Solothurn
In der Mausefalle wird gezeigt, wie ein Liebesleben nach Flugplan aussieht

Nebst «Charleys Tante» hat sich «Boeing-Boeing» in den letzten Jahrzehnten zum Klassiker des Boulevardtheaters entwickelt und wird nun in einer unterhaltsamen Inszenierung des Teatro Mobile aufgeführt.

Helmuth Zipperlen
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Sie sorgen für beste Unterhaltung im Theater Mausefalle (v. l.); Melina Maspero, Sophie Nyfeler, Nourdin Khamsi und Sofia Mészáros.

Sie sorgen für beste Unterhaltung im Theater Mausefalle (v. l.); Melina Maspero, Sophie Nyfeler, Nourdin Khamsi und Sofia Mészáros.

zvg

Paris um 1970. Die Welt ist noch analog. Die Swissair ist noch nicht gegroundet. Der aus einer Schweizer Architektenfamilie stammende Marc Camoletti (1923 – 2003) wird zum erfolgreichsten französischen Komödienschreiber der damaligen Zeit. Mit dem 1960 verfassten «Boeing-Boeing» erobert er selbst den Broadway.

Fast alle Theater – auch das Städtebundtheater Biel/Solothurn – nehmen das Stück in ihren Spielplan auf und füllen die Säle. Dabei ist die Handlung eigentlich recht simpel. Aber die Figurenkonstellationen, die Situationskomik und die geschliffenen Dialoge heben die Komödie über den Durchschnitt hinaus.

Geglücktes Wagnis

Es war deshalb für das Ensemble in der Mausefalle auch ein gewisses Wagnis, dieses Stück zu produzieren. Mit ganz wenigen Einschränkungen ist indessen eine kongeniale Umsetzung erfolgt. Keine Längen, keine einzige langweilige Minute in der über zwei Stunden dauernden Aufführung. Das sagt eigentlich schon alles.

Das Bühnenbild weist die notwendige Anzahl Türen auf, um die Darstellenden so auf- und abtreten zu lassen, dass sie sich nicht begegnen. Alle drei Akte spielen im geschmackvoll hergerichteten Appartement des Innenarchitekten Bernard. Die Technik (Patrik Streit) stellt keine allzu grossen Ansprüche. Einige Kostümwechsel – besonders bei den Damen – sorgen für visuelle Tupfer, herausstechend die verschiedenen Bademäntel.

Hahn im Korb

Bernard geniesst das Leben und die Liebe in vollen Zügen. Er hat sich nämlich gleich mit drei Stewardessen verlobt, ohne je an eine Heirat zu denken. Janet ist bei der American Airways, Jacqueline bei der Air France und Judith bei der Swissair. Das führt zu unterschiedlichen Flugplänen. Wenn eine davon in Paris ist, sind die beiden anderen irgendwo auf der Welt. So meint natürlich jede, sie sei die einzige Verlobte Bernards und sein Appartement ihre gemeinsame Wohnung.

Bernards Haushälterin Berthe hilft ihm bei der Bewältigung der infrastrukturellen Planung. Nicht ohne zu betonen, das sei keine Stelle für eine anständige Haushalthilfe. Als Bernards Schulfreund Robert aus Limoges zu Besuch kommt, stellt dieser bald einmal die Gretchenfrage, was denn passiere, wenn die Flugpläne durcheinander gerieten. Und als hätte er es damit heraufbeschworen, macht ein Unwetter über dem Atlantik tatsächlich ein Tohuwabohu bei den Fluglinien.

Nourdin Khamsi spielt Bernard, diesen vermeintlichen Hahn im Korb, mit der nötigen Leichtigkeit des charmanten Parisers. Nur ganz wenig fehlt ihm zum perfekten Bonvivant. Johnny Sollberger als sein Schulfreund Robert kann in dieser Rolle alle Register seines Könnens ziehen, denn er muss lügen wie gedruckt und für jede Situation gewappnet sein.

Resolut, aber auch verschmitzt ist die Berthe von Tanja Krieg. Als Janet lässt Sofia Mészàros sprachlich manchmal den amerikanischen Akzent anklingen und wirkt auch als Charakter durchaus amerikanisch. Die Jacqueline von Melina Maspero ist die kapriziöse und manchmal unberechenbare Französin. Und dann wäre da noch die Schweizerin Judith, welcher Sophie Nyfeler mit ein paar schweizerdeutschen Ausdrücken aber glücklicherweise ohne Schweizer-Hochdeutsch Profil verleiht.

Das zahlreiche Publikum quittierte diese gelungene Aufführung mit starkem Applaus.
Nächste Aufführungen: Freitag. 12. Januar, 20 Uhr, Sonntag, 14. Januar, 17 Uhr, Freitag./Sa. 19./20. Januar, je 20 Uhr und Sonntag, 21. Januar 17 Uhr

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