Die Betriebsführung und Bewirtschaftung liegt seit 16 Jahren in den Händen von Christoph Kaser. Zurzeit hat der Önologe nicht viel Erfreuliches zu berichten. Das Unwetter vom 20. Juni hat nicht nur am Eidgenössischen Turnfest in Biel, sondern auch in den Rebbergen der Bürgergemeinde Solothurn grossen Schaden angerichtet (wir berichteten). «Ich bin total schockiert. Es ist alles viel schlimmer, als ich gedacht habe», sagt Kaser am letzten Tag der fünftägigen Haupternte, die normalerweise zwölf Tage dauert. Der Ausfall sei höher als die geschätzten 80 Prozent. Und was die Erntedauer betreffe, seien fünf Tage für die geringen Erträge sehr lang gewesen.

Die nur 10 statt wie üblich 16 polnischen Gastarbeiter hätten von morgens um acht Uhr bis zum Einnachten bei Hudelwetter gearbeitet. «Die Trauben waren sehr klein, und es brauchte viel Zeit, um sie zu ernten», berichtet Kaser. Und konkretisiert: «Es war eher ein Sammeln statt ein Ernten.» Am schlechten Ergebnis trage aber nicht nur das Unwetter Schuld. Auch die schlechte Blüte, die erst nach dem Hagel eingesetzt habe, hätte ihren Teil dazu beigetragen.

Ein Blick auf die Rebstöcke zeigt, dass das Fruchtholz durch die Hagelkörner stark beschädigt wurde. Erfreulich ist dagegen, dass die Wunden am Stock verheilt sind und dieser keine fundamentalen Schäden aufweist.

Doch Kaser macht sich nichts vor: «Wir müssen jetzt in einem 3-Jahres-Rhythmus denken und das nächste Jahr abwarten.» Wichtig sei, eine gute Basis zu schaffen, damit im übernächsten Jahr richtig geschnitten werden könne. Dass es auch im nächsten Jahr noch Ausfälle geben könnte, schliesst der Önologe nicht aus.

Und was lässt sich zur Qualität des Jahrgangs 2013 sagen? Kaser winkt ab: «Dazu möchte ich mich noch nicht äussern, zuerst wird nun vinifiziert und dann schauen wir.» Schliesslich wagt er doch eine Prognose: «Ich glaube es gibt einen aromatischen, spritzigen und eleganten Jahrgang.» Trotz eines absoluten Tiefpunktes im Berufsleben lässt er den Kopf nicht hängen: «Es gibt Dinge im Leben, die man nicht beeinflussen kann. Man muss sie einfach akzeptieren.» Und: «Es gibt keine Patentlösung für diese Situation.»

Neu «Cave de Soleure»

Wie aber sieht die Situation für Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger aus? «Es ist klar, dass sich die Missernte auf unser Budget auswirken wird, aber wir müssen in die Zukunft blicken», beruhigt auch der Bürgergemeindepräsident. Um den Nachschub vor allem für die Gastbetriebe sicherzustellen, müsse die Bürgergemeinde Trauben wie Traubenmost zukaufen und im eigenen Betrieb vinifizieren und abfüllen. Dieser Wein dürfe aber nicht unter dem Label «Domaine de Soleure» verkauft werden.

Diese Bezeichnung sei nur für Trauben aus dem eigenen Weingut zugelassen. Der mit fremden Trauben gekelterte Wein werde deshalb unter dem Label «Cave de Soleure» verkauft. Betroffen seien vor allem Halbliterflaschen, die vom Gastgewerbe bevorzugt würden. Eines steht aber bereits fest: Die Bürgergemeinde Solothurn wird im nächsten Jahr gewisse Produkte nicht oder nur limitiert im Sortiment haben.