Jubiläum

In 100 Jahren hat sich das Haus Hirschen ständig neu erfunden

Das schmale Haus Hirschen befindet sich nach der Eingangsecke zur Hauptgasse.

Das schmale Haus Hirschen befindet sich nach der Eingangsecke zur Hauptgasse.

Seit 100 Jahren gehört das Haus Hirschen in Solothurn zum Gemeinnützigen Frauenverein. Das Jubiläumsjahr wird nun gefeiert.

100 Jahre Haus Hirschen – eine Gelegenheit zum Feiern. «Viele Leute wissen nicht, wo sich das Haus Hirschen befindet und was es bedeutet», sagt die Präsidentin der Sektion Solothurn des Gemeinnützigen Frauenvereins SGF, Brigitte Marti. Mit einem grossen Haus-Fest für die Bevölkerung soll sich das ändern. Einerseits gedenkt der Verein der wechselvollen Geschichte einer Liegenschaft, die sie seit 100 Jahren besitzt, und anderseits der eigenen Vergangenheit.

Ein Haus mit einer langen Vergangenheit

Das Haus Hirschen blickt auf eine bewegte Zeit zurück. Ab dem Spätmittelalter wechselte das Gebäude, in dem sich während Jahrhunderten der Gasthof «Bären» befand und zu dem südlich des Georgsbrunnens (vgl. Bild) auch eine Scheune mit Stallungen gehörte, rund 30 Mal den Besitzer. Erstmals wird der markante, dreigeschossige Bau 1481 aktenkundig. Der Gasthof selbst gehört zu den ältesten Gasthäusern der Stadt Solothurn.

Der Kauf des Hauses durch den Gemeinnützigen Frauenverein Solothurn fiel in die Zeit, als die gemeinnützigen Frauenorganisationen und die Abstinenzbewegung gegen den damals verbreiteten Alkoholmissbrauch antraten und sich für die Schaffung von alkoholfreien Gaststätten einsetzten. Die für den Kauf notwendigen Mittel von 125 000 Franken kostete die elf Gründerfrauen - sie stammten durchwegs aus angesehenen Solothurner Familien –etliche schlaflose Nächte. Um die Schulden abzuzahlen und geeignetes Mobiliar kaufen zu können, musste der heute 625 Mitglieder zählende Verein in den ersten Jahren in den obersten Stockwerken fünf kleine Wohnungen vermieten.

Eine Anlaufstelle für viele Menschen

Bereits nach 34 Jahren präsentierte sich das Haus Hirschen wohlgepflegt vom Keller bis zum Dachboden mit zwölf Gästezimmern, einer gut eingerichteten Gemeindestube, in der unentgeltlich Vortragsabende stattfanden, sowie einer reich ausgestatteten Bibliothek. Dazu kam bald auch eine unentgeltliche Näh- und Strickstube. Bevor in Solothurn die erste Jugendherberge eröffnet wurde, logierten jahrelang auch junge Wanderer oder ältere, arbeitslose und obdachlose Wandergesellen in Feldbetten im grossen Saal.

1955 wurde der «Hirschen» erstmals gründlich renoviert. Damit verbunden war auch die Umgestaltung des gern besuchten alkoholfreien Restaurants im hinteren Teil des Hauses, wo heute das «Blumenland» eingemietet ist. 1977 wurde das Hotel geschlossen und fünf Jahre später auch das beliebte Restaurant, in dem man ohne Konsumationszwang einkehren konnte. Heute dient der sich in hervorragendem Zustand befindliche Bau als Wohn- und Geschäftshaus, in dem auch das Sekretariat sowie die Fundgrube des SGF Solothurn untergebracht sind. Die Säle werden für eigene Aktivitäten genutzt, können aber auch gemietet und für gesellschaftliche Anlässe, Kurse oder Sitzungen genutzt werden. Angeboten wird auch ein Mittagstisch für Schülerinnen und Schüler als Alternative zur Tagesschule.

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