Seit Mittwoch sind sie die grossen Stars im Naturmuseum: Meister Isegrim, Meister Petz und Meister Lynx, besser bekannt als Wolf, Bär und Luchs. Zu ihnen gesellt sich in der laufenden Sonderausstellung der im Norden heimische Vielfrass, ein Marderartiger, der ebenfalls zu den Grossraubtieren zählt.

Obwohl die Bezeichnung «Raubtier« nicht ganz passt, wie Museumspädagogin Joya Müller erläutert: «Einen Raub begeht man erst, wenn man stiehlt, was jemandem gehört.» Und die klassischen Beutetiere vom Feldhasen über die Gämse bis zum Reh und Rothirschen gehören nicht dazu. «Man bezeichnet Wolf, Bär, Luchs und Vielfrasse stattdessen auch als grosse Beutegreifer», so Müller.

Doch hinter der Präzisierung steckt mehr als nur Wortklauberei. Denn die Ausstellung widmet sich unter dem Namen «Mit Grossraubtieren leben» gezielt dem Verhältnis zwischen Mensch und Tier und den Chancen und Herausforderungen, die mit ihrer Rückkehr in die Nähe der menschlichen Zivilisation verbunden sind.

Denn unumstritten sind zumindest zwei von ihnen nicht: der Bär, der seit 2005 auch immer wieder in die Schweizer Alpenregion einwandert; und der Wolf, der sich seit 1995 allmählich wieder in der Schweiz ansiedelt. Derzeit sind drei Rudel aktenkundig: in Graubünden, im Tessin und im Wallis.

Weitaus weniger zum Politikum geworden ist der Luchs, den man nach seiner landesweiten Ausrottung Ende des 19. Jahrhunderts in den 1970ern wieder gezielt aussetzte. Dies erfolgreich: Rund 160 erwachsene dieser scheuen Katzen zählt man heute schweizweit, davon allein rund 60 im Schweizer Jura.

Gibts ein Miteinander?

Die Ausstellung widmet sich somit einerseits der Geschichte der Ausrottung und der Wiederansiedlung der Raubtiere. Sie geht aber auch vertieft auf die Frage ein, wie Bär, Wolf, Luchs und Mensch heute und in Zukunft nebeneinander koexistieren können. So stellt sich die Frage nach dem Herdenschutz, die ganz klassisch mit Schutzhunden beantwortet wird, oder aber mit technischen Hilfsmitteln wie Elektrozäunen, ferner Licht- oder Akkustiksignalen, die beispielsweise Wölfe von Nutztieren fernhalten sollen; oder bärensichere Container, wie sie in Graubünden bereits im Einsatz sind. Zentral wird auch die Frage nach der Vernetzung der Lebensräume behandelt, beispielsweise durch Wildübergänge oder Naturparks.

«Aber gerade der Wolf ist sehr anpassungsfähig», sagt Müller. Die Frage, ob sich der Mensch auch an seine Anwesenheit anpassen kann, überlässt die Ausstellung dem Besucher selbst zur Beurteilung.

In der Ausstellung, die bis 7. Oktober läuft, führen Infotafeln und Präparate der Jäger und Beutetiere den Besucher ans Thema heran. Interaktive Elemente wie ein Peilsender gewähren Einblicke in die Methodik der Wildtierforschung. Ausserdem erhalten neugierige Naturgänger hier die Schlüssel für eine Spurensuche in die Hand. Konzipiert wurden die Ausstellungsinhalte von der Large Carnivore Initiative for Europe, dann angepasst von «Kora», der Schweizer Forschungsinstitution für Raubtiere.