«Wir sind ein Unternehmen geworden», analysiert Peter-Lukas Meier im Vorfeld des 14. Kunst-Supermarkts. Und so lockt der schon zur Tradition gewordene Anlass auch heuer wieder mit 6000 Unikaten in vier Preiskategorien von rund 80 Kunstschaffenden aus 15 Nationen.

Wiederum lässt die Veranstaltung zwischen morgen Freitag, 8. November, und dem 5. Januar Kunsterleben und «Shopping»-Ambiente verschmelzen. 18 Leute wirken hinter den Kulissen und Tresen des Kunst-Supermarkts mit, davon 14 Verkaufspersonen im Stundenlohn sowie Mitarbeiter aus Peter-Lukas Meiers Rothus-Verlag.

Doch der Erfolg dieses «Unternehmens» in der Rothus-Halle ist kein Selbstläufer, lässt der Ausstellungsmacher durchblicken. «Es ist wichtig, die Ausstellung attraktiv zu halten, was in dieser Grössenordnung nicht einfacher geworden ist. Und ohne Werbung geht auch im 14. Jahr nichts.» So habe man fokussiert im Aargau und in Bern auf den Anlass aufmerksam gemacht: «Gerade für Kundschaft aus diesen Regionen ist Solothurn gut erreichbar.» Zudem versucht er aber auch, an die potenziellen Besucher aus der Region heranzukommen.

30 neue Künstler im Boot

Gleichzeitig werben die Werke für sich selbst: «Ich will die Vielfalt und Bereicherung», betont Meier. «Es gibt mehr gute Künstler als vorhandene Galerieplätze.» Dies erlaube es, für den Kunst-Supermarkt auch Trouvaillen rauszupicken, die aus dem Rahmen fallen. Der Blick in die vorbereitete Rothus-Halle zeigt: Weder an Vielfalt noch an Neuheiten – 30 neue Künstler wirken mit – mangelt es in den Verkaufsregalen und an den Ausstellungswänden: Hier findet sich Dekoratives und Tiefgründiges, U-Kunst und E-Kunst, Gegenständliches und Abstraktes, Geschenkideen fürs Kinder- und fürs Wohnzimmer, Geometrisches und Ungezähmtes und Analoges bis Digitales.

Aus der engeren Region zieren allerdings kaum Werke die Wände des Kunst-Supermarkts. Meier vermutet: «Die Veranstaltung ist im lokalen, engeren Künstlerkreis nicht akzeptiert. Als lokaler Künstler will man offenbar nicht in den ‹Topf Kunstsupermarkt› geworfen werden.»

Kein Bild älter als fünf Jahre

Neben dem laufenden Verkaufsbetrieb finden auch heuer die Künstler-Ateliers statt. An 15 Veranstaltungen zwischen Ende November und Ende Dezember bietet sich die Chance, den Künstlern selbst über die Schulter zu schauen, sowie die Möglichkeit zur Begegnung oder zur Fachsimpelei. Darüber hinaus sind als kleine «Ausstellung in der Ausstellung» auch Einzelstücke von Künstlern zu sehen, die sich in früheren Jahren am Kunst-Supermarkt beteiligten.

Trotzdem: Dem Grundsatz «Kein Bild älter als fünf Jahre» ist man treu geblieben. Und dies ist nach Peter-Lukas Meiers Einschätzung auch ein Grund, weshalb mehrere Versuche gescheitert seien, den Kunst-Supermarkt anderswo in der Schweiz zu kopieren. «Wir bleiben streng und erachten es als wichtig, dass der Künstler keine alte Ware bringt.» Es gebe auch Anfragen von Angehörigen verstorbener Künstler, die Werke aus dem Anlass anbieten, die man aber ablehnen müsse. Darüber hinaus sei die Organisation wohl zeitaufwendiger, als man sich das vielleicht andernorts vorgestellt habe.

Keine Konkurrenzveranstaltung

Zeitliche Engpässe macht auch Roland Wittwer geltend, der letztjährige Veranstalter von «Kunst findet Stadt». Die Konkurrenzveranstaltung mit vielen regionalen Künstlern hatte nur einen Steinwurf von der Rothus-Halle entfernt im Restaurant Volkshaus stattgefunden.

Wie Wittwer auf Anfrage bekannt gibt, hätten die Räumlichkeiten und die zeitlichen Kapazitäten für eine diesjährige Durchführung gefehlt. Zudem hatte er kurz nach der Premiere im vergangenen Dezember resümiert, dass der Anlass eine «Nullrunde» gewesen sei und sich die geografische Nähe zum Kunst-Supermarkt hinsichtlich Umsatz nicht ausbezahlt habe.

Vernissage: Heute Donnerstag, 7. November, um 18 Uhr in der Rothus-Halle.