Stadtbummel Solothurn
Immer im gleichen Tramp

Wolfgang Wagmann
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Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist – der Trampelpfad.

Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist – der Trampelpfad.

Andreas Kaufmann

Trampeltiere oder zweihöckrige Kamele gibts in Solothurn nur, wenn ein Zirkus auftaucht. Von den anderen reden wir hier nicht. Trampeltierisch sehr effizient sind allerdings die Schweine. Und davon wollen wir reden. Laut Statistik gibt es im ganzen Stadtbezirk nur ganze drei Schweine. Wir reden hier von den Sesshaften. Nicht von den «Interims-Säuli» zum Streicheln und um die Wette rennen. Die haben wir hinter uns. Nein, die drei permanenten, offenbar real existierenden Stadtschweine geben Anlass zum Rätselraten. Miezekatzen und Hunde, ja die werden gehalten in Solothurn. Aber Schweine? Nun, zwei mittlerweile recht bejahrte, mächtige Hängebauchschweine leben auf dem Areal der Gärtnerei Waibel an der Oberen Sternengasse. Ob sie zu den landwirtschaftlich statistisch erfassten Borstentieren gehören, ist zwar nicht restlos geklärt. Aber so hätten wir doch wenigstens zwei der drei Stadtsauen einwandfrei lokalisiert. Bleibt eine noch dritte. Wer weiss mehr?

Trampelpfade entstehen durchs Trampeln abseits der offiziellen Pfade. Einer der neueren ist beispielsweise der neben der Kunstmuseums-Baustelle. Entstanden aber nicht durch hirnlose Trampel, sondern durch kluge Menschen mit dem Urinstinkt des Eiszeitmenschen, den kürzesten Weg durch die Wildnis aufzuspüren. Diesen Urinstinkt versuchen zwar Planer und Gartenbauer mit vorgeschriebenen Teerwegen auszubremsen. Was aber nie gelingt, wenn diese nicht die kürzesten, direkten sind, die zum Ziel führen. So rechnen wir innert Kürze mit einem allerdings nur reaktivierten, weil einst vorhandenen und nun neu angesäten Trampelpfad über das ovale Rasenstück hinter dem neuen Berufsbildungs-Kubus in der Vorstadt. Ein erster Feldversuch hat stattgefunden. Oder unweit davon bei der Hafebar, wo die grosse Asphaltbucht im Kreuzackerpark dummerweise keine paar Bodenplatten in der kürzesten Distanz zum Grien-Platz der Bar erhalten hat. Einzig die schreckliche, hafebarlose Winterzeit kann das Entstehen des neuen Trampelpfads noch etwas hinauszögern.

Trampeln wir noch ein wenig in der Einsiedelei herum. Während sein Chef, Sergio Wyniger, in die wohlverdienten Herbstferien verreist ist, hat der neue Einsiedler, Michael Daum, seine Klause bezogen. So war es zumindest am Montag angekündigt. Trotz stundenlangem Ausharren bekamen ihn anwesende «Einsiedelrazzi» aber nicht zu Gesicht. Doch da ist er inzwischen. In der Verenaschlucht ist ohnehin die Zeit stehen geblieben. Die Uhr an der Martinskapelle steht nämlich stur auf Viertel nach acht – also still. Hoffen wir, dass der neue Einsiedler dennoch weiss, was es jeweils geschlagen hat. Die Zeit heilt ja bekanntlich Wunden. Also geben wir sie ihm.