Gütig lächeln die Mitglieder der Familien Greder von Wartenfels und Stäffis-Mollondin, auf kunstvollen Gemälden verewigt, auf die Besucher herab, die in ihrem damaligen Landsitz ein- und ausgehen. Längst sind die Zeiten vorbei, als sie am Abend bei Kerzenlicht an Spieltischen sassen und ihr Geld verzockten. Von diesem Hobby übrig geblieben ist eine schöne kleine Spielkartensammlung, die im Archiv des Museums Blumenstein sorgfältig gehütet wird.

Die Sammlung rückte im Jahr 2011 wieder ins Zentrum, als sich der Hafen-Inspektor Yves Reynond aus Marseille, ein grosser Fan und Kenner alter Tarockkarten, an Konservator Erich Weber wandte und ihn darauf aufmerksam machte, dass es sich bei den Karten um das älteste bekannte und komplett erhaltene Tarock handelt.

In Solothurn war Tarock in

«Nachdem der Kontrolleur der grossen Ozeanschiffe in Solothurn zu Besuch war, um sich die Sammlung anzuschauen, war für mich sofort klar, dass ich mit diesen Karten etwas anfangen wollte», erzählte Erich Weber den zahlreich erschienenen Gästen an der Eröffnung der Ausstellung «Tarock im Barock». Dies umso mehr, als sich Reynond bereit erklärt hatte, von den Karten 25 Faksimiles herzustellen. Rasch erkannte Weber damals aber, dass die Karten allein nicht genügten, um eine spannende Ausstellung zu gestalten.

Im Rahmen eines Zivildiensteinsatzes im Blumenstein begab sich der Historiker Andreas Affolter ins Staatsarchiv, um mehr über das Kartenspiel in Solothurn zu erfahren. Dabei stellte sich heraus, dass in Solothurn im 18. Jahrhundert regelmässig Tarock gespielt wurde und der Biberister Bürger Franz Joseph Heri an der Schaalgasse 17 eine eigene Kartenproduktion betrieben hatte.

Originale dieser Karten sind im schweizerischen Nationalmuseum und während der bis zum 3. April 2016 dauernden Ausstellung nun in Solothurn zu sehen. Mehr zur Spielkartenfabrikation in Solothurn wird Andreas Affolter in einem Vortrag am 12. Januar erzählen.

Das in den Quellen erwähnte Tarock, das im Schloss Blumenstein gespielt wurde, heisst Troggen . «Nach welchen Regeln damals gespielt wurde, ist im Detail leider nicht mehr ausfindig zu machen», bedauerte Weber an der Vernissage. Da jedoch im Oberwallis und in der Surselva noch heute Tarock gespielt werde, sei es möglich gewesen, den Spielregeln auf die Spur zu kommen und ein eigenes Game mit Blumensteinbezug zu produzieren.

Interaktive Ausstellungsform

Die Idee, in der Ausstellung nicht nur die Solothurner Spielkarten zu zeigen, sondern die Besucher selbst aktiv einzubeziehen, hat im Ausstellungs-Team Begeisterung ausgelöst. An Spielabenden im Kerzenlicht werden die Gäste in die Welt des Tarock eingeführt. Statt Geldeinsätzen hat das Museum eigene Jetons aus Bein und Perlmutt sowie elf mit echtem Wollfilz bezogene Spieltische aus Nussbaumholz herstellen lassen. An den Ecken dieser Tische stehen vier Kerzenleuchter. «Damit können wir in den barocken Räumen wie unsere Vorfahren vor 300 Jahren spielen und einen unvergesslichen Abend geniessen», so Weber.

Das browserbasierte Game, von Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt, kann online unter www.troggen.ch eingeübt werden. Auf dem Programm stehen auch ein Bridge-Abend, ein Barock-Essen und ein moderiertes Konzert unter dem Patronat des Fördervereins des Museums Blumenstein.