Wo früher Kapuziner bedürftige Menschen mit einer warmen Suppe verpflegten, herrscht an diesem letzten Samstag im Oktober Hochbetrieb. Die Pforte steht weit offen und in den verwinkelten Gängen des Kapuzinerklosters trifft man auf lauter gut gelaunte Menschen. Nicht ein wärmender Teller Suppe, und auch nicht der Duft einer währschaften Röschti allein hat sie ins ehemalige Kloster gelockt. Sie sind da, um Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, Gutes zu tun.

Nach bewährter Solothurnerart sitzen an diesem Morgen Prominenz und «gewöhnliches» Volk an einem Tisch. In der Küche sorgen zum elften Mal schwitzende Männer und Frauen dafür, dass nichts anbrennt und die Nationalspeise schön golden auf den Teller kommt. Das langjährige Servierpersonal, das flink mit Tellern jongliert und die dampfenden Köstlichkeiten im Refektorium und in anderen Räumlichkeiten zu den Tischen bringt, besteht traditionsgemäss aus Politikern und anderen Stadtpersönlichkeiten. Auch sie haben das Ziel, Bedürftigen zu helfen. Mittlerweile wissen es alle: Ein Teller Röschti für 28 Franken finanziert vier Mahlzeiten in der Gassenküche, egal, ob mit oder ohne Spiegelei, Raclettekäse oder gebratenem Speck.

Oldtimer und Newcomer

«Sechsmal Jubiläum», ruft jemand in die Küche, was heisst, dass zusätzlich eine Birnenhälfte mit Preiselbeeren den Teller zieren wird. «Man sagt, ich sei ein Oldtimer.» Regierungsrätin Brigit Wyss lacht. Man merkt, sie hat es im Griff. Ganz im Gegensatz zu FDP-Mann Urs Unterlerchner. Dieser gesteht: «Bisher habe ich mich immer gedrückt, weil ich lieber sitze, als serviere.» Trotzdem habe er sich entschieden, beim Jubiläumsanlass mitzuhelfen, nicht zuletzt auch wegen des Hirntrainings.

«Bis zu sechs Bestellungen kann ich im Kopf behalten, was darüber hinaus geht, muss ich aufschreiben.» Ein «Oldtimer» ist auch Philipp Hadorn. «Ein guter Anlass», meint der SP-Nationalrat und schätzt es, dass der Anlass im Kapuzinerkloster mit christlichem Hintergrund stattfindet. In der Kaffeestube stehen zwei Frauen an einem Stehtisch. Es ist ihr erstes «Röschti-Ässe» und es wird nicht ihr Letztes sein. «Man soll die Armen unterstützen und nicht immer nur an die denken, denen es gut geht», sagt die eine. ‹Ihre Begleiterin kennt sich aus: «Ich bin selbst in eine Situation geraten, aus der herauszukommen sehr schwierig war.»