Nach einem gefälligen Auftritt der SOL Brass Kids – dem musikalischen Nachwuchs – begann die Brass Band Solothurn (BBS) ihr Jahreskonzert mit dem rassigen Quick March «Queensbury». Mit «Inclusion» von Paul Sharman stellte sie danach ihr Selbstwahlstück für das Eidgenössische Musikfest vor.

Das interessante und recht abwechslungsreiche Werk kam beim Publikum sehr unterschiedlich an. Gefallen hat die Interpretation. Spürbar war die Zurückhaltung bei den feinen Passagen und das Bemühen, ihnen etwas Mystik zu verleihen. Einen recht grossen Teil des Konzertes machten Soli aus. Die gab es, zumindest für das Principal-Cornet wie üblich eingebaut und versteckt in fast allen Titeln.

Claudia Flury – sie sitzt bei der BBS auf diesem Stuhl – musste aber nicht nur wie üblich in hohen Bereichen präsent sein, sondern bei Rodney Newtons Arrangement von Jerry Goldsmiths «Air Force One» in tiefen. Ein wunderschönes, hervorragend vorgetragenes Bariton-Solo platzierte Philip Harper in «The Witch of the Westmerlands» von Archie Fisher.

Gewagte Einsätze

In beiden Konzertteilen rückte die BBS jedoch ein aufwendiges, anspruchsvolles Solo ins Zentrum. Joaquin Rodrigo setzte im Mittelsatz – einem Adagio – seines Gitarrenkonzertes «Concierto de Aranjuez» eine wunderschöne Oboenstimme neben die Gitarre. Das diente verschiedenen Arrangeuren als Ausgangspunkt für andere Solo-Instrumente. So gibt es eine Bearbeitung für Flügelhorn und Brass Band.

Genau die packte die BBS in den ersten Konzertteil. Was klanglich aus ihr herauszuholen war, kitzelte Flügelhornist René Bohner aus dem Instrument. Die Begleitung hätte aber etwas dezenter ausfallen dürfen. Mit einem gewagten Solo trat Claudia Flury im zweiten Teil auf.

Mit dem «Concerto for Trumpet» von Harry James, natürlich auf dem B-Cornet gespielt, beeindruckte sie. Selbst die Perkussionisten bekamen in «Wall of Sound» vom Schlagzeuger Paul Lovatt-Cooper ihren eigenen Auftritt.

Als erste Zugabe spendierte die BBS mit «The Waltonian» einen rassigen Marsch. Der erinnerte zwar ziemlich stark an John Philipp Sousa. Er stammt aber nicht von ihm. Geschrieben hat ihn Joseph John Richards. Der war allerdings ein Zeitgenosse von Sousa. Für die heute übliche Brass-Band-Besetzung und den modernen Musikgeschmack zurechtgebogen hat ihn Thomas Wyss.

Noch früher als die beiden Amerikaner lebte Thomas Haynes Bayly, nämlich 1797 bis 1839. Nach heutigem Verständnis ein Komponist und Songwriter.

Eine seiner Kompositionen schafft es bis heute, in verschiedenen Versionen und Stilrichtungen aufzutauchen. Domkaplan Carl Robert Enzmann dichtete beispielsweise an der Fasnacht 1914 dazu «Es lit es Stedtli» und schuf damit das «Solothurnerlied».

Oder Stephan Jaeggi verwendete sie als Trio im «Solothurner Marsch» und ganz neu auch Christoph Walter im Marsch «Le Patron» für Urs Freiburghaus, der am 16. März uraufgeführt wurde. Die BBS wählte hingegen die Arbeit von Derek Broadbent über diesen Oldtimer als zweite Zugabe.