothurn
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Landwirt Bernhard Fankhauser unterschreibt im Büro der Handelsmühle die Quittung für seinen angelieferten Dinkel.
Das Korn wird sortiert.
Die Bauern liefern ihre Ernte an.
Gerold Kofmel erklärt die Abläufe.

Mühle in Solothurn

Hanspeter Bärtschi

Bei uns läuft es derzeit ziemlich rund», sagt der stellvertretende Leiter der Reso Landi Solothurn, Gerold Kofmel. Er und sein Team arbeiten momentan wie ein Zahnradgetriebe. Jeder Handgriff sitzt, die Abläufe sind koordiniert und greifen ineinander.

Das fängt am frühen Morgen schon beim Abheben des Telefonhörers an. Kofmel: «Die Bauern melden sich bei uns an, welches Getreide und wie viel davon sie zur Mühle bringen wollen, fragen eventuell auch, ob der Drescher noch warten soll. Es wird genau geplant, wann welcher Landwirt mit seinem Korn zur Mühle kommen soll, denn es geht darum, unsere Kapazitäten richtig einzuteilen.»

Es dürfe also nicht sein, dass ein Bauer beispielsweise einige Tonnen Gerste bringt und in den Silos gar kein Platz dafür da ist, erklärt Kofmel. In mehreren Silos werden die verschiedenen Getreidesorten eingelagert und später gemahlen.

4,5 Tonnen Dinkel

Am Dienstagnachmittag, um 14.15 Uhr, hatte Landwirt Bernhard Fankhauser aus Lüterkofen seinen Mahl-Termin. Präziser gesagt: Der Dinkel ist kein Nacktkorn-Getreide. Daher ist das Korn nach dem Dreschen immer noch im Spelz eingeschlossen. In der Mühle wird seine Ernte jetzt gereinigt, und die Körner werden aus dem Spelz geholt. Diesen Vorgang nennt man Röllen.

Dies ist eine besondere Arbeit, die viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl vom Müller erfordert. Nur wenn der Röllgang richtig eingestellt und die Arbeit laufend überwacht wird, kann eine Kernenausbeute von 72 Prozent des vom Bauern angelieferten Dinkels erreicht werden. Deshalb ist Müller Beat Mühlethaler auch ganz schön konzentriert bei der Arbeit. Laufend überprüft er mit seiner Nase die Kerne auf den sogenannten Dumpfgeruch.

Etwa 4,5 Tonnen Dinkel hat Fankhauser zur Mühle gebracht. Der Röllvorgang dauert rund eine halbe Stunde. «Die Getreideernte 2013 ist erstaunlich gut ausgefallen», sagt Kofmel. «Nach dem nasskalten Frühling und insbesondere dem schlechten Mai befürchteten wir ein schlechtes Jahr. Doch der Juni und Juli haben alles wieder wettgemacht.»

Zentrale Lage

Nach Solothurn, mitten in die Stadt, wo die Landi-Mühle liegt, bringen Bauern von Kammersrohr bis Selzach und noch ein paar wenige aus dem Wasseramt ihr Getreide, erklärt Kofmel. Es sei heute schon ein wenig «sonderbar», mitten in einer Stadt eine solche Anlage zu betreiben. Doch die Bauern schätzen die zentrale Lage sehr und man sei vom Platz her gut eingerichtet. «Lediglich die Sperrung der Wengibrücke für den Privatverkehr machte uns im Vorfeld Kummer.» Doch man habe für die landwirtschaftlichen Gefährte bis 16 Tonnen eine Ausnahmebewilligung bekommen.

Wichtiges Einkommen

Bernhard Fankhauser kann am Schluss die Quittung für seinen Dinkel entgegennehmen. Hier wird genau vermerkt, wie viel Korn in welcher Qualität angenommen wurde. «Das ist jedes Mal eine grosse Spannung», sagt der Landwirt. «In der Mühle wird mein Einkommen mitbestimmt.» Und der Ernteertrag ist diesmal besonders erfreulich, hat doch Fankhauser Dinkel von sehr hoher Qualität liefern können.

Zum Schluss nimmt er noch ein paar Säcke mit Spelz mit nach Hause. «Das ist für die Hühner. Sie lieben es, im Dinkel-Spreu zu picken, denn hin und wieder finden sie noch ein Stückchen Korn.» Fankhauser fährt davon und schon steht die nächste Getreide-Ladung bereit. Diesmal ist es Gerste.

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