Meeressäuseln, Grillengezirpe. Palmfächer streicheln die Fassade des Alten Zeughauses, das allerdings zum «Dream Hotel» der 1950er-Jahre mutiert ist. Klar, Solothurn liegt an der Riviera oder an der Côte d’Azur.

Und auf der Terrasse vor dem Hotel spinnt die Schickeria feine und unfeine Intrigen, prasseln Wortsalven aufeinander, wird geliebt, gelacht, geweint, wird getanzt, getobt, gesungen: Premiere der Komödie «Viel Lärm um nichts» von William Shakespeare – das Ensemble des «Theater Orchester Biel Solothurn» in spielfreudigster Hochform.

Temperamentvolles Hasspärchen

Bis ins Knochenmark sind die Sympathieträger Beatrice (Anne Weinknecht) und Benedikt (Urs Fabian Winiger) der Überzeugung, dass Liebe, Ehe, Männer, Frauen nicht der Vorhof der Hölle sind, sondern die Hölle selber. Und diese Überzeugung hauen sie sich wortgewaltig und temporeich um die Ohren. (Beatrice: «Ich danke Gott und meinem kalten Herzen (…) Lieber wollt’ ich meinen Hund eine Krähe anbellen hören, als einen Mann schwören, dass er mich liebe.»

Benedikt: «Gott erhalte mein gnädiges Fräulein immer in dieser Gesinnung! So wird doch ein oder der andre ehrliche Mann dem Schicksal eines zerkratzten Gesichts entgehen.»). Nun wird jedem getrennt vermittelt, dass der oder die andere unsterblich in sie/ihn verliebt sei – beide lockern die harten Bandagen um ihre Herzen, auch wenns sehr schwerfällt, und verlieben sich wirklich.

Ihre ungewisse Herkunft gibt ihnen innerhalb der starr definierten Gesellschaft Narrenfreiheit: Beide können sich entwickeln. Anne Weinknecht und Urs Fabian Winiger spielen ein temperamentvolles, wunderbares Hasspärchen, halten Bühnenpräsenz und Tempo leichtfüssig und ohne Einbrüche durch.

Maskentanz zu Trommelrhythmen

Ein Hauch von Tragik streift das andere Paar: Hero (Miriam Strübel), die Tochter des Leonatos, Gouverneur von Messina, wird als Hure verleumdet. Vor dem Traualtar kündigt ihr Claudio (Charles Morillon) seine Liebe auf. Hier spielt das Ensemble so intensiv, dass einem glatt – so ists doch gewollt – die Tränen kommen. Doch der Sturm ist vorüber, bevor er losbricht: viel Lärm um nichts.

Ein wunderbarer Dreh- und Angelpunkt ist der Maskentanz zu Trommelrhythmen in der Mitte des Stücks (Bühne und Kostüme Karin Fritz, musikalische Leitung Danny Exnar): Da darf das uralte Symbol für Theater – die weinende und die lachende Maske – sich selber feiern.

Einträchtiges Pärchentanzen

Es ist nicht nur der fantasievolle, doch straff gehaltene grosse Erzählbogen, der die lustvolle Inszenierung von Katharina Rupp ausmacht; es sind auch die vielen kleinen, feinen Szenen, an denen das Publikum seine Freude hatte. Etwa wenn der Bösewicht Boracchio (Lou Elias Bihler) «Mahna Mahna … 1000 Gulden … Mahna Mahna» singend die Bühne verlässt.

Oder wenn der Finsterling Don Juan (Eric Förster) seinen Weltschmerz in einer Canzone, in dem viel Amore, Mare und Luna vorkommen, öffentlich macht und damit Benedikt buchstäblich auf die Palme treibt und zu sagen veranlasst: «Kunst muss wehtun.» Oder wenn Chef de Service Ursula (Barbara Grimm) wie eine Furie auf Claudio losgeht, «Schwätzer, Affen, Hosenkacker» schreit und kaum von Leonato – einem souveränen Günter Baumann – gebändigt werden kann.

Und: Ach, dieses Zimmermädchen Margarethe (Natalina Muggli)! Muggli spricht als Margarethe Derbheiten wunderbar sanft aus, was diametral zu ihrem Temperament zwischen Rock ’n’ Roll und «Mille baci» steht.

Zum Schluss: einträchtiges Pärchentanzen, dazwischen fröhliches Kettengerassel der Bösewichte. Und ganz zum Schluss: viel Lärm um nichts? Nein! Grosser Applaus für eine grossartige Leistung!

Weitere Vorstellungen: Heute Di, 13.8.; Mi, 14.8. (Reservedatum); Do, 15.8.; Fr, 16.8.; Sa, 17.8.; Mo, 19.8. Reservedaten: 20.8.– 24.8. Jeweils 20 Uhr vor dem Alten Zeughaus.