Niemals hätte er es 1991 für möglich gehalten, dass er so lange im Discherheim bleiben würde. Nun aber bereitet sich Daniel Held nach 24 Jahren als Gesamtleiter der Wohn- und Werkstätte für Erwachsene mit Beeinträchtigung auf seinen Ruhestand vor. Bevor er ab 1. August die Geschicke der 33-jährigen Institution in die Hände seines Nachfolgers Stephan Oberli legt, lässt er die Zeit seit seinem Antritt als Heimleiter 1991 Revue passieren.

Zuvor war Held Internatsleiter im Blumenhaus Buchegg. Held erlebte den Ausbau des Heims von 18 auf 31 und zuguterletzt auf die heutige Grösse von 64 Plätzen, die in acht Wohngruppen angeordnet sind und er hat die ganze Entwicklung zum heutigen Betrieb mitgeprägt. Eine stetige Herausforderung war es, mit den Platzproblemen fertig zu werden. «Auf Trab gehalten hat uns auch der Wechsel von der Subventions- zur Subjektfinanzierung», sagt Held.

Diese Art der Finanzierung entstammt dem Neuen Finanzausgleich zwischen Bund und Kantone. So wird nicht mehr eine soziale Institution mit öffentlichen Geldern subventioniert, sondern durch IV-Beiträge. Die zu betreuende Person selbst kann, zusammen mit Rente und Ergänzungsleistungen, die Dienstleistungen für ihren Aufenthalt in der Institution selber bezahlen.

«Die grosse Entwicklung im Discherheim war jene vom Einzelkämpfer an der Spitze bis zu den Leitungsteams», sagt Held. 1991 nämlich sei er als Entscheidungsträger noch alleine an der Spitze gewesen: «Erst danach wurde der Gruppe mehr Verantwortung übergeben.» Nun tritt der 64-Jährige, der verheiratet ist und drei erwachsene Kinder hat, in den Ruhestand.

Dort will er sich vermehrt seiner Leidenschaft des Kanufahrens widmen und weiter als Kanuguide tätig sein. «Alle Projekte im Discherheim sind abgeschlossen», retabliert er den aktuellen Stand der Dinge. Eine besondere Herausforderung bleibe seinem Nachfolger überlassen, deutet Held an: «Ich bin mit den hier betreuten Personen alt geworden. Mein Nachfolger übernimmt im eigentlichen Sinn ein Alters- und Pflegeheim für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen.»

Alter und Pflege ist ein Thema

Sein Nachfolger ist der 47-jährige Stephan Oberli, der sich für seine Anstellung einem externen Verfahren gestellt und die nötige Ausbildung zum Institutionsleiter absolviert hat. Er ist verheiratet und teilt mit seinem Vorgänger die Kanu-Leidenschaft. Seit zweieinhalb Jahren obliegt ihm die Leitung im Bereich Wohnen. Bis September 2009 war Oberli Teamleiter und Sozialpädagoge im Behindertenbereich im Alters- und Pflegeheim Seelandheim Worben. Dann stieg er als Teamleiter zweier Teams im Discherheim ein.

Für die Zukunft sieht er sich mit dem Spannungsfeld Alter und Pflege konfrontiert. So brauche gerade ein 75-jähriger und somit pensionierter Heimbewohner andere Tagesstrukturen als ein 25-jähriger, der sich mit anderen Lebensthemen beschäftige. Damit stellt sich auch die Frage, wie Menschen mit Beeinträchtigungen im fortschreitenden Alter sinnvoll an einem Arbeitsplatz eingesetzt werden können. «Das Thema ist vielseitig und vielschichtig. Die Frage, wie wir mit den Leuten umgehen, ist herausfordernd.»

Festzustellen ist auch ein Zuwachs an Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf, z.B. psychisch. Mit dieser Entwicklung stehen weitere Herausforderungen ins Haus. «Es leben bereits einige Personen mit diesen Verhaltensweisen bei uns. Für diese Menschen fehlen adäquate Wohnformen, und der Bedarf danach steigt signifikant an. Hier sehe ich das Discherheim in der Pflicht, diesbezüglich zu handeln und Angebote zu entwickeln.»

Während also die Rahmenbedingungen im Heimumfeld nicht einfacher werden, zeigt sich der künftige Heimleiter zuversichtlich, was die Institution selbst angeht: «Das Discherheim ist vital und steht gut da. Es ist ein toller Ort für jene, die hier wohnen, und für jene die hier arbeiten.»