Solothurn
Im Palais ist «à la carte» vom Tisch

Per Anfang März hat die Betreiberin H4-Hotels den regulären Restaurantbetrieb eingestellt. Damit geht das Kapitel Palais Besenval zu Ende.

Andreas Kaufmann
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Luxuriös, aber kaum niederschwellig: So wird das Ende des A-la-carte-Geschäfts im Besenval begründet.Hanspeter Bärtschi

Luxuriös, aber kaum niederschwellig: So wird das Ende des A-la-carte-Geschäfts im Besenval begründet.Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

«Schweren Herzens» habe man sich dazu entschlossen, das A-la-carte-Restaurant zu schliessen. Dieser Aushang informiert Passanten vor dem Palais Besenval über die neue Situation, die seit dem 1. März im Gastbetrieb gilt. «Der strategische Entscheid wurde relativ kurzfristig getroffen», sagt dazu auf Anfrage Sven Holnaicher. Er ist General Manager des H4-Hotels Solothurn, dem das Palais Besenval als Teil der Seminarmeile angeschlossen ist. Und begründet die Schliessung folgendermassen: «Leider hat das A-la-carte-Geschäft in keiner Weise unseren Vorstellungen entsprochen.» Die Bewertungen für das «Besenval» seien zuletzt sehr positiv gewesen. Ausserdem seien zwar Gäste gekommen, «aber nicht ausreichend viele, um den Betrieb wirtschaftlich führen zu können.»

Deshalb sei man zum Schluss gekommen, dass es sich nicht weiter lohnt. Dies gilt auch für den Ausschank auf der Terrasse. «Natürlich gibt es in Solothurn viele und vor allem viele gute Restaurants. Dieser Kuchen wird entsprechend unter vielen Mitstreitern aufgeteilt», so Holnaicher. «Und so gehen die Leute generell eher in die Lokale, die einen gemütlicheren Eindruck machen.» Eine Zutrittsschwelle ergebe sich beim Besenval nämlich durch die mächtige Fassade. «Von aussen wirkt das Gebäude luxuriös und prunkvoll. Hier erwartet man als Gast eher ein Galadinner», weiss Holnaicher weiter, und bestätigt damit, dass das Bauliche wesentlich zum ungenügenden Geschäftsgang im A-la-carte-Bereich beitrage.

Wichtig für die Stadt

«Stattdessen konzentrieren wir uns nun umso mehr auf das Kerngeschäft», sagt Holnaicher und meint Meetings und Events. Ebenso liege der Fokus auf dem Catering im Landhaus, welches das H4 Hotel Solothurn im Auftrag der Stadt wahrnimmt. «Das ist wichtig für uns», kommentiert dazu Stadtschreiber Hansjörg Boll. So fand am Montag ein Treffen zwischen der Leitung des H4 Hotels Solothurn und der Stadt statt. «Nun sind wir froh, dass die Verpflegung im Landhaus weiterhin sichergestellt ist», sagt Boll. Zwar wird seitens der Stadt bedauert, dass das Restaurant geschlossen wird: «Gleichzeitig haben wir aber auch Verständnis für die wirtschaftliche Situation.»

Betrieb hat sich gemausert

Lange Zeit herrschte bei der Stadt, aber auch bei vielen Gästen Unmut angesichts der Zustände im Palais Besenval. Vor rund zwei Jahren machten Reklamationen um den Restaurationsbetrieb die Runde. Publik wurde unter anderem ein misslungener Fasnachtsanlass für die Narrenzunft Honolulu, der im Januar 2017 zu Aufruhr führte und sogar Stadtpräsident Kurt Fluri dazu veranlasste, öffentlich die mangelnde Qualität bei Küche und Service des Betriebs anzuprangern.

Und: «Wir waren aus Optik der Bewirtung im Landhaus auch in der ersten Hälfte des Jahres 2018 noch unzufrieden mit der Leistung der Crew des Palais Besenvals», erinnert sich Stadtschreiber Boll. Dies betraf sowohl die Küche als auch die Betreuung der Konsumationsanfragen. Nach einer Sitzung im vergangenen Sommer sei der Geschäftsführer von H4 ausgewechselt worden, weiss Boll. «Danach besserten die Zustände innert kürzester Zeit und seit dem Sommer 2018 läuft die Verpflegung im Landhaus problemlos.» Dies habe man seitens der Stadt an eigenen Anlässen wie dem Pensionierten-Treff, dem Städtetag oder der Altersehrung feststellen können – anderseits anhand der Feedbacks der Kundschaft. Auch Einträge auf der Bewertungsplattform Tripadvisor bestätigen diesen Eindruck.

Ideen für die Zukunft

Nichtsdestotrotz konnte das Ende der A-la-carte-Bewirtung nicht abgewendet werden. «Wir werden uns neben dem Landhaus-Catering hauptsächlich auf unsere Tagungen und Hochzeiten konzentrieren», sagt Holnaicher weiter. Man könne sich aber inskünftig auch Spezialformate vorstellen: «Im Sommer liesse sich der wunderschöne Barockgarten für kleinere Anlässe nutzen – als bayrischer Biergarten oder für Barbecue-Abende.» Anlässen im Partyformat wie der nun auslaufende Salsa-Reihe könne man aber künftig keine Plattform mehr bieten, nicht zuletzt auch aus Rücksicht auf die Anwohnerschaft, wie Holnaicher andeutet.

Personell gehe diese Kursänderung im Palais Besenval mit keinem Aderlass einher, versichert der General Manager weiter. «Mir persönlich war es wichtig, dass wir keine Entlassungen aussprechen müssen», sagt Holnaicher. Der im Besenval wegfallende Teil des Personals werde im H4 Hotel weiterbeschäftigt. Zudem: «Das Küchenteam bleibt weiterhin im Palais bestehen.» Weiter offen bleiben soll das Besenval im Übrigen für Führungen der Stadt oder auch für private Personen.

Da der Aushang das Ende des A-la-carte-Betriebs lediglich «bis auf Weiteres» verkündet, stellt sich die Frage, ob längerfristig wieder eine Restauration in diese Richtung in Betracht gezogen wird: «Sag niemals nie», findet Holnaicher. «Wenn die Nachfrage wieder steigen sollte, werden wir uns wieder damit befassen.»