Der April hat angefangen und ich frage mich, ob der Name dieses Monats tatsächlich vom Lateinischen «aperire» kommt. Logisch wäre es, da sich das Öffnen auf die Knospen beziehen könnte. Somit wäre – vegetationstechnisch gesehen – der April also «der die Erde öffnende Monat». In den Gärten und am Wegrand rund um die Altstadt ist dies zumindest momentan zu beobachten.

Das Verb «aprilen» wäre also ein Neologismus für «öffnen». Insofern passt es ganz gut, dass heute um 14 Uhr die Hafebar «aprilt». Es beginnt eh die Zeit, in der die Solothurner wieder vermehrt draussen sitzen wollen, und wer einen Gastrobetrieb führt, tut gut daran, draussen zu stuhlen. In Wien nennt man diesen Bereich eines Restaurants «Schanigarten». Natürlich handelt es sich nicht um einen Garten im eigentlichen Sinn, geschweige denn um einen Grünbereich. Oft sind Schanigärten mit Blickschutzwänden oder mit Topfpflanzen eingerahmt. Aber die Wiener hatten schon immer ein Flair, die Dinge positiver zu benennen als sie es sind.

Daher sollte der eine oder andere Schanigarten durchaus auch in Solothurn «aprilen».
Eine andre Etymologie sieht «apricus» als Ursprung des Wortes «April», was wörtlich «sonnig» heisst. Was heute respektive am ganzen Wochenende zutrifft, muss jedoch nicht zwingend für den ganzen Monat gelten. Dass das Wetter im April wechselhaft wird, weiss jeder: «Wohl hundertmal schlägts Wetter um – das ist dem April sein Privilegium», sagt der Volksmund. Doch ob dies seit dem Klimawandel auch noch so ist, bezweifeln einige. Und dass es überhaupt einen Klimawandel gibt, bezweifelt vor allem Donald Trump – und der ist ja schliesslich Herrscher und kann solche Dinge bestimmen.

Ein anderer Herrscher, der sich mit dem April auseinandergesetzte, war Karl der Grosse: Er führte den alten deutschen Namen «Ostermond» ein, weil Ostern meist im April liegt. Heuer hatten wir durchaus einen Ostermonat – nächstes Jahr hüpft das Osterfest von Anfang auf Ende des Monats. Erst 2024 fällt Ostern wieder einmal auf den März. Die Bezeichnung «Ostermond» ist also auch nicht das Gelbe vom Ei.

Der April wurde früher übrigens auch «Wandelmonat» genannt. Diese Bezeichnung wäre durchaus wieder aktuell, denn man kann sie auf das «Ausgehverhalten» der Solothurner beziehen: Im April geht man noch an Veranstaltungen, die drinnen stattfinden. Dieses Wochenende zum Beispiel Slam Poetry im Kulturm, «Thirdy» im Kofmehl, Kirchenkonzert der Stadtmusik und, und, und. Je länger der April aber andauert, desto stärker «wandeln» sich die Bedürfnisse der Solothurner vom «Indoor» hin zum «Open Air». Ergo ist «Wandelmonat» gar nicht so schlecht.

Kaum mehr gebräuchliche Bezeichnungen für den Monat sind Grasmond oder auch Launing. Woher der Name «April» letztendlich kommt, bleibt also unklar. Ist ja eh nicht schlimm, denn laut der bekannten Redewendung kann momentan sowieso jeder machen, wie er will. Voilà.