Neben dem Angebot für jugendliche Theaterbegeisterte am Theater und Orchester Biel Solothurn Tobs, existiert auch ein Theaterclub für über 61-Jährige. Schauspielerin Barbara Grimm leitet diesen Kurs seit einigen Jahren erfolgreich. Pro Saison wird auch ein Stück erarbeitet, in dem die Theaterbegeisterten ihr Hobby vor Publikum präsentieren können.

Dieses Jahr hat sich die Laientruppe, der Janine Caviezel, Gabriele Corson, Cécile Eder, Margaritha Hofstetter, Rosemarie Lätt, Hanni Liechti, Margot Pfluger, Gertrud Ryser-Marti, Marianne Schoch, Peter Schütz, Heinz Stadler, Christine Stingelin, Peter und Sylvia Worni angehören, etwas ganz ausergewöhnliches einfallen lassen.

«In der Erarbeitung unserer Improvisationen sind wir dem Thema ‹Unsterblichkeit› näher gekommen und sind dabei einige historische Gestalten gestossen, die bis heute unsterblich geblieben sind. Ob real oder nur fiktiv existierend», erzählt Barbara Grimm. «Es ist uns aufgefallen, dass es wichtige Persönlichkeiten gibt, die heute fast vergessen sind, die dennoch aber Unvergleichliches geschaffen haben. Andere kennt bis heute fast jeder.»

Theater in den Gassen

Solchen Figuren wollte man mit Improvisationen, aber auch mit Szenen aus Theaterstücken der Weltliteratur nachspüren und sie wieder aufleben lassen. Das so erarbeitete Stück «Unsterblich – was sonst?» ist allerdings nicht einfach auf der Bühne zu sehen, sondern wird draussen, in den Gassen von Solothurn, aufgeführt. Die Schauspieler werden begleitet von einer Publikumstraube und auch immer wieder konfrontiert mit Passanten oder Beobachtern, mit Sonnenschein und ungeduldigen Velofahrern.

Gestartet wird im Foyer des Stadttheaters, wo sich die Figuren, alle mit bemerkenswerten Biografien erst einmal vorstellen. Da treffen sich die Dichter Astrid Lindgren, Johann Wolfgang von Goethe und Olga Brand; die Autorennfahrerin Clärenore Stinnes; die Champagnerproduzentin Madame Clicquot (Veuve Clicquot); die unkonventionelle Forschungsreisende Gertrude Bell und die Astronomin Caroline Herschel. Und es kommen die Fantasiefiguren Lysistrata von Aristophanes, Wilhelm Tell von Friedrich Schiller, das Gretchen aus Goethes «Faust» und Karoline aus «Kasimir und Karoline» von Ödön von Horvath zu Wort.

«Olga Brand» bei ihrer Vorstellung immer von «Astrid Lindgren» unterbrochen, doch das Publikum wird ein wenig mit den Figuren vertraut gemacht. Dann beginnt der Rundgang durch die Stadt. Begleitet wird die Gruppe von zwei in schwarzem Frack gewandeten «Butlers». Sie unterstützen und umsorgen Zuschauer und Schauspieler.

Es gibt einen Halt in der Löwengasse, ein Besuch in der Beletage in der Schaalgasse. In der Buchhandlung suchen die Figuren ihre eigenen Biografien, dann es geht zum Muttiturm und in die St. Urbangasse und anschliessend zum Rathaus. Die Persönlichkeiten philosophieren über ihr Leben, die Figur spielen Szenen aus ihren Stücken, und alle fragen sich, warum sie denn unsterblich sind. Ein Theaterexperiment, das Freude macht. Leider sind alle Vorführungen bereits ausverkauft.