Solothurn
In der Jesuitenkirche wüten Holzwürmer und die Farbe blättert ab

Bis Ende November wird die Barockkirche in Solothurn wegen Renovationsarbeiten geschlossen bleiben. Kirchgemeindepräsident Karl Heeb erklärt, was alles saniert werden muss.

Wolfgang Wagmann
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Für Kirchgemeindepräsident Karl Heeb haben die Arbeiten an der Jesuitenkirche begonnen
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Der Hochaltar ist schon seit einiger Zeit eingerüstet
Maria und das Jesuskind werden nächsten Advent eine völlig restaurierte Jesuitenkirche antreffen
Blumenstein-Konservator Erich Weber bringt das Jesuskind der Ambassadorenkrippe für elf Monate in Sicherheit
Restauration Jesuitenkirche Solothurn
Die stark verschmutze Stukkatur erhält eine Oberflächenreinigung
Nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt
Die Haarrisse in den Deckenmalereien sind gut erkennbar
Der Sitzkomfort auf den Kirchenbänken wird sich auch für Karl Heeb verbessern

Für Kirchgemeindepräsident Karl Heeb haben die Arbeiten an der Jesuitenkirche begonnen

Wolfgang Wagmann

Der 4. Januar 2011 hat sich bei Karl Heeb eingraviert. «Es war ein Dienstag.» Damals erhielt der Präsident der römisch-katholischen Kirche einen folgenschweren Anruf: Auf St. Ursen sei ein Brandanschlag verübt worden. Die Kathedrale sollte erst nach einer umfassenden Säuberung und Sanierung am 30. September 2012 wieder offenstehen. Monatelang war das Innere der Kathedrale ein Gewirr von Gerüsten mit über 20 km Gehwegen durchs Kirchenschiff.

Ähnliches passiert nun mit der Jesuitenkirche. Und auch sie wird ab sofort fast ein Jahr lang geschlossen bleiben. «Auf den 22. November, rechtzeitig zur Adventszeit mit ihren Konzerten, soll die Jesuitenkirche wieder eingesegnet und geöffnet werden»; so Karl Heeb. Zumindest sehe dies der Terminplan vor – «unwägbar ist nur die Dauer der Restaurationsarbeiten an den Deckenmalereien.»

Unwiederbringliche Farbverluste

Damit spricht Heeb einen der wichtigsten Aspekte an, der zur Auslösung des Restaurationsprojekts 2015 führten. «Dringender Handlungsbedarf besteht, weil an den Deckenmalereien Farbverluste festgestellt worden sind. Ohne Sanierung treten unwiederbringliche Verluste ein.» Denn die bei der letzten grossen Renovation eingesetzten Leimfarben hätten nach 60 Jahren ihre Bindefähigkeit verloren und würden nun anfangen auszupudern und abzubröseln. «Es wurden damals keine Fehler gemacht, gabs doch noch nicht die Materialien und Techniken wie heute», betont der Kirchgemeindepräsident.

Während die Seitenaltäre seit 2009 nach und nach restauriert wurden, gefolgt von der Gesamtrestaurierung der Otter-Orgel 2010/2011, blieb der Hochaltar ein Sorgenkind. Schon seit Monaten eingerüstet, haben viele Teile unter dem gefrässigen Holzwurm gelitten. «Der Strahlenkranz und die Altarbekrönung werden nur noch von Drähten und Metallplatten zusammengehalten.» Ganze Teile müssten deshalb laut Heeb neu aus Lindenholz geschnitzt und ersetzt werden.

Know-how nutzen

Ein weiterer Grund für ein schnelles Handeln ist für Karl Heeb das vorhandene Know-how, erworben bei der Gesamtsanierung von St. Ursen. Das Architekturbüro Flury sowie die Baukommission mit Leiter Eugen Baschung, Ruedi Mangold und Ruedi Blöchlinger stünden weiterhin zur Verfügung, «und das wollen wir nutzen».

Denn neben der Reinigung der gesamten Stuckatur werden auch neue Brandschutzmassnahmen umgesetzt. «Es wird einen neuen Fluchtweg aus der Sakristei in den Kollegiumshof geben sowie einen zusätzlichen Aufgang zur Orgelempore auf der Ostseite», ergänzt Heeb. Nicht Teil des jetzigen Projekts sind Dichtungsmassnahmen auf dem Giebel der Fassade, was im Sommer eine Aussengerüstung erfordern wird, sowie die heikle Realisierung einer Rampe vor dem Haupteingang, um die gewünschte Rollstuhlgängigkeit herbeizuführen.

Bequemer sitzen

Für eines war die zwischen 1680 und 1689 erbaute Jesuitenkirche nie bekannt: den Sitzkomfort ihrer Bänke. Unzählige Messe- und Konzertbesucher hatten auf ihnen schon regelrechte Martyrien erlitten, jetzt soll einiges besser werden. «Natürlich können wir die Bankreihen wegen der Denkmalpflege nicht einfach ersetzen», meint der Kirchgemeindepräsident.

Generell werden die Sitzflächen tiefer angelegt und leicht schräg montiert, sodass zusammen mit den Rückenpolstern die Bänke ergonomisch verbessert werden können. Während im vorderen Sitzreihen-Bereich die Beinfreiheit mit einer Vorverlegung der Kniebretter optimiert werden kann, muss im hinteren Bereich die letzte Reihe geopfert werden. «Dort werden die Abstände innerhalb der Bänke vergrössert», erklärt Karl Heeb.

Infos und Spendenmöglichkeiten unter www.jesuitenkirche-solothurn.ch