Zwölf Junghähne im Alter von neun Monaten «hühnern» im noch unversehrten Parkrasen herum. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliches Geflügel: Das «Schweizerhuhn», 1905 von Alfred Weiss im thurgauischen Amriswil aus zwei Rassen gezüchtet, war ein typisches Zweinutzungshuhn – also für Eier und Fleisch gleichermassen da.

Nun, die Hähne im Museumspark sind eben keine Hühner und legen ergo auch keine Eier. Sie werden von einem Team vier Monate lang betreut, bis sie schlachtreif sind. Mit andren Worten: Die weissen Gesellen sind Bestandteil des Kunstprojekts «erntema(h)l, welches der Kunstverein Solothurn zusammen mit dem Künstler Max Bottini ausgeheckt hat. Westlich des Hühnerstalls wurden bereits Gemüsebeete angelegt, die am 20. und 21. Mai angepflanzt werden.

Mit dem Projekt soll «während jeder Phase des gemeinsam gepflegten Gartens» ein Einblick in die Nahrungsmittelkette vermittelt werden. Das dort produzierte Gemüse wird dann am 10. September «zusammen mit weiteren Produkten» in einer gemeinsamen Aktion vor dem Kunstmuseum verarbeitet. Unschwer zu erraten, was sich unter «weiteren Produkten» verbirgt: das Dutzend «Schweizerhühner», pardon -hähne, die seit 1991 von ProSpecieRara mit den wenigen noch verbliebenen Zuchtlinien vor dem Aussterben bewahrt werden konnten.

«Bitte nicht füttern!»

Die zwölf Hähnchen werden laut einer Hinweistafel mit allem versorgt, was sie brauchen. Deshalb werden «Zaungäste» auch eindeutig aufgefordert: «Wir bitten Sie, die Tiere nicht zu füttern!» Futtern würden aber gerne Marder und Fuchs die «Schweizerhühner», den beide Räuber sind längstens auf dem Stadtareal anzutreffen. Vor solchen möglichen Attacken soll das Hühnervolk ein Elektrozaun rund um das Gehege schützen.

Das Projekt «erntema(h)l» versteht sich als temporäre Produktionsgemeinschaft, bestehend aus zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern. Abwechselnd sollen sie den Gemeinschaftsgarten und die Hähnchenzucht betreuen und so «als Symbol eine Gemüse und Fleischproduktion betreuen». Immer noch sucht das Projektteam offenbar Leute, die freiwillig an den Vor- und Nachbereitungsarbeiten zum «erntema(h)l»-Fest vom 7. bis 12. September mitwirken. Melden kann man sich im Kunstmuseum oder unter www.erntemahl.ch