Solothurner Kunstmuseum
Im Depot des Solothurner Kunstmuseums liegt auch mal ein Picasso am Boden

Das Kunstmuseum hat zu wenig Platz im Depot. Ein neuer Kulturgüterschutzraum würde 6,7 Millionen Franken kosten. Am Dienstag kommt das Projekt vor den Gemeinderat, im September stimmt das Volk darüber ab.

Lucien Fluri
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Es gibt kaum Platz für neue Werke im Depot des Solothurner Kunstmuseums.
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Es gibt kaum Platz für neue Werke im Depot
Zwar betreibt das Kunstmuseum mehrere Aussenlager. Doch weder von der Sicherheit noch von den Bedingungen genügen diese.
Im Depot schwanken die Temperaturen je nach Jahreszeit zwischen 5 und 25 Grad

Es gibt kaum Platz für neue Werke im Depot des Solothurner Kunstmuseums.

Lucien Fluri

«Wo kommen wir denn hin, wenn ein Picasso am Boden steht.» Christoph Vögele steht im Kulturgüterschutzraum des Kunstmuseums, künstliches Licht beleuchtet den Raum. Rund um den Konservator hängen an metallenen Registraturgittern Werke von Buchser, Hodler, Vallotton. Skulpturen von Hutter, Tinguely und Luginbühl lagern beim Eingang. Am Boden stehen Bilder von Otto Morach. Im übervollen Depot könnte man schon mal über einen Giacometti «tschüupere». Bald könnte sich die Situation verbessern: Am Dienstag kommt der Neubau des Kulturgüterschutzes vor den Gemeinderat, im September stimmt das Volk über das 6,7 Mio.-Projekt ab.

Ungenügender Einbruchschutz

«So kann man kaum mehr weitersammeln», sagt Christoph Vögele im Raum, dessen Türe «ein ungenügender Einbruchschutz» attestiert wird. Für das Kunstmuseum ist das fehlende Lager ein Problem, sieht es doch das Sammeln und Kaufen zeitgenössischer Werke auch als langfristigen Generationenvertrag, bei dem jede Generation die Werke ihrer Zeit für die Nachwelt ankauft. Müsse er heute jedoch Ankäufe tätigen, habe er immer schon eine «Schere im Hinterkopf», sagt Christoph Vögele, denn er wisse nie, wo das Haus die Ankäufe lagern könne.

Hohe Temperaturschwankungen

Zwar betreibt das Kunstmuseum mehrere Aussenlager. Doch weder von der Sicherheit noch von den Bedingungen genügen diese. Und auch im Haupthaus sind die Verhältnisse nicht ideal. Zwischen 5 und 25 Grad schwanken die Temperaturen je nach Jahreszeit. Werde ein Bild «aus dem Kühlschrank» ins warme Museum gebracht, drohen laut Vögele Sprünge und bröckelnde Farbschichten. Zeitweise wurden deshalb gar Elektroheizgeräte im Raum aufgestellt - aus Brandschutzsicht eigentlich kriminell.

Tatsächlich hätte der überfüllte unterirdische Raum eine ganz andere Funktion: Gebaut wurde er nicht in erster Linie als Depot, sondern um im Krisenfall die in den Ausstellungssälen hängenden Werke aufnehmen zu können. «Das ist schon lange nicht mehr der Fall», sagt Vögele.

Bei Neubau 200 Werke von Amiet

Der Picasso, der eben erst als Erbschaft ins Museum kam, ist inzwischen zwar fachgerecht versorgt. Doch die nächste, viel umfassendere Schenkung hat Vögele schon in Aussicht. Sie könnte den Ruf des Hauses nochmals stärken: Doch ob die versprochene Dauerleihgabe von 200 Werken Cuno Amiets nach Solothurn kommt, hängt vom Neubau ab. Kommt dieser, möchten Amiets Nachfahren die Werke dort unterbringen.

Konservator Vögele hofft, mit dem neuen Raum auch schneller die Ausstellung wechseln und so mehr Werke aus zeigen zu können. Denn nur wenige der rund 5000 Gemälde, Zeichnungen und Graphiken können überhaupt gezeigt werden. Und es ist nicht ganz einfach, diese aus dem Keller ins Museum zu holen: Der Korridor zum Lift ist mit Material und Kunstwerken belegt. Der Gang führt um mehrere Ecken. Wer bei der Rampe am Lieferanteneingang Statuen ausladen will, kämpft mit 13 Prozent Gefälle. Wird der Neubau genehmigt, soll die Anlieferung dank einer neuen Liftöffnung in der Nordfassade ebenerdig sein.

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