Stadt Solothurn

Im Jugendmusical «Jana» gibts Herzschmerz und Schuldenberge

Eine Visite in der Probenwoche verschafft Einblick in das Jugendmusical der refomierten Kirchgemeinde Solothurn. Das Stück «Jana» behandelt das Thema Sucht und Schuld - Zuschauer sollen die Moral der Geschichte individuell entdecken können.

Jana hat ihre Drogenprobleme hinter sich, schon schleicht sich eine neue Sucht mitsamt Symptomen in ihr Leben ein: «Lädele» auf Pump und Schulden machen. Die Geschichten, die das Jugendmusical der reformierten Kirchgemeinde seit der ersten Durchführung 1989 aufgreift, sind jeweils gesellschaftskritisch, ernsthaft und von einer biblischen Botschaft getragen. Auch bei der 21. Durchführung ist dies nicht anders. Wieder widmen sich 60 Jugendliche zwischen 12 und 20 in ihren Ferien dem zweijährlich stattfindenden Projekt aus der Feder von Ruth Wüthrich.

Im biblischen Gleichnis hinter dem Musical geht es um einen König, der bei seinem verschuldeten Verwalter Gnade vor Recht walten lässt und ihm seine Schulden erlässt. Nun aber ist der hartherzige Verwalter selbst nicht bereit, diese Gnade auch anderen zu gewähren. Im Musical «Jana» ist es Mael, der grosse Schulden anhäuft, Jana aber die fälligen 50 Franken nicht erlassen will.

Während das Happy End und die moralische Kehrtwende im Gleichnis fehlen, überlässt es Ruth Wüthrich dem Publikum, die «Moral von der Geschicht» für sich zu entdecken. Vor allem hat sie es sich zum Ziel gemacht, die religiösen Motive in den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts als eigene Interpretation zu übertragen. «Es werde nicht nur finanzielle Schulden angesprochen, sondern alle Arten von Schulden», erläutert Wüthrich. Wenns ums Vergeben geht, so meint dies auch loslassen. Und auch alltagspraktische Aussagen macht das Musical: «Man kann aufzeigen, wie schnell jemand in die Schuldenfalle gerät.»

Es wird in allen Ecken geprobt

Aus dem offenen Fenster im Erdgeschoss des Kirchgemeindehauses Weststadt sind harmonische Chorklänge zu hören. Hier probt der musikalische Leiter Martin Wüthrich mit einem Teil der Jugendlichen – und früh schon klingt es nach Feinschliff. Ein Stock weiter oben sind die Regieassistenten mit dem Einüben der Szenen am Werk, während Philipp Wüthrich technische Justierungen am Mischpult vornimmt.

Die Kulisse lässt einiges erahnen – ein Fahrplan, ein Billettautomat, eine Sitzbank für wartende Fahrgäste: Vom Bahnhof Versuchungstal gelangt man vielerorts hin: nach Vergebenswil, Schuldenberg oder Hoffnungsfelden. Und genauso, wie sich die Protagonisten auf diesem fiktiven Fahrplan nur mit Müh und Not Orientierung verschaffen, tun sie sich mit den Hindernissen des Alltags ebenso schwer. Zuvorderst Jana, die mit Schulden gleichermassen zu kämpfen hat wie mit Liebeskummer.

Diesen Sonntag um 18.30 Uhr ist Premiere – auch Charlotte Fankhauser zählt nervös die Stunden bis dahin. Sie ist eine der beiden Darstellerinnen der Titelfigur, übt bereits ihre Soloeinsätze und versucht, sich in ihre Rolle einzuleben: «Jana ist naiv, unsicher und verliebt in Levi. Sie will sich für ihn verändern, um ihm zu gefallen», erzählt sie – und zieht daraus ihr Fazit: «Die Botschaft des Musicals liegt für mich darin, sich nicht für andere zu verändern, sondern sich selbst anzunehmen, wie man ist.» Und: Das Theaterspiel gefalle ihr besonders gut, sagt die 16-Jährige.

Nachdenken über die Zukunft

Mit ihrem Elan ist Charlotte Fankhauser in guter Gesellschaft. Jedoch stellt Ruth Wüthrich fest, dass die Nachfrage, beim Musical mitzuwirken, nachgelassen hat. «Vor vier Jahren hatten wir noch eine Warteliste, mittlerweile müssen wir schon aktiver Werbung machen.» Es erschwere es, dass sie selbst als Lehrerin im Ruhestand die Teilnahme nicht mehr aktiv in der Schule bewerben könne. «Andererseits gibt es halt auch viel mehr Angebote, bei denen Jugendliche teilnehmen können.»

Darüber hinaus habe wohl auch ein Zeitgeist der Unverbindlichkeit Einzug gehalten. «Ich weiss nicht, wie lange das Jugendmusical noch auf Resonanz stossen wird», sagt sie kritisch. Die gegenwärtige Stimmung unter den Jugendlichen und bei ihr selbst spricht aber eine andere Sprache. Und Wüthrich selbst ist gedanklich längst nicht mehr bei der Premiere am Sonntag: «Ich denke über das Jugendmusical 2017 nach. Es wird ‹Hanna› heissen und das Gleichnis des Sämanns thematisieren.»

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