Stadtgeschichte Solothurn

In den letzten 200 Jahren war manchmal auch Feuer im Dach

Gleich eine Doppelseite ist dem spektakulären Landhausbrand vom 5. April 1955 gewidmet. Das Landhaus war damals auch Feuerwehrmagazin.

Gleich eine Doppelseite ist dem spektakulären Landhausbrand vom 5. April 1955 gewidmet. Das Landhaus war damals auch Feuerwehrmagazin.

Das Jubiläumswerk «Stadtgeschichte Solothurn 19. und 20. Jahrhundert» zeigt, wie sich Solothurn in den letzten 200 Jahren entwickelt hat.

2. März 1798. Seit 11 Uhr sind französische Truppen in Solothurn einmarschiert. Für den Stadtstaat wird alles anders. «Hier beginnt die Geschichte des heutigen Solothurn», hatte Stadtpräsident Kurt Fluri mehrmals betont. Als Resultat zum 2000-Jahr-Jubiläum: Das reich illustrierte, 455-seitige Werk «Stadtgeschichte Solothurn 19. und 20. Jahrhundert» – ein Investment der Stadt für rund 450'000 Franken.

Das Projekt unter der Leitung der ehemaligen Zentralbibliothek-Direktorin Verena Bider und fachlich begleitet von Blumenstein-Konservator Erich Weber besticht durch eine straffe inhaltliche Führung, angefangen mit dem «Zeitstrahl», einer wertvollen Orientierungshilfe durch die zwei Jahrhunderte, kreiert von Oliver Ittensohn. Die weiteren sieben Kapitel eröffnet Ruedi Graf mit dem Thema «Gemeindeorganisation und Gemeindepolitik». Eine etwas trockene Materie, die jedoch aufzeigt, wie sich beispielsweise das Stadtterritorium im 19. Jahrhundert bildete oder sich die Bürgergemeinde als eigenständige Körperschaft herausschälte. Demselben Autor wurde auch das Thema «Stadtentwicklung, Umwelt und Sicherheit» anvertraut.

Umfassendes Bild der Modernisierung von Solothurn

Wer aber mit trockenem Geschichtsunterricht der alten Art rechnet, sieht sich bei der Lektüre positiv getäuscht. Dies nicht zuletzt auch dank der akribischen Suche nach passenden Illustrationen von Bildredaktor Martin Illi, der auch für Solothurn-Kenner manchen Primeur aus den Archiven gezaubert hat. Zielführend dazu die umfassenden Legenden, auch wenn nur ein Bild-Textli für die gesamte Ära des Nationalsozialismus in Solothurn doch etwas gar knapp bemessen scheint.

Zur Auflockerung tragen dramatische Beschriebe von ungewöhnlichen Situationen wie die Doppelseite zum Landhausbrand oder eine «Metzgete-ähnliche» Operation 1880 im Alten Spital bei. Lesenswert die zahlreich eingestreuten Kurzporträts und die aufschlussreichen Grafiken. Im einen oder andern Fall hätten Kurzinterviews mit noch lebenden Personen zusätzliches Infotainment bieten können.

In den einzelnen Kapiteln konnte wohl aufgrund der Platzzuteilung und Quellenlage unterschiedlich tief geschürft werden: Sehr eingehend das Kapitel «Wirtschaft und Finanzen» von Oliver Schneider, ebenso zwar fundiert, aber fast zu detailliert die Darstellung der «Konfessionen und Religionen» durch Pater Gregor Jäggi und Urban Fink. Fabian Saner hat sicher seine Hausaufgaben zu den Themen «Gesellschaft und Gesundheit» sowie Erziehung und Bildung» gemacht, wogegen der Solothurner Historiker Peter Keller mit dem von der Quellenlage her wohl anspruchsvollsten, aber auch attraktivsten Themenkreis «Kultur, Sport und Freizeit» etwas mehr «Auslauf» verdient hätte.

Doch wie Projektleiterin Verena Bider im Editorial schreibt: Das Werk «soll «Historikerinnen und Historiker dazu anregen, offene oder kontroverse Fragen festzustellen, aufzugreifen und zu erforschen.»

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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