Solothurn
Im Museum Blumenstein dreht sich zurzeit alles um das Thema Macht

Eine neue Ausstellung im Museum Blumenstein widmet sich ganz dem Thema Macht. Für das Museums-Team und vor allem auch für Konservator Erich Weber eine grosse Herausforderung, denn das Thema Macht darzustellen ist schwer.

Andreas Kaufmann
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Wie erklimmt man die Leiter der Macht und was führt dazu, dass man wieder herunterfällt? Diese und andere Fragen thematisieren Erich Weber und sein Team in der neuen Ausstellung «Macht».

Wie erklimmt man die Leiter der Macht und was führt dazu, dass man wieder herunterfällt? Diese und andere Fragen thematisieren Erich Weber und sein Team in der neuen Ausstellung «Macht».

Andreas Kaufmann

Abstrakter kann die Aufgabenstellung kaum sein: «Wie gestaltet man eine Ausstellung zum Thema Macht?» Vor dieser nicht einfachen Mission standen Konservator Erich Weber und sein Team vom Museum Blumenstein. Doch die politikgeschichtliche Präsentation wurde an die Hand genommen, nahm Form an und wird ab 10. Juni auch dem interessierten Publikum zugänglich.

Bereits der als Abstimmungsbüchlein gestaltete Prospekt stimmt die Besucher witzig aufs Thema ein: «Ja zur Macht-Ausstellung» prangt in grossen Lettern und erinnert in seiner Bildsprache an ein Abstimmungsplakat.

Doch es geht in der Blumenstein-Ausstellung, die bis August 2015 dauern wird, um weitaus mehr als nur die Demokratie als moderne Ausdrucksform von Macht. «Wir wollen aufzeigen, dass wir uns die heutige Demokratie auch verdienen mussten», erklärt Weber.

So wie man heute via Medien über die handfesten Auseinandersetzungen um die Macht rund um den Globus erfahre, haben diese Kämpfe früher auch hier stattgefunden. Und so zieht sich der Zeitstrahl vom absolutistischen Ancien Régime über die kurze und heftige Ära der Helvetischen Republik, auf die die Restauration folgte, bis hin zur demokratischen Gegenwart.

«Das Thema spürbar machen»

Doch aus der Aufgabenstellung ist keine staubtrockene Angelegenheit geworden, der vielleicht dröge Schulstundenerinnerungen hervorbrechen lässt. Im Gegenteil: «Wir haben versucht, in Form von Installationen zu arbeiten und das Thema Macht so spürbar zu machen», verrät Weber bereits jetzt.

Es gehe im Grund vor allem um Denkanstösse, gepaart mit Einzelbeispielen, wie Macht erworben, dargestellt, anerkannt, ausgeübt, ausgeweitet, gefestigt, durchgesetzt, kontrolliert, geteilt, aber auch missbraucht wird, und dann vielleicht einfach verloren geht. Wo begann früher die Selbstbestimmung und wo heute, lautet die Frage.

Als grafischer Aufhänger der Ausstellung dient eine Darstellung des Karikaturisten Martin Disteli (1802-1844): Zu sehen ist ein stattlicher Hüne vom Land, der einen städtischen Patrizier derart ungestüm durch die Luft wirbelt, dass dieser seine vornehme Perücke verliert.

Die Karikatur entstand auf dem historischen Hintergrund des Solothurner Schanzenabbruchs um 1830. «Der Abbruch erfolgte ja nicht aus Gründen der Stadtentwicklung und -modernisierung, die damals noch kein Thema war», erklärt Weber.

Vielmehr war es ein «Hoselupf», durch den der liberale, ländliche Geist vom Land das Patriziat der befestigten Stadt überwand. Es sind auch noch weitere symbolische Schauplätze der Macht, die die Ausstellung kennzeichnen. Beispielsweise der mit rot-grün-gelben Bändern geschmückte Freiheitsbaum der Helvetik.

Oder das städtische Mandat, das den Jugendlichen schon 1756 das Verweilen auf der St.-Ursen-Treppe untersagte. Und nicht zuletzt der Dankespokal, den der Schultheiss Franz Victor Buch 1763 erhielt, da er seinen Widersacher Peter Viktor Besenval mit einem raffinierten wie unfairen Schachzug aus dem Grossrats-Amt bugsierte: Er hatte ihm in Abwesenheit einen Ehrenrats-Sessel aufstellen lassen und damit bewusst einen Aufruhr gegen Besenval ausgelöst.

Spitzbübigkeiten und ein wenig Provokation gehören zur «Macht»-Ausstellung dazu. Auch bei den kleinen symbolischen Denkanregern wie dem Richtschwert, der konfiszierten Indoor-Hanflampe, der kantonalen CD für die Steuererklärung oder dem Pflasterstein als Zeichen des Widerstands gegen die Staatsgewalt.

Interaktiv und spielerisch

Doch es sind nicht nur Symbolismen, mit denen die Ausstellung ihre Trümpfe ausspielt. Die Macht wird auch in interaktiver und spielerischer Form thematisiert - sodass die Ausstellung selbst neue Fragen generiert: Wie zufällig oder selbstbestimmt fällt einem die Macht in den Schoss? Durch welche mehr oder weniger legitime Mittel hält man an ihr fest?

Und: Warum verwendet der Staatsschreiber für seine Korrespondenz noch heute den Stempel mit dem Emblem des Ancien Régime? Aber auch das digitale Heute und Morgen werden unter dem Gesichtspunkt der Macht in den Fokus gerückt: Wo bewahrheitet sich - gerade wenn es um persönliche Daten geht - das Sprichwort «Wissen ist Macht»? Oder der Blick in die Zukunft der Macht: Wie sieht der Urnengang dank E-Voting künftig aus?

Vernissage Di, 10. Juni, 19.30 Uhr. Ein Rahmenprogramm an Vorträgen zum Thema (November, Januar und März) ergänzt die Ausstellung. Weitere Infos unter: www.museumblumenstein.ch

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