Solothurn
In der Beschäftigungswerkstätte Suneufer soll auch weiterhin die Vorsehung walten

Trotz verschiedener Probleme soll die Solothurner Beschäftigungswerkstätte Suneufer der Schwester Sara Martina weiter bestehen. Wer danach diese Aufgabe übernimmt ist noch nicht klar.

Wolfgang Wagmann
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Schwester Sara Martin freut sich über nicht mehr gebrauchtes Spielzeug für die Arbeit im Suneufer.

Schwester Sara Martin freut sich über nicht mehr gebrauchtes Spielzeug für die Arbeit im Suneufer.

Wolfgang Wagmann

Es gibt sie noch: Schwester Sara Martina versucht mit ungebrochener Energie ihre Beschäftigungswerkstätte Suneufer an der Unteren Steingrubenstrasse im Schuss zu halten. Doch die rührige Schwester, inzwischen 81 geworden, kämpft mit einigen Problemen. Auch gesundheitlichen. «In den letzten Jahren bin ich wegen dreier Knieoperationen oft in den Spitälern ‹umgehocked›. Ich konnte keine Vorträge mehr halten, und das wirkte sich auf die Spendengelder aus.» Denn mit diesen hatte sie seit 2001 im ehemaligen Gibelin-Kindergarten den Betrieb des Suneufers finanziert. Neun Arbeitsplätze an drei Tagen für zwei Vormittagsstunden kann sie Suchtkranken und Randständigen anbieten. Mit Spielzeugreparaturen oder mit Briefmarken-Zuschneiden für das Seraphische Liebeswerk im Antoniushaus. Mit dem Erlös unterstützen die Schwestern ihr Hilfswerk auf den Philippinen. Und das auf Vordermann gebrachte Spielzeug findet in der Hiob-Zentrale Steffisburg immer wieder Absatz. «Die Leute dort sind sehr nett, sie organisieren sogar den kostenlosen Transport. Und Spielzeug wird immer wieder gebraucht. Denn wo Rollstühle und Betten hinkommen, da sind auch Kinder.»

Vieles ist besser geworden

Nicht dass die Schwester keine Unterstützung mehr hätte. «Noch immer helfen mir drei Frauen, die schon bei der Notschlafstelle im Bürgerspital dabei gewesen sind.» Damals Anfang der Neunzigerjahre, hatte das Drogenelend mit der offenen Szene am Dornacherplatz seinen Höhepunkt erreicht. «Inzwischen hat sich vieles verbessert. Vor allem in der Gassenküche, die eine Stube geworden ist, wo die Leute nachmittags bleiben können. Früher wurden sie nach dem Mittagessen fortgeschickt.» Das habe sie ja ständig kritisiert. Bequem ist sie nie gewesen, die Schwester. Aber umso überzeugter von der Richtigkeit und Wichtigkeit ihres Tuns. Ebenfalls besser geworden sind für ihre Klientel nicht nur die Ernährung, die Bekleidung und die medizinische Versorgung. Sondern auch die Angebote, wo es etwas zu tun gibt. «Seit letzten Herbst beobachte ich, dass nicht mehr jedes Mal alle Plätze bei mir ausgebucht sind», führt Sara Martina dieses Phänomen auf Auffangorganisationen wie die Regiomech. Solodaris, die Beschäftigungswerkstätte Wyssestei, Pro Work, aber auch die Vebo und andere Institutionen neben der «Perspektive» zurück.

Spielzeug gesucht

Trotz der etwas geringeren Nachfrage nach Arbeitssuchenden macht sich auch ein Mangel an zu reparierendem Spielzeug bemerkbar, was die Schwester ebenfalls auf ihre geringere Präsenz in der Öffentlichkeit zurückführt. «Ich bin dankbar für alles gebrauchte Spielzeug, dass man mir auch drinnen vor die Werkstatt stellen kann. Ich finde das schon nur wichtig, damit die Leute das Spielzeug nicht einfach fortwerfen.»

Nicht erwünscht seien dagegen grosse Sachen wie Kinderbetten oder -wagen – dafür fehlen der Schwester die Kapazitäten. Willkommen sind dagegen die erwähnten Briefmarken und auch alte, weisse Baumwoll-Leintücher. «Daraus fertigen wir hier Einweg-Binden für die Leprakranken in Afrika.»

«Wir reden jede Woche darüber»

Einen Erfolg hat die Schwester bereits verbucht: Für dieses Jahr erlässt die Stadt ihr die Miete des Lokals. Noch wichtiger aber sind für Sara Martina Erfolge bei ihren «Arbeitnehmern». «Drei haben wieder eine feste Anstellung gefunden.» Davon einer, der schon völlig im Alkohol untergehen zu drohte. Die Schwester, die selbst einräumt «Haare auf den Zähnen» zu haben, wurde in diesem Fall energisch. Sie knöpfte sich den Betreuer des Alkoholkranken vor, damit er nicht weiter «versackte». Der Erfolg gab ihr Recht. Und deshalb «ist es immer noch sinnvoll, was ich hier machen». Denn der Kampf gegen die Sucht endet für viele Betroffene im Fiasko. Eine Liste mit 30 Namen, darunter auch von etlichen jungen Frauen, die seit 2004 verstorben sind, hängt an der Wand des Suneufers. Hinter jedem Namen ein Kreuz. «Ihre Organe waren kaputt vom Drogen- und Alkoholkonsum.» Es sind nur Namen jener Leute, die einmal hier gearbeitet haben. Und deren Schicksal überhaupt bekannt ist. Andere waren eines Tages einfach spurlos verschwunden. Und deshalb kämpft Schwester Sara Martina weiter. «Vielleicht noch vier Jahre möchte ich weitermachen können.» Und wenn es nicht mehr geht? «Wir reden jede Woche darüber.» Doch wer möchte diese Aufgabe übernehmen? Die Schwester schweigt einen Moment. Und meint dann mit festem Blick: «Die Vorsehung hat mich hierher geführt – sie wird auch weiter walten.»

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