Jean-Paul Sartre veröffentlichte zuerst den Text, bevor der Einakter «Geschlossene Gesellschaft» inszeniert wurde. Er schrieb die Rolle des Garcin für seinen Schriftstellerkollegen Albert Camus, welcher auch die Regie für die Uraufführung übernehmen sollte. Als jedoch eine der Darstellerinnen von den Nazis deportiert wurde, verliess Camus das Projekt, was zu einem lebenslangen Zerwürfnis mit Sartre führte. Sartre suchte eine neue Besetzung zusammen und so wurde das Drama am 27. Mai 1944 im Théâtre du Vieux-Colombier in Paris zur Uraufführung gebracht. 1990 wurde es ins Repertoire des Nationaltheaters Comédie Française aufgenommen.

Die Deutung des Inhalts ging von Anfang an diametral auseinander. Die faschistische Presse feierte das Stück, weil es zeige, dass auch im besetzten Paris modernes Theater möglich sei. Andere wiederum sahen im Stück einen antifaschistischen Widerstand. Da Sartre auch mit Jesuiten befreundet war, ergab sich auch eine religiöse Betrachtung.

Auf alle Fälle erweist sich das Drama als zeitlos und wirkt heute ebenso aktuell wie zu seiner Entstehungszeit. Dass dem bekannten Stück neue Seiten abzugewinnen sind, beweisen Jana Zimmermann und Léonie Schütz vom Theater Ensemble Mausefalle, welche für Regie und Technik verantwortlich sind.

Drei Tote in der Hölle

Einen fensterlosen Raum mit hell getünchten Wänden, zwei Leuchtkörper, ein Cheminée mit einer Bronzestatue und einem Papiermesser auf dem Sims, drei unterschiedliche Sitzgelegenheiten und eine Tür erblickt das Publikum im Theater Mausefalle zu Spielbeginn.

Die Türe öffnet sich, der Kellner tritt ein und winkt Garcin ins Zimmer. Dieser ist eben erschossen worden und erwartet nach seiner Höllenfahrt Folter und Pein, wie es die bekannten Darstellungen des Jüngsten Gerichts verheissen.

Der Raum wirkt auf den verwirrten Garcin nicht unattraktiv, aber als ihm bedeutet wird, dass die Lichter nie erlöschen würden und die Klingel nur selten funktioniere, ist ihm nicht mehr geheuer. «So, da sind wir also», seine Worte beim Betreten des Raumes bekommen einen doppelten Sinn. Alleingelassen, sich seinen Gedanken überlassend, gerät er in Panik und hämmert gegen die Türe. Sie öffnet sich – aber nur, weil der Kellner nun Inès in den Raum führt. Garcin versucht, sich ihr anzubiedern, wird aber auf Distanz gehalten. Schliesslich wird noch Estelle hereingeführt und der Kellner bedeutet, dass sie nun komplett seien. Die drei Toten können immer wieder auf die Lebenden blicken und so ihrer eigenen Beerdigung beiwohnen.

Mit diesem kompletten Trio beginnt nun ein Spiel mit wechselnden Konstellationen, mit Verbergen und Aufdecken ihrer Taten, welche sie in die Hölle brachten. Die lesbische Inès macht sich an Estelle ran, aber auch Garcin versucht, Estelle für sich zu gewinnen. Doch in der Hölle gibt es weder Liebe noch Sex.

Diese komplexen Rollen verlangen von den Darstellern Dominique Lysser (Inès), Johnny Sollberger (Garcin) und Tanja Krieg (Estelle) alles ab. Lukas Rhiner gibt den stoischen Kellner. Mit einer darstellerischen Parforceleistung bringt die Mausefalle diesen modernen Klassiker überzeugend auf die Bühne.

Nächste Aufführungen:

  • 12./13. Oktober, je 20 Uhr,
  • 14. Oktober, 17 Uhr,
  • 19./20. Oktober, je 20 Uhr,
  • 21. Oktober, 17 Uhr.