Kulturgüterschutzraum
Im Kunstmuseum werden die Werke nun «wie in einem Parkhaus» eingelagert

In den Katakomben unter dem Kunstmuseum Solothurn wird immer noch auf Hochtouren eingeräumt. Dabei wird jeder Kunstgattung einen eigenen Raum zugeteilt. Rund 6000 Objekte werden eingelagert.

Katharina Arni-Howald
Merken
Drucken
Teilen
Kulturgüterschutzraum unter dem Kunstmuseum Solothurn
14 Bilder
Kunstmuseum. Kulturgüterschutzraum:

Kulturgüterschutzraum unter dem Kunstmuseum Solothurn

Hanspeter Bärtschi

Acht Monate sind vergangen, seit der neue Kulturgüterschutzraum nach zwei Jahren Bauzeit dem Kunstmuseum Solothurn offiziell übergeben wurde. Wer das Privileg hat, nach dem Tag der offenen Tür noch in die Katakombe hinuntersteigen zu dürfen, trifft auf eine Situation, die jeder kennt, der sich einmal mit dem Umzug in eine neue Wohnung auseinandersetzen musste.

Emsiges Arbeiten unter Tage

Ungeachtet der Umtriebigkeit von Handwerkern und noch mehrheitlich leeren Aufbewahrungsvorrichtungen steht Museumskonservator Christoph Vögele da und freut sich: «Wir liegen voll im Zeitplan und hoffen, dass wir im nächsten Jahr mit den Arbeiten fertig sein werden.» Vor allem die metallenen, ausziehbaren Aufbewahrungsvorrichtungen, die Bilderrechen, die den meisten Platz in den langen Korridoren einnehmen, haben es ihm angetan.

Mit Recht: Im Gegensatz zu den alten, umständlichen Aufbewahrungsvorrichtungen können die wertvollen Gemälde in Zukunft einfacher und übersichtlicher bewirtschaftet werden, was die Arbeit massiv erleichtert. Jedes Bild, das neu in die Sammlung kommt, wird geprüft, registriert und wenn nötig restauriert. Danach bekommt das Bild eine Nummer und einen festen Platz zugewiesen. «Wie in einem Parkhaus», sagt Vögele und lächelt.

Dank den neuen Platzverhältnissen ist es zur Freude des Konservators auch möglich geworden, jeder Kunstgattung einen eigenen Raum zuzuweisen. Noch sind die meisten Räume leer, aber das wird sich bald ändern: Unterirdisch wird zurzeit hart gearbeitet. «Erst die Praxis zeigt, ob die Planung und das Konzept halten, was wir uns davon versprochen haben», ergänzt Museumstechniker Til Frentzel Vögeles Ausführungen: «Die Vorbereitungszeit hat sich gelohnt. Alles, was wir an die Hand nehmen, funktioniert.»

Am Ende werden rund 6000 Objekte durch die flinken Hände des Teams gegangen sein. Nebst den üblichen Arbeiten wird oft vergessen, dass die Kunstsammlung, die zu den schönsten der Schweiz gehört, auch neu fotografiert werden muss. «Die alten Fotografien sind nicht mehr brauchbar, da sich die Technik auch in dieser Beziehung verändert hat», so Frentzel. Es wird damit gerechnet, dass es noch ein Jahr dauert, bis auch diese Arbeit abgeschlossen ist. Wenn es nach dem Willen der Museumsleitung und dem Stadtbauamt geht, werden 2019 auch die während der Bauzeit im Gebäudeinnern entstandenen Risse ausgebessert sein.

So sah es im alten Depot des Kunstmuseums aus:

Es gibt kaum Platz für neue Werke im Depot des Solothurner Kunstmuseums.
7 Bilder
Es gibt kaum Platz für neue Werke im Depot
Zwar betreibt das Kunstmuseum mehrere Aussenlager. Doch weder von der Sicherheit noch von den Bedingungen genügen diese.
Im Depot schwanken die Temperaturen je nach Jahreszeit zwischen 5 und 25 Grad

Es gibt kaum Platz für neue Werke im Depot des Solothurner Kunstmuseums.

Lucien Fluri

Lohnenswertes Projekt

Vögele ist überzeugt, dass sich der Bau eines neuen Schutzraums, der sich über die ganze Länge des Museumsbaus hinzieht und die Bilder, Skulpturen und grafischen Objekte vor Brand, Leitungsbrüchen, Naturgefahren, Diebstahl, Abnutzung, Feuchtigkeit, Temperaturschwankungen und Sonnenlicht schützt, gelohnt hat. Zum einen müssen laut Vögele auch die kommenden Generationen die Möglichkeit haben, für ihre Kunstsammlungen genügend Platz zu haben und diese sachgerecht lagern zu können. Zudem sei es leichter, die Sammlung zu erweitern, wenn Schenker oder Leihgeber überzeugt seien, dass man ihren Objekten «gut schaut».

Das Budget für Neuanschaffungen sei beschränkt, weiss der Konservator. «Wohl hat die Stadt den Auftrag, gut zu den Sammlungen zu schauen, aber den Erwerb von teuren Bildern können wir uns nach wie vor nicht leisten.» Erfreulich sei dagegen, dass man nun dank neuer Logistik neu eingehende Sammlungen rascher ausstellen kann, «damit sich die Besucher darüber freuen können.»

Wie in Zukunft bei neuen Ausstellungen vorgegangen wird, lassen ein paar an Bilderrechen aufgehängte Gemälde mit Trachten als Bildmotiv erahnen. Sie stammen aus der eigenen Sammlung und künden die nächste Ausstellung unter dem Titel «Die Pracht der Tracht» an, die vom 2. September 2017 bis zum 7. Januar 2018 dauern wird. «Dank der neuen Registratur und der durchdachten Aufbewahrung wissen wir rasch, welche Bilder bei uns in der Sammlung vorhanden sind», freut sich Vögele. Die bisherigen Suchaktionen entfallen, und die Ausstellung kann innert kurzer Zeit an einer Wand simuliert werden.