Theater

Im Freudenhaus geht die Post ab

Diese aufgestellte Truppe spielt im Theater Mausefalle «Schatz, es isch agrichtet.»

Diese aufgestellte Truppe spielt im Theater Mausefalle «Schatz, es isch agrichtet.»

Das war ein Abend, der die Lachmuskeln beinahe überstrapazierte. Mit der Boulevardkomödie «Schatz, es isch agrichtet» liess der Royal Arts Club dem Publikum im Theater Mausefalle keine Minute Zeit für eine Atempause.

Eine ganz normale Pension mit ganz normalen Bewohnern? Mitnichten. Julia Sutter (Claudia Mauerhofer), eine ganz normale Frau mit Herz, hat von ihrer Tante kein gewöhnliches Gasthaus, sondern ein Freudenhaus geerbt.

Als die Mieter vom bevorstehenden Besitzerwechsel erfahren, ist im Rotlichtmilieu die Hölle los. Mit allen Mitteln wollen die beiden Freudenmädchen des Hauses, Natia Polanska (Therese Lüpold) und Lilly Oberli (Colette Ingold), verhindern, dass ihr bisheriges Leben aus den Fugen gerät und die Wahrheit aufgedeckt wird.

Bei ihrem Vorhaben unterstützt werden sie vom Zuhälter Joe Büttler (Andi Hubert), der sich wenig später auf Geheiss der beiden Damen in eine Frau verwandeln muss, und dem Transvestiten Bobbo (Jörg Rohrbach), der als bunter Paradiesvogel über die Bühne wirbelt.

Richtig ausgewählt

Doch es kommt vorläufig anders als geplant. Die neue Besitzerin kündet für eine Hausbesichtigung ihren Besuch an. Damit nicht genug: Sie lässt durchblicken, dass sie mit ihrem Verlobten Hannes Schmid (Sam Friedli) für eine gewisse Zeit im Haus wohnen möchte, um ihre Mieter besser kennen zu lernen.

Während sie Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, beginnt ihr Anvertrauter knallhart zu rechnen. Nicht die Liebe zu seiner Verlobten ist es, die ihn an ihre Seite treibt, sondern seine Spielschulden, die er auf ihre Kosten begleichen möchte. Um seinen Plan zu verwirklichen setzt er verschiedene Ränkespielen in Gang, denn es wird rasch klar: Im Gegensatz zu ihr will er das Haus verkaufen.

Um das Fass zum Überlaufen zu bringen, stolpert auch noch der Freier Gottlieb Kunz (Philipp Erb) in Begleitung seines Sohnes Jonas (Beni Hubert) auf die Bühne. Der Ministerpräsident will dem Volljährigen handfest beweisen, dass es im Leben noch anderes gibt, als auf einem Gameboy herumzuspielen.

Immer wieder setzt sich auch die resolute Putzfrau Helga Popp (Denise Friedli) in Szene, die mit herrlichen Auftritten überall da ist, wo sie nicht sein soll und die Komödie mit einem zu tiefen Blick ins Glas beendet.

Mit dem Dreiakter «Schatz, es isch agrichtet (Liebling, es ist angerichtet)» von der deutschen Autorin Uschi Schelling hat die versierte Amateur-Theatergruppe unter der Regie von Cony Studer einmal mehr in die richtige Schatulle gegriffen.


25 Proben waren nötig, um wiederum eine Glanzleistung zu erbringen. Der Abend strotzte von Situationskomik, die dem Publikum volle Präsenz abverlangte.

Während das mit Herzkissen, Samtvorhängen und roten Tapeten bestückte Rotlicht-Bühnenbild offenbar ein Gemeinschaftswerk war, sorgten Astrid Jakob in der Maske und Daniel Mauerhofer in der Technik dafür, dass die mit Leidenschaft agierenden Laiendarsteller ins rechte Licht gerückt wurden.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 11. November, und Samstag, 12. November, je 20 Uhr sowie Sonntag, 13. November, 16 Uhr im Theater Mausefalle.

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