«Das ist halt ihr gewohnter Weidegang. Den halten sie auch ein, damit das Glockengeläute im Rhythmus bleibt», meinte nachher auf dem Dornacherplatz Werner Walter vom Wallierhof, Verantwortlicher für das Vieh am Umzug. Dieser war nämlich in einem wahren Rekordtempo von knapp zehn Minuten ab der Kreuzackerbrücke, den Stalden, die Hauptgasse und über den Kronenstutz und die Kreuzackerbrücke wieder zum Dornachplatz geeilt.

Die Trachtenfrauen voraus, unter ihnen auch Wetterfee Sanra Boner, mussten sich mächtig sputen, während andere Grüppli mit Geissen oder dem Wagen ziehenden «Bäri» regelrecht abgehängt wurden. Und die Treichlergruppe aus Egerkingen zum Abschluss braucht einen anderen, viel langsameren Schritt, um ihre mächtigen Gehänge richtig in Schwung zu halten. «Deshalb kann man sie auch nicht vorauslaufen lassen», ergänzte Werner Walter, «die Kühe würden von hinten in sie hineinstossen.»

Alpabzug durch die Solothurner Altstadt – Chästag 2018

Alpabzug durch die Solothurner Altstadt

Am Solothurner Chästag 2018 zogen Kühe durch die Altstadt.

Woher die Milch kommt

«Nein trainieren konnten wir nicht», so Walter, denn die Kühe stammen aus dem Bucheggberg, dem Leberberg und dem Thal bis hinauf am Passwang. «Das wäre zu kompliziert gewesen». Dafür fehlten auch unter den 35 Kühen auf dem Dornacherplatz, wo in einer Viehschau die «Miss Chästag» erkoren wird, für einmal Walters Kühe vom Wallierhof.

Chästag-OK-Chef Robert Flückiger: «Vor einer Woche wurden sie in ihrem neuen Laufstall eingewöhnt. Und jetzt wollte man sie nicht aus dieser Angewöhnungsphase herausreissen», begründet er die erst- und einmalige Absenz von Walters Vieh.

Dieser freut sich aber über die Stadt-Präsenz auch der anderen Kühe: «Viel Kinder wissen ja gar nicht nicht mehr, woher die Milch kommt. So lernen sie am Chästag  echte Kühe kennen.» Und auch die Familienmitglieder der Viehzüchte seien am Umzug mitmarschiert, für sie ist der Chästag ein ganz spezieller Anlass.

Das Publikum dankte auch ihre Präsenz mit einem Grossaufmarsch schon mittags – und vor allem vor den Ständen mit Raclette oder Chäsbrägu bildeten sich am Rossmarktplatz rasch längere Schlangen.