Seit vielen Jahren werden in der «Langzeitpasserelle» des Solothurner Bürgerspitals betagte Männer und Frauen betreut, die auf einen Platz im Pflegeheim warten. 16 Betten zählt die Abteilung, die sich nicht über mangelnde Auslastung beklagen kann.

Ein Team von 16 Pflegefachleuten, darunter einige Lernende, kümmert sich rund um die Uhr um die betagten Patienten. Im Durchschnitt bleiben diese 22 Tage auf der Station, bevor sie dann ihr neues Zuhause in einem Pflegeheim beziehen können.

Wie diese Zeitung erfahren hat, haben die Verantwortlichen der Solothurner Spitäler AG (soH) jetzt entschieden, die Abteilung zu schliessen. Oliver Schneider, Leiter Marketing und Kommunikation der soH, bestätigte gestern auf Anfrage diesen Beschluss, der bis Ende Jahr umgesetzt werden soll.

Sparmassnahme des Kantons

«Die Mitarbeitenden sind informiert worden», sagt Schneider. Derzeit laufen aber noch Abklärungen mit dem kantonalen Amt für soziale Sicherheit (ASO) über die künftige Unterbringung der Passerelle-Patienten. Deshalb habe die soH den Beschluss nicht öffentlich kommuniziert.

Oliver Schneider begründet die Schliessung der «Langzeitpasserelle», die es soH-weit nur am Bürgerspital gibt, mit «sinkenden Beiträgen des Kantons». Die Regierung und der Kantonsrat haben im Rahmen des Massnahmenplans 2014 beschlossen, die Abgeltung der öffentlichen Hand für Langzeitbetten schrittweise zu reduzieren.

Damit aber werde die kostendeckende Pflege von Langzeitpatienten in einem Spital praktisch verunmöglicht, hält Schneider fest. Und zwar deshalb, weil in einem Akutspital aufgrund der anspruchsvollen und teuren Infrastruktur grundsätzlich höhere Kosten anfallen als in einem Pflegeheim.

Deshalb habe die soH entschieden, den bestehenden Leistungsauftrag in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Pflegeheimen zu erfüllen. Zurzeit laufen Abklärungen mit verschiedenen Heimen, in die auch das ASO involviert ist.

«Die Abgeltungen des Kantons für die Langzeitbetten wird die soH den Heimen weiterleiten», so Schneider. Er betont, dass die Spitäler AG damit also auch künftig ihrem Auftrag nachkommt, für die Betreuung von pflegebedürftigen Personen zu sorgen, die noch keine definitiven Heimplatz gefunden haben. Der aktuelle Leistungsauftrag endet 2017. Schneider: «Der Kanton wird bestimmen, wie es danach weitergehen soll.»

Nur einzelne Kündigungen

Die ersten Passerelle-Patienten sollen im Frühsommer in einem Pflegeheim untergebracht werden, so Schneider. Abgeschlossen sein werde die Verlagerung Ende Jahr. Die «Langzeitpasserelle» mit ihren 16 Betten wird dann in eine Akutstation umgewandelt.

«Die 16 Mitarbeitenden werden, wenn immer möglich, weiter innerhalb der soH beschäftigt», hält Oliver Schneider fest. Mit Umschulungen werden sie für ihre künftigen Aufgaben in der Akutpflege ausgebildet. «In Einzelfällen kann es zu Kündigungen kommen.»
Mit der Verlagerung der Langzeitbetten in Pflegeheime schaffe die soH auch Platz für den steigenden Bedarf an Betten im Bereich der Akutpflege, macht Schneider deutlich. Und die betagten Passerelle-Patienten ihrerseits erhalten in einem Pflegeheim eine gezielt auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Betreuung.

Die Spitäler AG hat die Wahl

Für den Kanton stellt der Beschluss der soH-Strategen kein Problem dar. Die Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Pflegeheimen entspricht den Bestimmungen der Leistungsvereinbarung. «Die soH kann die Aufgabe entweder selber erfüllen oder zusammen mit Dritten, also mit Pflegeheimen», sagte gestern Heinrich Schwarz, Departementssekretär im Departement des Inneren.

«Die Spitäler AG ist aber in jedem Fall dafür verantwortlich, dass der Leistungsauftrag erfüllt wird.» Aus jetziger Sicht besteht für Schwarz kein Anlass, die Leistungsvereinbarung in irgendeiner Form zu ändern.